Afrika und das Volk Israel

Und der HERR war mit Josef, sodass er ein Mann wurde, dem alles glückte. Und er war in seines Herrn, des Ägypters, Hause. Und sein Herr sah, dass der HERR mit ihm war; und alles, was er tat, ließ der HERR in seiner Hand glücken, sodass er Gnade fand in seinen Augen und sein Diener wurde. Er setzte ihn über sein Haus; und alles, was er hatte, gab er in seine Hände. Und von der Zeit an, da er ihn über sein Haus und alle seine Güter gesetzt hatte, segnete der HERR des Ägypters Haus um Josefs willen, und es war lauter Segen des HERRN in allem, was er hatte, zu Hause und auf dem Felde.

1.Mose 39,2-5 (LU17)

Ein riesiger Kontinent

Afrika ist weit weg von uns. Ein paar tausend Kilometer Luftlinie trennen Deutschland/ Österreich von Cairo, Marrakesch, Timbuktu, Kapstadt, Nairobi oder Kampala. Und Afrika ist nicht gleich Afrika. Wenn man eines der Länder dort besucht hat, mögen manche vielleicht ähnlich sein. Aber niemals gleich. Der Norden ist eher arabisch geprägt, die weiter südlich gelegenen Länder sind von „den Schwarzen“ bewohnt. Es gibt heiße Wüsten, grüne Regenwälder und schneebedeckte Berge. Der längste Fluss der Welt, der Nil, fließt dort von Süden nach Norden ins Mittelmeer. Es gibt sehr arme Länder wie Malawi oder relativ reiche wie Ruanda. Fast ganz Afrika ist von der Kolonialzeit geprägt: Engländer, Franzosen, Deutsche, Holländer und andere haben ihre Spuren wie Sprache oder Eisenbahnen und auch viele Wunden hinterlassen.

Auch die Geschichte des Volkes Israel ist eng mit Afrika verknüpft – am meisten mit Ägypten.

Jakob, Josef und Co.

Es beginnt vor mehreren tausend Jahren. Abraham ist im Land Kanaan, seinem von Gott geschenkten Land (1.Mose 15,7) sesshaft geworden. Sein Sohn Isaak bekam die Zwillinge Jakob und Esau. Und dieser Jakob hatte zwölf Söhne. Einen von ihnen, Josef, liebte er besonders und daher bevorzugte er ihn. So verhätschtelte Jakob Josef und das stieg diesem zu Kopf. Klar, dass die Brüder ziemlich sauer auf Josef waren. Dann kommt dieser junge Mann auch noch daher und berichtet von seinen Träumen: Von den Getreidegarben seiner Brüder, die sich vor seiner eigenen verneigten oder Sternen, die sich vor Josef verbeugten (1.Mose 37,1-11). Da war das Maß voll. Der Zorn und Hass der Brüder entlädt sich in einem Mordplan: Die Brüder wollen Josef in einem Brunnen werfen und verhungern lassen. Dem Vater Jakob wollten sie erzählen, dass ein wildes Tier Josef getötet habe. Doch zu Josefs „Glück“ kam eine Sklavenkarawane vorbei und die Brüder verschachern Josef – dann haben sie wenigstens auch noch was davon. Diese Karawane brachte Josef nach Ägypten. So it begins…

Josef war ein von Gott gesegneter Mann – alles was er anpackte, gelang. Er arbeitet sich vom einfachen Sklaven zum Verwalter des Guts seines Herrn Potifar hoch (1.Mose 39,1-6), widersteht den Annäherungsversuchen von dessen Frau (1.Mose 39,7-18) und landet deswegen im Gefängnis. Dort deutet er Träume eines Mundschenks und Bäckers, deren Aussagen sich schnell erfüllen (1.Mose 40). Zwar war Josef lange Zeit vergessen im Gefängnis, doch als der Pharao von fetten und mageren Kühen träumt und seine Traumdeuter nicht wissen, was das zu bedeuten hat, ist Josefs Stunde angebrochen (1.Mose 41). Er deutet die Träume und wird schließlich zweithöchster Mann im ägyptischen Reich. Das wiederum bringt ihn in die Position, seinen Brüdern in der herrschenden Hungersnot zu helfen. Schließlich bringt er die ganze Sippe Jakobs in Ägypten unter, das über 400 Jahre lang die Heimat der Israeliten werden sollte. Einer Zeitspanne, in der aus den Familien der Brüder die einzelnen Stämme Israels hervorgingen, eine Zeit der Sklaverei und Unterdrücken und schließlich der Befreiung durch Gott, der Mose schickt, diesen Plan auszuführen. Hunderttausende Israeliten verlassen auf einen Schlag die Sklaverei und Ägypten und machen sich auf den Weg ins verheißene Land ihrer Vorväter.

