
Es gibt einige Bibelstellen – vor allem in den Paulusbriefen – die heute in unserer Gesellschaft auf auf Ablehnung oder Unverständnis stoßen. Trotzdem stehen sie erst einmal in der Bibel, in dem von Gott inspirierten Buch. Dessen müssen wir uns bewusst sein.
Ich dachte, es ist einfach, ein paar Stellen herauszusuchen und darüber zu schreiben. Das war wohl nichts. 😊 Die dort angesprochenen Themen haben sehr viele Facetten und in der Praxis wird heute einiges anders gehandhabt. Ich habe die Kommentare in meiner Elberfelder Bibel zu Rate gezogen und den Kommentar zum Neuen Testament von William MacDonald zu Hilfe genommen, weil mir manches nicht ganz klar war.
Ich möchte hier ein paar Bibelstellen rausgreifen und dazu schreiben, was mir begegnet ist – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Frauen in der Gemeinde
„Anweisungen für Frauen und Männer im Gottesdienst“

3 Ich will aber, dass ihr auch Folgendes wisst: Jeder Mann untersteht Christus, die Frau dem Mann, und Christus untersteht Gott.
1.Korinther 11 (HfA)
4 Ein Mann entehrt Christus, wenn er im Gottesdienst öffentlich betet oder im Auftrag Gottes prophetisch redet und dabei eine Kopfbedeckung trägt.
5 Trägt dagegen eine Frau keine Kopfbedeckung, wenn sie im Gottesdienst betet oder im Auftrag Gottes prophetisch redet, dann entehrt sie ihren Ehemann. Das wäre genauso, als wenn sie kahl geschoren herumliefe.
6 Will eine Frau ihren Kopf nicht bedecken, kann sie sich auch gleich die Haare abschneiden lassen. Aber weil es jede Frau entehrt, wenn ihr das Haar kurz geschnitten oder der Kopf kahl geschoren wurde, soll sie ihren Kopf bedecken.
7 Ein Mann aber soll im Gottesdienst keine Kopfbedeckung tragen, denn er ist nach Gottes Bild geschaffen und spiegelt dessen Herrlichkeit wider. In der Frau dagegen spiegelt sich die Herrlichkeit des Mannes.
8 Denn Adam, der erste Mensch, wurde nicht aus einer Frau erschaffen, aber Eva, die erste Frau, wurde aus dem Mann erschaffen.
9 Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.
10 Deshalb soll sie im Gottesdienst eine Kopfbedeckung tragen als Zeichen dafür, dass sie dem Mann untersteht. Auch wegen der Engel, die über Gottes Ordnungen wachen, sollte sie dies tun.
In diesen Versen geht es zum Einen um die Kopfbedeckung im Gottesdienst, vor allem beim Gebet, und zum anderen kann man daraus die Ordnung, die Gott den Menschen bei der Schöpfung gegeben hat, ablesen.
Grundsätzlich ist es für Paulus in Ordnung, wenn Frauen prophetisch reden. Aber eben mit Kopfbedeckung. Mit einer Kopfbedeckung ist ein Schleier oder ein Kopftuch gemeint. Manche Bibelkommentatoren sagen auch – bezogen auf Vers 15 im selben Kapitel – dass ein geordnetes Haar als Schleier dienen kann, denn offenes Haar tragen galt in der antiken Welt als schamlos. Kurzgeschnittene Haare oder ein kahl geschorener Kopf bei Frauen galten als Zeichen für Ehebruch oder Prostituierte.
Die Ordnung wird in Vers 3 deutlich. Autorität und Ordnung sind die Säulen der Gesellschaft. Jesus untersteht Gott – allerdings auf der selben Ebene, denn „der Vater und ich sind eins„. Der Mann untersteht Jesus und die Frau dem Mann. Unterordnung bedeutet nicht Stellungsminderung. Mann und Frau sind aufeinander angewiesen (1.Mose 2,18-24) und sollen Gott gemeinsam dienen. Siehe auch Galater 6,26-28. [2]
„Die Frau sich im Gottesdienst still verhalten“

33 Denn Gott will keine Unordnung, er will Frieden. Wie in allen Gemeinden 34 sollen sich auch bei euch die Frauen in den Gottesdiensten still verhalten und dort nicht das Wort führen. Stattdessen sollen sie sich unterordnen, wie es schon das Gesetz vorschreibt. 35 Wenn sie etwas wissen wollen, können sie zu Hause ihren Mann fragen.
