Kleine Füchse im Weinberg

Wie schön du bist!
Er: Wie schön du bist, meine Freundin, wie wunderschön! Deine Augen hinter dem Schleier glänzen wie das Gefieder der Tauben. Dein Haar fließt über deine Schultern wie eine Herde Ziegen, die vom Gebirge Gilead ins Tal zieht.
Deine Zähne sind weiß wie frisch geschorene Schafe, die aus der Schwemme kommen. Sie stehen in zwei vollkommenen Reihen, keiner von ihnen fehlt.
Wie ein scharlachrotes Band leuchten deine Lippen, dein Mund ist verlockend und schön. Hinter dem Schleier schimmern deine Wangen rosig wie die Hälften eines Granatapfels.
Dein schlanker Hals ist so herrlich anzusehen wie der Turm Davids, dein Schmuck gleicht tausend prachtvollen Schilden, die daran hängen.
Deine Brüste sind wie junge Zwillinge einer Gazelle, die zwischen Lilien weiden.

Hoheslied 4,1-5 (HfA)

Das Hohelied ist eine Sammlung von ca. 30 bis 50 Liebesliedern des Königs Salomo. Es ist ein sehr poetisches Buch reich an Bildersprache und sehr ungewöhnlich für ein Buch der Bibel:
Wenn man die Verse von Gazellen, Weinbergen, Liebkosungen, Liebsten und so weiter liest, fragt man sich – zumindest ging es mir so – was bedeutet und soll das Ganze? Da gibt es verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, aber um die soll es heute nicht gehen.

Das schöne in der Bibel ist, dass man Lektionen für’s Leben findet. Manchmal auch in einem Vers, bei dem man’s nicht unbedingt vermutet.

Heute geht’s um kleine Füchse im Weinberg…

Fangt uns doch die kleinen Füchse, denn sie verwüsten den Weinberg, wenn die Reben in schönster Blüte stehn.

Hoheslied 2,15 (HfA)

In der Erklärung meiner Elberfelderbibel werden die Füchse als junge Männer interpretiert, die das junge Mädchen (Weinberg) „anbaggern“ und keine ernsten Absichten haben. Die hebräische Sprache ist sehr symbol- und bildreich, so denke ich, dass das wirklich so gemeint ist.

Mein Gedanke dazu war allerdings ein etwas anderer…

Die kleinen Füchse kommen

Der erste Fuchs: Kennst Du die Situation, dass Du Dich gut mit jemandem unterhältst und man einfach Gedanken austauscht. Dann sagt die Person ohne viel nachzudenken einen Satz, der Dich vielleicht nicht sofort, aber später, wenn Du über das Gespräch nachdenkst, mitten ins Herz trifft? Hat die das wirklich gesagt? Geht’s noch? Eigentlich war das voll die Beleidigung! Du ärgerst Dich drüber und womöglich interpretierst Du immer mehr rein. Vielleicht auch noch Tage später, wenn Du an das Gespräch zurückdenkst. Oder Du hast selbst etwas gesagt und weißt nicht, ob es vielleicht zu hart war. Du machst Dir ständig Gedanken, was der andere von Dir hält oder über Dich denkt.

Der zweite Fuchs: Du suchst für Dein Smartphone ein neues Ladegerät, weil das alte den Geist aufgegeben hat. Also ab zu dem roten M.-Markt: „Nee, haben wir nicht für das Modell.“ Weiter zum Planet mit den Ringen: „Oh, da haben wir gerade das letzte verkauft. Wann es ein neues gibt? Momentan sind die schwer zu bekommen.“ Gut, der Elektro-Schorsch um die Ecke hat sowas bestimmt. Super, „wegen Krankheit geschlossen“. Verärgert fährst Du nach zwei Stunden heim, schimpfst auf den miesen Einzelhandeln in der Stadt und bestellst Online. Die ortsansässigen Händler sind doch selber schuld. Es ist ja auch nicht das erste Mal. Bei dem Abendkleid war es dasselbe!

Der dritte Fuchs: Deine Eltern zu Gast. „Junge, Du solltest unbedingt die Rosen regelmäßig schneiden.“ „Nee, das Medikament ist nichts, da hilft das Fintirol viel besser.“ „Warum habt ihr euch unbedingt drei Katzen anschaffen müssen. Die machen doch nur Arbeit und Dreck.“ „Also unsere Fenster werden mit dem Glänzi-Reiniger eigentlich immer sauber. Was nimmst Du denn her? Du solltest unbedingt Glänzi nehmen. Ich habe ne Flasche mitgebracht.“ Eltern können anstrengend sein 😉 Diese Aussagen nagen. „Was mischen die sich ein?“ „Bin selber groß!“ Du besprichst das immer wieder mit Deinem Partner.

Du merkst sicherlich auf was ich hinaus will. Das Leben ist voller kleiner nerviger Begebenheiten! Das können die Familie sein, Freunde, die Nachrichten, der Chef, der Einkauf, beim Autofahren, der Computer, das Wetter, so unglaublich viele Dinge!

Das sind die kleinen Füchse in unserem Lebens“weinberg“. Und was machen kleine Füchse? Sie graben Höhlen, sie fressen Vögel und: Sie werden irgendwann mal große Füchse!

Plötzlich bist Du in einer stressigen Situation und dann spätestens bricht alles aus Dir heraus! Du wirst unglaublich sauer, schimpfst, bist vielleicht unfair und überstreng zu Deinen Kids. Ein kleiner Funke war der Auslöser. Spätestens jetzt hast Du einen großen Fuchs!

Ich kenn ähnliche Situationen von mir. Vor allem in der Corona-Zeit ging es mir so. Oder unser junger Hund geht mir manchmal richtig auf den Senkel, wenn er’s wieder mal nicht checkt.Was bringt Dich auf die Palme? Was ist Dein Reizthema?