Aus dieser wechselvollen Historie kann man extrem viel lernen, vor allem, wenn man tiefer in die Erzählungen eintaucht und drüber nachdenkt. Im „Big Picture“ sieht man in der Nachbetrachtung, dass Gott einen Plan für sein Volk hatte. Josef wurde nach Ägypten vorausgeschickt, damit das Volk Israel die Hungersnot überleben und zahlreich wie der „Sand am Meer“ werden konnte.

So ist es doch manchmal in unserem Leben auch: Es passieren Dinge, auch schlimme Dinge, die wir nicht verstehen. Unsere Lebenswege machen Kurven und haben Berge, führen manchmal in die falsche Richtung und wir verstehen einfach nicht was los ist. Wir kommen an Punkte, wo wir nicht mehr weiterwissen. Wir verstehen es nicht und manchmal sind wir am Verzweifeln. Doch irgendwann später lichtet sich der Schleier und wir verstehen, warum gerade all diese Dinge passieren mussten, damit wir genau dort ankommen konnten, wo wir heute sind. Wenn wir Gott vertrauen und seinen Weisungen für unser Leben folgen, dann ist das so – er führt uns auf dem richtigen Weg (Psalm 23,3). Doch immer wieder treffen wir falsche Entscheidungen und verlassen Seinen Weg, aber immer wieder holt Er uns zurück, wenn wir das wollen. Er kann uns auch auf krummen Wegen zum Ziel führen.

Israels Könige und der ägyptische Pharao

Lang Zeit, nachdem das Volk Gottes ins Land Kanaan zurückgekehrt ist, beginnt die Zeit der Könige Israels. Saul war der erste, ihm folgte David.

Unter Davids Sohn Salomo erlebte Israel eine extreme Blütezeit (vgl. z.B. 1.Könige 10,26-27). Zwischen Ägypten und Israel herrschte Frieden und Salomo kaufte dort eine Menge Kriegsgerät. Ein Pferd für 150 Silberstücke, ein Streitwagen für 600 Silberstücke. Das macht umgerechnet etwa 1.600 € bzw. 6.400 €. Eine Menge Geld – auch ohne einberechnete Inflation. Diese Kriegsausrüstung verkaufte er dann an die Hetiter und Syrer weiter. König Salomo selbst hatte eine Streitmacht von 1.400 Wagen und 12.000 Pferden. Israel war unter ihm in seiner Blütezeit. Da er irgendwann von Gott abfiel und mit ihm das Volk, teilte sich das Reich ins Nord- und Südreich.

Nicht nur einmal hatte Israel militärische Konflikte mit dem Reich der Ägypter (z.B. 1.Könige 14,25). Immer wieder zogen die Pharaonen gegen Gottes Volk. Aus den anderen Himmelsrichtungen wurde Israel von den Babyloniern, Assyrern, Persern bedroht. Und manchmal stand es quasi mitten auf dem Schlachtfeld zwischen diesen Großmächten und Ägypten. Diese ganzen Wirren sind in den Büchern der Könige und der Chronik aufgeschrieben.