1.Korinther 14, 33-35 (HfA)
Es geht in Vers 34 nicht um das miteinander reden im Gottesdienst, denn wenn man den griechischen Urtext zu Rate zieht, sagt er aus, dass die Frau „nicht mit Autorität sprechen“ soll. Das heißt, sie soll keine führende Stellung in einer Gemeinde innehaben, sondern andere wertvolle Dienste tun ([1], Seite 761). Zu Vers 35: Die Frau soll in der Gemeinde keine Fragen öffentlich im Gottesdienst stellen – anscheinend wurde das bei Korinthern versucht, um dem „Redeverbot“ zu entgehen ([1], Seite 761).
Eine Vergleichsstelle dazu:
11 Die Frau soll still zuhören, wenn in der Gemeinde gelehrt wird, und bereit sein, sich ganz unterzuordnen. 12 Einer Frau erlaube ich nicht, öffentlich zu lehren oder sich über den Mann zu erheben. Sie soll vielmehr still und zurückhaltend sein. 13 Denn Gott hat zuerst Adam geschaffen, den Mann, und danach Eva, die Frau. 14 Außerdem ließ sich nicht Adam von der Schlange verführen, sondern Eva. Sie hat Gottes Gebot übertreten.
1.Timotheus 2 (HfA)
Mich macht das schon nachdenklich, denn ich habe schon einige Frauen kennengelernt, die gute Führungsqualitäten haben und ich profitierte schon oft von den Gedanken, die Frauen z.B. in einer Lobpreiszeit, einem Gebetsabend, bei Predigten oder Andachten äußerten. Wie sollen wir mit diesen Bibelstellen gut und im Sinne Gottes umgehen?
Ordnung in der Ehe
„Die Frau ordne sich dem Mann unter“

21 Ordnet euch einander unter; tut es aus Ehrfurcht vor Christus. 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, so wie ihr euch dem Herrn unterordnet. 23 Denn wie Christus als Haupt für seine Gemeinde verantwortlich ist, die er erlöst und zu seinem Leib gemacht hat, so ist auch der Mann für seine Frau verantwortlich. 24 Und wie sich die Gemeinde Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem ihren Männern unterordnen. 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus seine Gemeinde liebt: Er hat sein Leben für sie gegeben, 26 damit sie ihm ganz gehört. Durch sein Wort hat er alle Schuld von ihr abgewaschen wie in einem reinigenden Bad. 27 So sorgt er selbst dafür, dass sie zu einer schönen und makellosen Braut für ihn wird, ohne Flecken, Falten oder einen anderen Fehler, weil sie allein Christus gehören soll. 28 Darum sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Körper. Wer nun seine Frau liebt, der liebt sich selbst.
Epheser 5 (HfA)
Ich weiß, dass es viele gibt, die mit diesen Versen ihre Schwierigkeiten haben, vor allem mit Vers 22. Ich sehe es so, dass Gott eine Ordnung in der Schöpfung gegeben hat (siehe weiter oben) und dass es einfach jemand geben muss, der die Verantwortung und Führung übernimmt. Wenn diesen Job jemand gut macht, ist es kein Problem, so jemanden zu folgen. Zudem sind die Männer aufgefordert, ihre Frauen zu lieben, wie Christus die Gemeinde liebt: Mit ihrem Leben sollen sie sich für das Wohlergehen ihrer Frau (und der Familie) einsetzen. Und ich folgere draus: Wenn ich meine Frau so sehr liebe, dann will ich das Beste für sie und werde sie niemals übervorteilen, runtermachen, ausnutzen oder etwas tun, was sie absolut nicht möchte. Es gibt immer Wege, zum Beispiel eine Entscheidung gemeinsam so zu treffen, dass beide gut damit leben können.
