Recht des Stärkeren?

Machtspiele

Uns alle hat in den letzten Wochen das Vorgehen der USA gegenüber Venezuela überrascht. Dass Spannungen gab, wussten wir ja und dass ihnen Präsident Maduro nicht passte, auch. Aber die Entführung eines Staatsoberhaupts aus einem souveränen Staat ist schon starker Tobak. Und völkerrechtlich sicherlich nicht sauber. Und jetzt wird fleißig Venezuelas Öl verteilt und eine viel bessere – also steuerbare – Regierung installiert. Und kurz danach strecken die USA ihre Finger nach Europa – genauer gesagt – Grönland aus und drohen mit Strafzöllen allen, die nicht mitziehen…

Russland und Ukraine? Selbes Spiel. Ein großes Land greift ein kleineres an. Natürlich gibt es auch hier eine (lange) Vorgeschichte. Und unendlich viele Meinungen.

Eine andere Baustelle sind China und Taiwan. Das große Nachbarland sieht die Insel sowieso nur als ausgelagertes Territorium und würde sie am liebsten gleich besetzen. Ich glaube, die Frage ist nur: Wann?

Die gleichen Mechanismen laufen in der Wirtschaft. Die großen Konzerne, die Global Player, kaufen die kleinen Firmen auf oder drängen Startups anderweitig aus dem Markt. Oder China zum Beispiel betreibt eine extrem aggressive Preispolitik im globalen Handel und sichert sich in vielen Ländern Rohstoffquellen.

Oder wie agiert der Staat gegenüber seinen Bürgern? Wird der Wählerwille anerkannt? Was ist mit freier Meinungsäußerung? Wie sehr wird Macht ausgenutzt, um an Daten zu kommen und werden diese wirklich immer im Sinne der Bürger eingesetzt? Was wird mit den anvertrauten Steuergeldern gemacht? Als Bürger steht man hier hilfslos gegenüber.

Schauplatz Pausenhof: Da nimmt der Hannes dem Franz das Pausenbrot weg, weil er zwei Köpfe größer ist und auf dem Flur der Mittelschule Hinterdupfing erpressen drei Achtklässler einen Fünftklässler um sein Taschengeld.

Nichts Neues unter der Sonne

Diese Machtspiele sind nichts Neues. Seit Beginn der Menschheit wird um Einfluss gekämpft. Große Weltreiche – Babylonier, Perser, Griechen, Ägypter, Römer, Deutsche – kamen, sahen und nahmen sich, was sie wollten. Und sie vergingen wieder.

Es gab andere düstere Zeiten: Die Kolonialzeit, in der Europa die Welt unter sich aufteilte, die Sklaverei, die Mongolen, die ganze Landstriche verwüsteten oder in neuerer Zeit den Irak, der Kuwait angriff und damit den zweiten Golfkrieg 1990 auslöste.

Und jeder hatte natürlich gute Gründe. Zumindest aus seiner Sicht. Das ist auch nicht neu.

Die Menschheit hat sich zwar weiterentwickelt und es sah in der Neuzeit tatsächlich mal so aus, als ob es mit dem Völkerrecht und dem Frieden auf der Welt zumindest halbwegs was werden könnte – siehe den „Völkerbund„, die UNO, Abrüstungsgespräche oder die Wiedervereinigung Deutschlands. Aber das ist scheinbar erledigt. Frieden ist fern. Die einzelnen Nationen rüsten auf. Und gewählte Staatsoberhäupter werden einfach entfernt, ohne dass es größere Konsequenzen gibt. Wer ist denn da noch sicher?

An was halten wir uns?

Warum ich schreibe? Weil: Ich finde es nicht richtig, dass Macht missbraucht wird. Die Entwicklungen in den letzten Jahren finde ich extrem bedenklich. Mein Gerechtigkeitsempfinden wehrt sich dagegen, dass jemand Recht bekommt, nur weil er stärker ist. Letztendlich geht es ja uns alle an, in was wir für einer Welt wir leben (wollen). Wollen wir, dass es fair ist? Dass nach (internationalem) Recht gehandelt wird oder „duad ajeda eh wiara grad mog“*, wie meine Frau so schön sagt? Wenn alles beliebig ist, was bleibt dann noch? Willkür und Anarchie. Und das will keiner von uns!

