
Du hast mich mit meinem Innersten geschaffen, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich! Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen.
Psalm 139,13-15 (HfA)
Inhaltsverzeichnis
- Der Anlass
- Wann beginnt das Leben?
- Zellklumpen oder Leben
- Entwicklung eines Kindes im Mutterleib
- Schutz des ungeborenen Lebens durch den Staat
- Menschenwürde und Wert des Lebens
- Was ist Abtreibung?
- Gründe
Der Anlass
Nachdem vor einiger Zeit in Frankreich ein Recht auf Abtreibung in die Verfassung aufgenommen wurde, muss ich mich zu diesem Thema äußern, weil es mir echt ans Herz geht. Es tut mir echt in der Seele weh, wenn ich daran denke, wieviele Kinder nicht das Licht der Welt erblicken dürfen…
Das Thema Abtreibung ist politisch und gesellschaftlich sehr brisant und emotionsgeladen. Es ist nicht einfach drüber zu diskutieren, wenn man unterschiedlicher Meinung ist.
Wenn man über Abtreibung nachdenkt, merkt man schnell, dass das Thema sehr vielschichtig ist, daher habe ich zwei Teile draus gemacht. Beim Schreiben hab ich allerdings gemerkt, dass es wirklich nicht einfach ist, alle Facetten ausführlich zu beleuchten, deshalb verzeihe man mir bitte auftretende Unvollständigkeiten. Vielleicht gibt es mal einen Teil III. Vielen Dank!
Teil I beschäftigt sich mit…
…mit Fragen rund uns das Thema Leben und Entwicklung eines Kindes im Mutterleib, Menschenwürde, Gesetze und die Abtreibung an sich.
In Teil II nimmt Themen wie…
…Verhütung, Krisensituationen, Pro Life/ Pro Choice auf und beschäftigt sich mit der Frage, was Jesus tun würde (zu Teil II, ab 10.11.2024 verfügbar).

Wann beginnt das Leben?
Ein katholischer Priester, ein evangelischer Pfarrer und ein jüdischer Rabbi treffen sich und diskutieren über die Frage, wann das Leben beginnt.
Quelle unbekannt
Der Priester sagt: „Ganz klar mit dem Moment der Zeugung.“
Daraufhin der Pfarrer: „Nein, mein Freund! Das Leben beginnt mit der Geburt.“
„Meine Lieben“, widerspricht der Rabbi, „das Leben beginnt, wenn die Kinder aus dem Haus sind!“
Vielleicht ist ein Witz nicht unbedingt für das Thema Abtreibung passend, aber doch spiegelt dieser eine Diskussion wider, die in der Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und Religion geführt wird. Und diese Diskussion ist wichtig, wenn es um das Thema „Abtreibung“ geht. Zum Beispiel dürfen „ungeborene“ Küken ab dem 7. bzw. 13 Bebrütungstag nicht getötet mehr werden, da hier das Schmerzempfinden einsetzt (Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Abruf am 27.09.2024). Wie ist das mit dem Menschen? Und ist „Schmerzempfinden“ überhaupt ein Kriterium für Leben oder kein Leben?
Zellklumpen oder Leben
Eigentlich ist es echt ein Wunder, das passiert, wenn sich Ei- und Samenzelle vereinigen. Die Chromosomen beginnen zu verschmelzen, die erste Zelle teilt sich, dann wieder und wieder. Ab einen bestimmten Zeitpunkt differenzieren sich die Zellen und bekommen spezifische Aufgaben. Nach ein paar Wochen sieht der Embryo schon wie ein winziger Mensch aus. Und nach neun Monaten kommt dieser Mensch auf die Welt. Es beginnt vielleicht mit nur einer Zelle, bleibt aber nicht lange dabei.
Manche sagen, das Leben beginnt ab der zwölften Schwangerschaftswoche, denn da sieht der Fötus schon wie ein Mensch aus.
Manche sagen, es ist erst Leben, wenn das Baby das Licht er der Welt erblickt hat. Denn vorher ist es noch völlig von der Mutter abhängig.
Im „Journal of Medical Ethics“ haben Alberto Giubilini und Francesca Minerva (beide Ethiker der Universität Melbourne in Australien) einen Aufsatz veröffentlicht, in dem eine „Abtreibung nach der Geburt“ zum ethischen Diskurs vorgelegt wurde.
Aus der Bibel heraus ist es für mich klar: Das Leben beginnt im Mutterleib.
Du hast mich mit meinem Innersten geschaffen, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. […] Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen.
Psalm 139,13+15 (HfA)
Und zwar ab dem Moment der Zeugung, denn es ist der zeitliche Start, den Gott für einen Menschen geplant hat. Und er hat JEDEN geplant und gewünscht:
Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.
Psalm 139,16 (LU17)