Trotz der schlechten Erfahrungen erfleht Israel Hilfe von Ägypten:

So spricht der HERR: »Wehe euch, ihr widerspenstigen Kinder! Lasst euch warnen! Ihr führt eure eigenen Pläne aus, die nicht von mir stammen. Ihr schließt Verträge ab, die nicht meinem Willen entsprechen. So ladet ihr immer mehr Schuld auf euch. Ohne mich zu fragen, sucht ihr in Ägypten Zuflucht und wollt euch den Schutz des Pharaos sichern. Doch euer Vertrauen in den Pharao wird enttäuscht werden: Am Ende werdet ihr ohne den erhofften Schutz von Ägypten dastehen, gedemütigt und beschämt. Zwar haben eure führenden Männer die Stadt Zoan erreicht; die Boten, die ihr gesandt habt, sind bis nach Hanes im Süden gekommen. Trotzdem wird euch ein Bündnis mit diesem Volk nichts nützen! Es bringt euch keine Hilfe und keinerlei Vorteile, sondern nur Schimpf und Schande.«

Jesaja 30,1-5 (HfA)

Das ging gründlich schief.

Ich hab mich gefragt, wie es bei uns ausschaut. Gott gibt uns, Seinen Nachfolgern und Kindern, in der Bibel viele Verheißungen: Bittet so wird euch gegeben. Suchtet, so werdet ihr finden. Klopft an, so wird euch geöffnet. Jesus sagt, der Glaube an den Herrn ist das beste Fundament. Gott ist der Herr und Schöpfer der Welt. Doch auf wen verlassen wir uns tatsächlich? Auf Ihn oder menschliche Anstrengungen? Verlassen wir uns auf Jesus oder unsere eigene Weisheit? Auf Gottes Wirken oder unsere eigene Kraft? Was ist, wenn Gott nicht gleich so reagiert, wie wir es uns wünschen? Wenn eine Situation nicht besser wird, sondern schlechter? Was, wenn wir wirklich vieeeeeel Geduld brauchen? Worauf setzen wir das Vertrauen, wenn es hart auf hart kommt?

Wie ich den Beitrag schreibe, bin ich in keiner schönen Situation. Durch eine Komplikation nach einer OP hatte ich lange Zeit ein dickes Bein und starke Schmerzen. Anfänglich wurde es dann besser, dann hatte es eher so ausgesehen, als ob es schlechter werden würde. Es ist nicht immer leicht in dieser Situation Gott zu vertrauen und es gab echt „Kämpfe“ und die Frage „Warum wird es nicht besser? Warum hilfst Du mir nicht?“ Eine Antwort hab ich noch nicht und viel besser ist es gerade auch noch nicht, aber ich hab mich bewusst dafür entschieden, besser gesagt entscheiden müssen, dass ich trotzdem Gott vertrauen möchte, dass Er das Beste für mich möchte. Ich weiß, dass Jesus nur ein Wort sprechen muss und Kranke werden gesund. Und irgendwann – wenn nicht in diesem dann im nächsten Leben – werde ich verstehen, warum das alles so sein musste. Wer weiß, was daraus wird. Manche Dinge müssen wir einfach annehmen. Auf jeden Fall bin ich sicher, dass Gott und nicht die Krankheit oder gar der Tod das letzte Wort hat. Ich möchte dich ermutigen an Gott festzuhalten – oder dich Ihm neu anzuvertrauen – egal, in welcher Situation du momentan steckst.

Gott lässt uns die Wahl: Wir können „ja“ zu Ihm sagen und auf Seine Hilfe vertrauen oder wir lehnen Seinen Weg ab, aber dann sind wir auf uns gestellt und wir werden das ernten, was wir säen.

Weitere Stellen: Jeremia 42

Maria, Josef und Jesus in Ägypten

Sterndeuter aus dem Osten kommen zum König der römischen Provinz namens Herodes und bringen ihm die Botschaft, das in seinem Reich ein Königssohn geboren wurde. Aber nachdem Herodes‘ Frau kein Kind geboren hatte, kam es dem König spanisch vor und er fragt die Sterndeuter nach Details aus – angeblich damit er diesem neuen König huldigen konnte. Doch er verfolgte miesere Pläne: Einen Konkurrenten konnte Herodes nicht dulden und er gab den Befehl, alle Jungs unter zwei Jahren in der Gegend um Bethlehem herum zu töten (Matthäus 2,16). Das Kind, um das es ging, war niemand geringeres als Jesus Christus, der Sohn Gottes und der Retter der Welt.