* Etwa: „Ein jeder macht, wie er gerade will.“

Und was hält Gott davon

Gott ist der einzige Souverän mit absoluter Macht im Universum. Der Allmächtige. Er könnte uns Menschen in einem Augenblick vernichten oder jeden von uns zwingen, Ihn zu lieben. Er könnte alle Kriege beenden, uns alle glücklich machen, ob wir wollen oder nicht. Doch Er tut es nicht. Gott respektiert unseren freien Willen.

Gott gibt Staatoberhäuptern – egal ob sie Könige oder Präsidenten oder sich anders bezeichnen – Macht:

Er ist der Herr der Zeit und bestimmt, was wann geschieht; er setzt Könige ab und überlässt anderen ihren Thron.

Daniel 2,21a (HfA)

Damit überträgt Er ihnen auch Verantwortung. Die Obrigkeit soll sich an Gottes Gebote halten.

Wenn es viele Menschen gibt, die Gott gehorchen, dann freut sich ein Volk. Wenn aber ein gottloser Herrscher regiert, dann kann es nur noch stöhnen.

Sprüche 29,2 (HfA)

Wenn man die Propheten Jesaja oder Jeremia liest, stößt man auf viele Bibelstellen, in denen beschrieben wird, wie Gott die Feinde Israels zur Bestrafung seines ungehorsamen Volkes leitet. Seien es die Babylonier, Perser, Ägypter, Assyrer, und so weiter. Doch sie bekommen klare Grenzen. Sie werden bestraft, wenn sie es übertreiben. Daraus leite ich ab, dass die Regierungen trotz Gottes Auftrag und Willen immer noch selbst bestimmen, was sie tun und dass Gott sie sehr wohl zur Verantwortung für ihr Handeln ziehen wird. Im Guten, wie im Bösen.

Der Herr sagt: »Wehe denen, die Gesetze verabschieden, um andere ins Unglück zu stürzen, und Verordnungen erlassen, um andere zu unterdrücken! Sie betrügen die Armen und Schwachen meines Volkes um ihr Recht. Kaltblütig beuten sie Witwen und hilflose Waisen aus.

Jesaja 10,1-2 (HfA)

Siehe auch: Mose 17,14-20

Was kannst du tun?

Wir können als einfache Staatsbürger natürlich nicht direkt mit Wladimir Putin oder Donald Trump reden. Was wir tun können, ist beten:

Betet besonders für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung tragen, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, ehrfürchtig vor Gott und aufrichtig unseren Mitmenschen gegenüber.

1.Timotheus 2,2 (HfA)

Schreib Briefe:

Lange Zeit stieß sie [die Witwe*] bei ihm [dem Richter*] auf taube Ohren, aber schließlich sagte er sich: ›Mir sind zwar Gott und die Menschen gleichgültig, aber diese Frau lässt mir einfach keine Ruhe. Ich muss ihr zu ihrem Recht verhelfen, sonst wird sie am Ende noch handgreiflich.‹«

Lukas 18,4-5 (HfA) – Gleichnis von dem Richter und der Witwe

*Anmerkung des Autors

Und in unserem direkten Umfeld können wir handeln:

Zum einen können wir benachteiligten Menschen helfen (sofern sie das auch mögen). Oder wir greifen ein, wenn jemand in einen Notsituation ist oder bedroht wird. Zumindest Hilfe rufen kann man immer.

Und überlege: Wie gehst du mit „Schwächeren“ um, z.B. deinen Kindern? Wie setzt du deine Macht als Abteilungsleiter in der Arbeit ein oder dein Ansehen als Vereinsvorstand?

Jesus sagt:

»Behandelt die Menschen stets so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet. Denn das ist die Botschaft des Gesetzes und der Propheten.«

Matthäus 7,12 (HfA)

Damit wirst du vielleicht nicht die Welt retten, aber du kannst deinen Teil für eine besser Welt leisten und zumindest in deinem Umfeld machst du einen Unterschied!

Vielen Dank für’s Lesen und ich wünsch Dir Gottes Segen!

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