
Er ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.
Markus 12,27a (HfA)
Fachchinesisch
Die Formulierungen „lebendiger Glaube“ oder „lebendige Beziehung zu Gott/ Jesus“ hast du sicher schon mal auf SalzUndLicht gelesen. Vielleicht hast du dich dann gefragt: „Was meint der Alex eigentlich damit?“ Dann muss ich mich entschuldigen. Manchmal ist es bei uns Christen echt ein Problem, dass wir unseren Fachjargon haben und mit Begriffen um uns werfen, die nicht jeder versteht oder weiß, was dahintersteckt bzw. bedeuten soll. Sowas wie „Gemeinschaft haben“, „Gott groß machen“, „Intimität mit Gott“, „im Geist beten“, „Lobpreis machen“, „ein Anspiel schreiben“, „im Fleisch wandeln“. Manches hört sich schon komisch an. Aber viele dieser Formulierungen haben ihren Ursprung in der Bibel. Und man lernt sie unweigerlich, wenn man in eine Gemeinde geht…

Was heißt „lebendige Beziehung“?
In diesem Beitrag möchte ich versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Zumindest bei „lebendige Beziehung zu Gott“. Denn das halte ich für sehr wichtig zu wissen, was das ist.
Natürlich hab ich nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und ich hab meine Sicht auf die Art und Weise, wie lebendiger Glaube aussieht. Andere Christen würden es vielleicht anders formulieren und andere Punkte in den Fokus rücken.
Wir leben immer in Beziehungen – zu unseren Partnern, Kindern, Freunden, Kollegen, Geschäftspartnern, usw. Die sind mal mehr, mal weniger tief. Das beruht darauf, wie sehr wir der Person vertrauen, wie sehr wir sie lieben/ mögen, wieviel Zeit wir mit ihr verbringen, welche Gedanken wir miteinander teilen, was wir miteinander erlebt und was wir durchgestanden haben.
Genauso ist es mit Gott:
Wenn ich an Ihn glaube, dann möchte ich vertrauen, dass Er es gut mit mir meint und Er mich den richtigen Weg in meinem Leben führt. Ich vertraue der Bibel, Seinem Wort, dass sie die Wahrheit sagt und dass sie ein Wegweiser ist. Dass die ganze Sache mit Jesus keine Fakenews sind (Spoiler: Ist sie nicht 😉).
Denn die ganze Heilige Schrift ist von Gott eingegeben. Sie soll uns unterweisen; sie hilft uns, unsere Schuld einzusehen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und so zu leben, wie es Gott gefällt.
2.Timotheus 3,16 (HfA)

Gott lieben – was heißt das?
Ich vergleiche es gerne mit einer Ehe. Es gibt Zeiten, da hat man verliebte Gefühle, ist glücklich, alles ist perfekt. In andere Zeiten nervt der Partner vielleicht oder man ist enttäuscht oder einfach im Alltag verhaftet. Und trotzdem: Nur weil man gerade nicht auf Wolke 7 schwebt, heißt das nicht, dass man die Partnerin/ den Partner nicht mehr liebt! Deswegen will ich sie/ ihn ja nicht gleich loswerden. Und manchmal muss man sich echt entscheiden, zu ihr/ ihm zu stehen, wenn nicht alles perfekt läuft oder der Alltag übermächtig wurde. Es gibt einfach das Gefühl der Liebe und die Entscheidung jemanden zu lieben. Im Glauben gibt es eben die Bandbreite von „Ich bin total verliebt in Gott“ bis „Ich fühl gerade gar nichts“. Das ist beides in Ordnung, denn von uns ist nicht jeder gleich emotional gestrickt. Ich finde diese Bibelstelle passt hier sehr gut:
Ihr sollt ihn von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft.
Markus 12,30 (HfA)
Zeit verbringen
Zeit miteinander zu verbringen, ist wohl eines der wichtigsten Dinge in zwischenmenschlichen Beziehungen. Genauso ist es mit Gott. Denn jede Beziehung braucht Zeit. Wie du Zeit mit Ihm verbringen kannst? Da gibt es viele Möglichkeiten: in den Gottesdienst gehen, Bibel lesen – denn sie ist Sein Wort, Gebet – dazu später mehr, Bücher lesen, über Ihn nachdenken, still sein und hören, ob und was Er dir sagen möchte, deinen Mitmenschen helfen, über Gott mit anderen sprechen, sich über den Glauben austauschen, Musik für Ihn machen/ genießen/ mitsingen. Manche fühlen sich Gott näher, wenn sie in der freien Natur oder den Bergen sind. Manche, wenn sie einen christlichen Kongress besuchen. Und so weiter. Das ganze aber ohne Zwang – es braucht keine bestimmte Menge an Zeit und du musst kein Soll erfüllen. Es gibt Tage, da hat man kaum Zeit, an anderen wieder mehr. Hilfreich sind Rituale: zum Beispiel eine Gebets- oder Bibellesezeit vor der Arbeit, Abendgebet, ein freier Sonntag mit Gottesdienstbesuch, … es gibt viele Möglichkeiten.
Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Psalm 67,3 (LU17)
Darum gedenke ich an die Taten des HERRN, ja, ich gedenke an deine früheren Wunder und sinne über alle deine Werke und denke deinen Taten nach.
PSalm 77,12-13 (LU17)