Nachdem die Sterndeuter fortgezogen waren, kam ein Engel des Herrn im Traum zu Josef und befahl ihm: »Steh schnell auf und flieh mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten! Bleibt so lange dort, bis ich dir etwas anderes sage, denn Herodes lässt das Kind suchen und will es umbringen.« Da brach Josef noch in der Nacht mit Maria und dem Kind nach Ägypten auf. Dort blieben sie mit Jesus bis zum Tod von Herodes. So erfüllte sich, was der Herr durch seinen Propheten angekündigt hatte: »Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen.«

Matthäus 2,13-15 (HfA)

Wieder einmal wird Ägypten ein Zufluchtsort für Israeliten.

Philippus und der äthiopische Hofbeamte

Der letzte Bericht aus der Bibel, den ich erwähnen wollte, ist der über Philippus. Ein Engel (Engel I auf SalzUndLicht) schickt ihn zur Straße zwischen Jerusalem und Gaza. Hier war ein Hofbeamter der Königin von Äthiopien auf der Heimreise. Er war als Pilger im Tempel in Jerusalem. Auf der Rückfahrt vertiefte er sich ins Buch Jesaja.

Philippus lief hin und hörte, dass der Mann laut aus dem Buch Jesaja las. Er fragte den Äthiopier: »Verstehst du eigentlich, was du da liest?« »Nein«, erwiderte der Mann, »wie soll ich das denn verstehen, wenn es mir niemand erklärt!« Er bat Philippus, einzusteigen und sich neben ihn zu setzen. Gerade hatte er die Stelle gelesen, wo es heißt: »Er war stumm wie ein Schaf, das man zur Schlachtung führt. Und wie ein Lamm, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. Er wurde gedemütigt, nicht einmal ein gerechtes Urteil war er seinen Peinigern wert. Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde. Denn man hat sein Leben auf dieser Erde ausgelöscht.« Der Äthiopier fragte Philippus: »Von wem spricht hier der Prophet? Von sich selbst oder von einem anderen?« Da begann Philippus, ihm die rettende Botschaft von Jesus ausgehend von diesem Prophetenwort zu erklären. Als sie schließlich an einer Wasserstelle vorüberfuhren, sagte der äthiopische Hofbeamte: »Dort ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich jetzt gleich getauft werde?«

Apostelgeschichte 8,30-37 (HfA)

Philippus taufte den Beamten und wurde vom Geist Gottes an einen anderen Ort versetzt (ein Trekkie würde jetzt sagen: gebeamt!) Der Beamte zog fröhlich seinen Weg nach Hause.

Ein paar Dinge finde ich spannend:

  • Ein Äthiopier nimmt den weiten Weg auf sich, um in Jerusalem Gott anzubeten! Was sind wir bereit, für Gott zu tun?
  • Der Prophet Jesaja schreibt schon einige hundert Jahre von dem Retter, von Jesus Christus, dem Lamm Gottes! Gottes Wort gilt!
  • Der Geist Gottes ermöglicht den Kindern Gottes nicht nur die Zungenrede, Prophetie und andere Geistesgaben, sondern Er kann auch „physische Objekte“, hier einen Menschen, bewegen.
  • Für eine Taufe braucht man kein riesiges Brimborium. Man braucht den Glauben, ein „Ja“ zu Gott und einen Täufer. Und Wasser.

Am Ende

Natürlich ist die Geschichte Gottes mit dem Volk Israel auch in der „Neuzeit“ nicht zu Ende und immer wieder hatte Israel Konflikte mit afrikanischen Ländern, genauer gesagt, Ägypten: Unabhängigkeitskrieg (1948), Sechstagekrieg (1967), Jom-Kippur-Krieg (1973) (siehe auch Wikipedia: Israel).

Wir werden sehen, was in Zukunft auf Israel und uns zukommt. Auch Jesus wird eines Tages dorthin zurückkehren, was wir in der Offenbarung des Johannes nachlesen können.

Eines ist sicher: Gott hat alles in Seiner Hand!

Vielen Dank für’s Lesen und Gottes Segen!

Ein Kommentar zu “Afrika und das Volk Israel

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