Wenn die Füchse kommen

Kleine Füchse können immer wieder in den Weinberg eindringen. Die Frage ist: Was tun? Man muss ihnen Grenzen setzen, bevor sie Schaden anrichten.

Einen Zaun bauen

Du könntest zum Beispiel einen Zaun um Deinem Weinberg bauen. Bitte im Gebet Gott, dass Er Dich aufmerksam macht, wenn Dein Zaun ein Loch hat und dass Er Deinen Zaun – sprich Deine Gedanken – schützt und von unnützen Dingen weglenkt.

Ich will mich nicht mit sinnlosen Dingen abgeben; schenk du mir die Kraft, den richtigen Weg zu gehen!

Psalm 119,37 (HfA)
Nicht füttern!

Überlege, ob Du den kleinen Dingen, die Dich ärgern nachhängen willst. Musst Du dass Deinem Partner/ Freund erzählen und Dir wieder alles ins Gedächtnis holen? Gut, erzählen ist ok, aber dass dann aufbauschen, ausschmücken und sich wieder reinsteigern – das lässt man am besten sein. Lass Dich nicht immer wieder auf’s Neue von den selben Gedanken ärgern, sondern steure bewusst dagegen. Wenn man immer nur Fehler sucht, wird man sie garantiert finden. Doch gibt es kein Futter für den Fuchs, verschwindet er.

Vertreiben

Du bist Deinen Gedanken nicht hilflos ausgeliefert. Sag ein klares Stopp, wenn die Wut wieder in Dir hochkommt, atme tief durch und entspann Dich. Tu Dir was Gutes, trink eine Tasse Kaffee oder Tee. Geh raus in die Natur. Bitte Gott, Dir aus der Gedankenspirale entkommen zu helfen. Das Gute ist, Jesus nimmt Dir Deine Lasten ab – bring sie zu Ihm!

Vor dir, HERR, kann ich nichts verbergen, prüfe meine geheimsten Gedanken und Gefühle!

Psalm 26,2 (HfA)
Hol den Jäger

Vielleicht ist einer Deiner Füchse schon ein richtig dicker, fetter geworden. Dann such Dir jemanden, der Dir hilft. Ein Seelsorger oder ein guter Freund, der mit Dir betet und Dir gute Ratschläge geben kann.

Das Herz freut sich an Salbe und Räucherwerk, und süß ist der Freund, der wohlgemeinten Rat gibt.

Sprüche 27,9 (LU17)

Noch ein Tipp, damit Du weißt, wie es weiter gehen kann: Frage Dich, was Jesus machen würde – sozusagen der beste „Jäger“: What Would Jesus Do?

Pflege Deinen Weinberg

Wer einen Garten hat, weiß, dass er Pflege braucht, sonst wuchert das Unkraut. Man kann zwar das Wetter nicht beeinflussen, man kann aber gießen, wenn es nicht regnet und beschatten, wenn die Sonne brennt. Soll heißen: Überlege, was um Dich herum Einfluss auf Dich hat und kümmere Dich um diese Dinge. Was tut gut, was nicht? Was greift direkt in Dein Leben (und Deiner Lieben) ein? Wenn in China ein Reissack umfällt, hat das erst mal keinen Einfluss auf Dich. Das musst Du nicht mit einbeziehen, denn Du kannst es nicht ändern. Es ist außerhalb Deines Weinbergs.

Natürlich darf man seine Mitmenschen – seien es Ehepartner, Familie, Freunde – nicht vergessen und soll demjenigen helfen, der Hilfe benötigt.

Genieß die Früchte

Du pflegst Deinen Weinberg ja normalerweise, hälst ihn von Unkraut frei. Und das Ziel eines Weinbergs ist ja die Kultivierung der Trauben. Genauso hat unser Leben Sinn und Ziel und trägt Früchte. Genieße diese Früchte und nimm Dir Zeit, Deine Ernte – also Erfolge – zu feiern. Und sei für alles, was Du bekommst Gott sehr dankbar. Er beschenkt und reich. Dankbarkeit ist ein guter Weg, Füchse zu vertreiben, denn Du konzentrierst Dich auf das Gute und Schöne; und nicht auf das Negative. Richte Deine Gedanken auf das Wort Gottes aus – das ist der Weg zum Guten!

Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, solange du dein vergängliches Leben führst, das Gott dir auf dieser Welt gegeben hat. Genieße jeden flüchtigen Tag, denn das ist der Lohn für deine Mühen.

Prediger 9,9 (HfA)

Zum Schluss

Ich denke, es ist wichtig, sich um die kleinen Füchse zu kümmern. Große richten mehr Schaden an und sind immer schwieriger zu vertreiben. Im schlimmsten Fall wirst Du undankbar, bitter und verlierst die Freude am Leben. Wir haben einen Verstand und eine Seele. Das dürfen und sollen wir nutzen. Auch wenn im Leben nicht immer alles glatt geht, gibt es erstens doch viele wunderbare Dinge und es gibt zweitens immer Alternativen, wie man mit Schwierigkeiten umgeht. Das können wir zum Beispiel von den Ugandern lernen. Die meisten Menschen dort haben nicht viel Geld, trotzdem sieht man viele glückliche, freundliche, herzliche Menschen. Sie machen das Beste aus ihrer Situation und sind zufrieden. So möchte ich auch mein Leben leben: Dankbar und zufrieden.

Herzlichen Dank für’s Lesen und Gottes Segen!

P.S.

Manche Füchse können auch von anderen Menschen geschickt werden, um Dich zu ärgern. Lies dazu Richter 15,4-5.


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