Entwicklung eines Kindes im Mutterleib
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie aus zwei Zellen, die sich vereinigen ein Mensch wird. Um dir zu zeigen, warum ich das so faszinierend finde, hab ich ein bißchen recherchiert, was in der Gebärmutter beim Heranwachsen des neuen Menschen passiert:

Designed by Freepik. Deutsche Übersetzung: SalzUndLicht
Ein Fötus ist schon zu vielem fähig und entwickelt sich erstaunlich schnell. Immer wieder ein Wunder 😊. Eine (unvollständige) Liste:
| 1. Monat | – Einnistung in die Gebärmutterwand vom fünften bis 14. Tag nach der Befruchtung – die Blastozyste teilt sich; daraus entwickeln sich die Plazenta, der Embryoblast und die Nabelschnur |
| 2. Monat | – allmähliche Bildung der Wirbelsäule – im Ultraschall kann die Herzaktivität nachgewiesen werden. – Kopf und Rumpf Form beginnen anzunehmen. – kleine Knospen sind zu erkennen, aus denen sich die Gliedmaßen entwickeln – der Embryo misst ca. 3 bis 8 mm – allmählich werden alle Organe und Organsysteme angelegt. |
| 3. Monat | – erste Ansätze für die Ausbildung von Zehen, Nase und Ohrmuscheln sind zu erkennen – die Augen sind offen, die Augenlider beginnen sich zu bilden – erste Bewegungen sind möglich. – Ende der zehnten SSW sind alle Organanlagen vorhanden – Knospen für die Milchzähne werden ausgebildet – der Embryo ist 5 bis 6 cm groß und wiegt etwa 14 Gramm |
| 4. Monat | – rasches Wachstum des Fötus, die Organe bilden sich weiter aus. – spontane Bewegungen von Kopf, Armen und Beinen setzen ein. – die Schluckmuskulatur entwickelt sich, ebenso die Lunge und das Verdauungssystem – Speicheldrüsen, Magen, Nieren und Darm arbeiten – das sogenannte Woll- oder Lanugohaar bildet sich – gegen Ende des Schwangerschaftsmonats entwickeln sich die Genitalien – der Fötus ist in der 16. SSW ca. 10 cm groß und wiegt bis zu 100 g |
| 5. Monat | – der Fötus misst am Ende des Monats 14 bis 16 cm und wiegt zwischen 150 und 300 g |
| 6. Monat | – Finger- und Fußnägel sind fast vollständig entwickelt – die Haare beginnen zu wachsen – die Verknöcherung des Skeletts schreitet voran – ein rasches Wachstum des Gehirns setzt ein. – gegen Ende des Monats reagiert der Fötus auf akustische und optische Reize von außen – Ende des Monats ist der Fötus ca. 26 cm groß und wiegt 500 g. |
| 7. Monat | – der Fötus misst etwa 35 cm und wiegt etwa 1000 g |
| 8. Monat | – bis auf die Lunge sind alle Organe fast vollständig entwickelt – Ende des Monats misst der Fötus rund 40 cm und wiegt 1700 bis 2000 g |
| 9. Monat | – die Lungenreifung abgeschlossen. – Ende des Monats ist es ca. 45 cm groß und wiegt etwa 2800 g. |
| 10. Monat | – am Ende nimmt das Kind vor allem an Gewicht zu – über die Plazenta nimmt es Antikörper aus dem Blutkreislauf der Mutter auf – Baby misst bei der Geburt ca. 48 cm bis 54 cm und wiegt 2800 g bis 4000 g |
Quelle: Wikipedia – Schwangerschaft

Schutz des ungeborenen Lebens durch den Staat
In Deutschland sind der Schutz und Wert des (ungeborenen) Lebens in einigen Gesetzen geregelt.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel §1, Absatz 1
Der vielumstrittene §218 StGB:
(1) Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Handlungen, deren Wirkung vor Abschluß der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.
Im Mutterschutzgesetz (MuSchG) ist geregelt, wie die Schwangere und das werdende Leben vor Gefahren im (Berufs-)Alltag geschützt werden sollen. Zum Beispiel:
1) Der Arbeitgeber darf eine schwangere Frau nicht beschäftigen, soweit nach einem ärztlichen Zeugnis ihre Gesundheit oder die ihres Kindes bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet ist.
(2) Der Arbeitgeber darf eine Frau, die nach einem ärztlichen Zeugnis in den ersten Monaten nach der Entbindung nicht voll leistungsfähig ist, nicht mit Arbeiten beschäftigen, die ihre Leistungsfähigkeit übersteigen.
Trotzdem werden jährlich allein in Deutschland über 100.000 Kinder abgetrieben. Das ist eine mittelgroße Stadt wie zum Beispiel Salzgitter oder Siegen – das muss man sich mal bewusst machen… Gleichzeitig wurden 2022 etwa 740.000 Menschen geboren und 1.060.000 sind gestorben.
Weltweit sind ca. 73.000.000 Schwangerschaften abgebrochen worden (2021, Schätzungen der WHO) – etwa so viele Menschen leben 2024 in Thailand – das sind 0,9% der Weltbevölkerung. Manchmal frage ich mich, welches Potential an Menschlichkeit, Wissen, Fortschritt, Weiterentwicklung der Menschheit verloren geht, wenn so viele gar nicht die Chance haben, zu zeigen, was in ihnen steckt.