Erlebnisse mit Gott
Gemeinsame Erlebnisse, Urlaube, Projekte, Arbeit, Interessen, usw. schweißen zusammen. Wir versuchen in unserer Familie mit unseren Kindern schöne Erinnerungen zu schaffen, indem wir miteinander verreisen, gemeinsam spielen, reden, lustige Sachen machen, Eis essen gehen – es gibt vieles was man miteinander tun kann.
Vielleicht hört es sich komisch an, so etwas mit dem unsichtbaren Gott zu machen, aber es geht. Wie?
Nimm Ihn in alle möglichen Alltagssituationen hinein. In die guten und in die schlechten. Das heißt, bleibe im Dialog, rede mit Ihm, frag Ihn um Rat. Danke Ihm, wenn du etwas Schönes erlebt hast und teile mit Ihm deine Schmerzen oder Zweifel. Mach dir bewusst, dass Jesus deine Situation kennt und vieles von dem, was du hier erlebst, selbst durchgemacht hat.
Nimm Gott bewusst in die besonderen Erlebnisse mit. Im Strandurlaub zum Entspannen im Liegestuhl, danke Ihm für die wunderbare Natur, wenn du auf einem Berggipfel stehst oder eine Safari in Afrika machst. Bitte Ihn, dass Er dir überall begegnet und du seine Spuren siehst.
Wenn du deine Pläne machst, bitte Ihn um Rat und Hilfe. Egal ob es für den Hausbau ist oder was du am Wochenende machen möchtest.
Triff dich mit anderen Christen in der Gemeinde, Gemeindefreizeiten, christlichen Kongressen oder in kleinerer Runde. Jesus verspricht:
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich in ihrer Mitte.
Matthäus 18,20 (HfA)

Vorbild Jesus
Jesus möchte, dass wir Ihm nachfolgen. Das heißt, dass wir Ihn als Beispiel nehmen. Es ist sehr gut, wenn wir glauben, dass Jesus der Retter der Welt ist und Ihn den Herrn in unserem Leben sein lassen. Das ist der erste Schritt. Und dann folgen viele Schritte, durch die wir wachsen und unser Glaube im Leben/ im Alltag sichtbar wird. Wir beginnen zu TUN, was Jesus sagt, weil wir Ihm ähnlich sein wollen. Nicht, weil wir etwas zu unserer Erlösung beitragen können oder uns etwas erarbeiten müssen. Wir müssen kein Soll an guten Taten erfüllen. Wenn wir es zulassen und bereit sind, wird uns Gott das zeigen, was wir tun können/ sollen. Die Taten kommen sozusagen automatisch aus dem Glauben heraus.
Nun könnte jemand sagen: »Der eine glaubt, und der andere tut Gutes.« Ihm müsste ich antworten: »Zeig doch einmal deinen Glauben her, der keine guten Taten hervorbringt! Meinen Glauben kann ich dir zeigen. Du brauchst dir nur anzusehen, was ich tue.
Jakobus 2,18
Zum Weiterlesen: Jakobus 1,19-27, Glauben und Werke auf SalzUndLicht

Lebendig
Das alles zusammengenommen in unterschiedlichster Ausprägung macht für mich einen „lebendigen Glauben“ aus.
Lebendig ist der Glaube also dann, wenn er nicht wie ein Buch im Regal steht, sondern wenn dieses Buch gelesen wird. Das heißt, der Glaube wird nicht nur im Gottesdienst am Sonntag praktiziert, sondern zeigt sich jeden einzelnen Tag. In allem, was man tut.
Etwas Lebendiges wächst und verändert sich. Es kann verletzt werden oder sich zurückentwickeln. So ist eine „lebendige Beziehung“ zu Gott stetig in Bewegung. Mit jeder Erfahrung wächst sie. Oder sie wird hart auf die Probe gestellt. Da wir Menschen sind, kommen und manchmal auch Zweifel oder wir scheitern an unseren eigenen Ansprüchen. Wir machen Fehler. Doch das ist in Ordnung. Das gehört dazu. Und es ist nicht das Ende: Wir dürfen wieder aufstehen und unseren Weg mit Gott gehen. Er liebt und und Er wartet auf uns. Unendlich geduldig.