Die Haupt-Stellung ist keine Position (in Bezug auf Recht und Macht), sondern eine Form des Dienens. Haupt sein soll der Mann nicht für sich, sondern im Herrn für die Frau.
Kommentar in der Elberfeld Bibel ([2], Seite 1555)
Learnings und Bemerkungen

- Es ist nicht ganz einfach…
- Was ich für mich mitnehme ist, dass Gott ein Gott der Ordnung ist; dass Er für uns Regeln geschaffen hat, die Sinn haben und gut für uns sind. In der Bibel tut Er uns Seinen Willen kund.
- In der Bibel gibt es viele Stellen, z.B. die 10 Gebote, die wirklich klar sind. Auch das Gebot der Nächstenliebe oder Jesu Aufforderung zur Feindesliebe sind klar. Hier müssen wir uns bemühen, so zu handeln, wie Gott es von uns will. Vielleicht sollten wir umsetzen, was wir schon verstanden haben – damit haben wir genug zu tun 😊. (Irgendjemand Schlaues hat das mal in der Art gesagt, aber ich weiß nicht mehr wer.)
- Vieles was Paulus schreibt, schreibt er an Gemeinden und in Gemeindesituationen hinein. So kann man zumindest sagen, dass es für die „Welt“ (die Nichtchristen) nicht immer anzuwenden ist.
- Alles, was hier Paulus schreibt, auf die damalige Kultur abzuwälzen, greift sicherlich zu kurz. Vor allem muss man aufpassen, wo man die Grenze zieht. Was ist tatsächlich kulturell bedingt und was nicht? Beispiel: Wir steinigen heute niemanden mehr wegen Ehebruchs, was auch gut so ist. Das „Verwässern“ kann ein gefährliches Spiel sein und untergräbt die Autorität der Bibel als Gottes Wort.
- Das Einzige, was heilsnotwendig ist, ist der Glaube an Jesus, seinen Kreuzestod, die Auferstehung und die Bezahlung unserer Sünden. Die anderen Dinge anders zu leben wie die Bibel schreibt, bringen einem nicht die ewige Verdammnis ein und ein perfektes Leben rettet einen nicht (schon weil wir niemals perfekt sein werden!) Trotzdem wollen und sollen wir Christen Jesus ähnlicher werden und ein gottgefälliges Leben führen und bemühen uns wirklich Seinen Willen zu tun. Jesus sagt nicht, dass Er die Gebote aufhebt. Im Gegenteil, Er bestätigt sie (vgl. Lukas 16,17). Wir sollen/ müssen uns bemühen, Gottes Willen zu verstehen und auszuführen, so gut wir können. Wir dürfen uns vom Heiligen Geist leiten lassen.
- Es gibt einige Stellen in der Bibel, die wir nicht verstehen oder verstehen können. Es gibt Stellen, wo wir Gottes Handeln in dieser Situation nicht nachvollziehen können. Wir müssen einfach lernen zu akzeptieren, dass es so ist. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“ (Jesaja 55,8-9)
- Bevor wir vorschnell jemanden verurteilen, weil er/ sie nicht so zu leben scheint, wie Gott es möchte, sollten wir mehrere Dinge bedenken:
- Wir selbst sind nicht ohne Sünde (Johannes 8,7).
- Wir sollen nicht verurteilen (z.B.: Lukas 6,37).
- Alles was wir tun, sollen wir in Liebe tun (Jakobus 2,8).
- Wir sollen gnädig und barmherzig miteinander umgehen (Lukas 6,36).
- Wir sollen nicht kleinlich sein und vor allem keine Heuchler (Matthäus 23,23).
- Das soll nicht heißen, alles zu ignorieren, was schief läuft. Es soll heißen, dass wir es in der richtigen Haltung bedenken und entsprechend handeln.
Vielen Dank für’s Lesen und Gottes Segen!
Bücher
[1] William McDonald, Kommentar zum Neuen Testament, CLV, Bielefeld, 6. überarbeitete Auflage 2013
[2] Elberfelder Bibel mit Erklärungen, SCM R. Brockhaus, Witten, Textstand 28, 7. Gesamtauflage 2016