Menschenwürde und Wert des Lebens
Gott hat den Mensch nach Seinem Bild geschaffen und dadurch Würde gegeben:
Dann sagte Gott: »Jetzt wollen wir den Menschen machen, unser Ebenbild, das uns ähnlich ist. Er soll über die ganze Erde verfügen: über die Tiere im Meer, am Himmel und auf der Erde.« So schuf Gott den Menschen als sein Abbild, ja, als Gottes Ebenbild; und er schuf sie als Mann und Frau. Er segnete sie und sprach: »Vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz! Ihr sollt Macht haben über alle Tiere: über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere auf der Erde!«
1.Mose 1,26-28 (HfA)
Ein Menschenleben ist unendlich wertvoll:
Doch niemand kann für das Leben seines Freundes bezahlen, niemand kann ihn bei Gott vom Tod freikaufen. Denn ein Menschenleben kann man nicht mit Gold aufwiegen – aller Reichtum dieser Welt wäre noch zu wenig!
Psalm 49,8-9 (HfA)
Und deshalb sagt Gott:
Du sollst nicht töten.
2.Mose 20,13 (LU17)
Kinder sind ein Geschenk Gottes:
Auch Kinder sind ein Geschenk des HERRN; wer sie empfängt, wird damit reich belohnt.
Psalm 127,3 (HfA)

Was ist Abtreibung?
Ein Schwangerschaftsabbruch (auch Abtreibung; lateinisch Interruptio, auch Abruptio graviditatis) ist die vorsätzliche vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft.
Wikipedia: Schwangerschaftsabruch
Abtreibung ist der Abbruch einer bestehenden Schwangerschaft mit verschiedenen Mitteln. Das können Medikamente (Einnahme einer Kombination aus Mifepriston und Prostaglandinen) sein oder ein medizinischer Eingriff: Entweder die Vakuumaspiration, bei der das Gewebe und der Embryo abgesaugt werden oder die Kürettage (auch Ausschabung), die früher gebräuchlicher war.
Klar ist, dass der Fötus danach nicht mehr lebt und dieser kleine Mensch keine Möglichkeit mehr hat, auf dieser Welt aufzuwachsen.
Gründe
Die Gründe, die Schwangerschaft abbrechen zu wollen, sind vielfältig wie die Menschen selbst.
- die Frau hat gesundheitliche Gründe
- das Kind könnte behindert sein
- die Schwangerschaft passt zu diesem Zeitpunkt nicht in die Lebensplanung (Schulabschluss, Studium, Karriere)
- der Partner ist gefühlt nicht der richtige
- Angst vor Überforderung
- das Kind ist Folge einer Vergewaltigung
- Lebensgefahr für die Frau
- finanzielle Not
- Angst, eine schlechte Mutter zu sein
- …
Es gibt Frauen, die nicht aus freiem Entschluss abtreiben wollen. Es gibt viele Einflüsse, die Druck aufbauen können:
- der Lebensgefährte/ Ehepartner droht mit Trennung
- das Haus/ die Wohnung/ das Auto ist zu klein, Ersatz ist finanziell nicht leistbar
- die Familie macht Druck – „Du versaust dir dein Leben, wenn du so früh ein Kind bekommst“ und ähnliches
- das Kind ist vollkommen ungeplant oder schon das vierte, obwohl man nur drei haben wollte
- das Kind ist die Nachwirkung eines Seitensprungs
- …
Wie frei kann eine Entscheidung sein, wenn von außen Druck herrscht und tief im Inneren doch ein „Ja“ vorhanden ist?
Es gibt auch Paare, die in dieser Situation sind und sich fragen, wie man in einer solchen Welt, in der Kriege herrschen und wo die Umwelt leidet, noch Kinder in die Welt bekommen könnte. Daraus spricht eine große Hoffnungslosigkeit für die Zukunft.

Beiträge im Zusammenhang mit dem Thema auf SalzUndLicht
Vielen Dank für’s Lesen und Gottes Segen!
Ein Kommentar zu “Familienleben: Abtreibung – Teil I”