
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Art. 5
(A-)Soziale Medien
Seit einiger Zeit wird ein Social Media-Verbot für Jugendliche in Österreich und Deutschland diskutiert, in Australien gibt es ein solches für Jugendliche unter 16 seit Dezember 2025 (Quelle: Wikipedia).
Ich hab mir dazu auch Gedanken gemacht und zuerst fand ich es gut. Doch je mir ich drüber nachdacht, wurde ich kritisch demgegenüber.
Grundsätzlich bin ich von Social Media nicht begeistert. Es gibt ohne Frage sehr gute Inhalte, aber noch viel mehr Fragwürdiges und Sinnfreies. Deshalb sind wir in unserer Family relativ restriktiv im Umgang mit diesen Medien (zumindest versuchen wir es).
Die Bibel sagt in Sprüche 4,23 „achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über Leben“ und deine Gedanken werden auch von dem beeinflusst, was du dir ansiehst, anhört, worüber du redest (siehe auch Satt oder nur vollgefressen auf SalzUndLicht). Von dem her denke ich, dass es ungeheuer wichtig ist, welchen Einflüssen wir uns aussetzen. Zumal ein ungezügelter Konsum von Webinhalten, auch die ungezügelte Verwendung von Smartphones, sicherlich nicht gesund sind – Bewegungsmangel, Haltungsschäden oder Arthritis in den Daumen vom vielen Tippen.

Gefahren von Social Media
Folge nicht der Mehrheit, wenn sie im Unrecht ist! Musst du vor Gericht aussagen, sollst du nicht der Mehrheit nach dem Mund reden und so ein gerechtes Urteil verhindern.
2.Mose 23,2 (HfA)
Lügeninhalte
Ohne Frage wird oft viel, was auf den einschlägigen Plattformen gepostet wird, ohne Hinterfragen für bahre Münze genommen. Daher ist es gefährlich, dass Menschen – auch Erwachsene! – dadurch manipuliert werden können. Lügen können sich extrem schnell verbreiten – die Richtigstellung weniger schnell. Es gibt Mobbing im Netz und Cyberkriminalität. An extreme Dinge wie Pornografie oder Gewaltszenen kommen die Jugendlichen – oder wir alle – extrem leicht heran. Es gibt Inhalte, die Menschen ängstigen können.

Mehr Schein als Sein
Oft sieht man auf Social Media nur die Fassade eines Menschen. Zum einen kann es enttäuschend sein, wenn man diese Leute dann in Real Life trifft und es kann dazu führen, dass man selbst einem Ideal nacheifert, das es eigentlich garnicht gibt.
In den Sozialen Medien ist die Hemmschwelle von vielen Menschen niedriger – was manchen posten, würden sie sicherlich einem Mitmenschen so nicht direkt ins Gesicht sagen.
Suchtpotential
Viele Medienkonzerne, die wir alle kennen, nutzen Algorithmen, die Suchtverhalten belohnen und fördern. Ablenkungen, die durch die exzessive Nutzung von Smartphones einhergehen, verringern die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen (ja, anscheinend hat der Goldfisch inzwischen eine bessere Konzentrationsfähigkeit als wir Menschen – siehe „Acht Sekunden Aufmerksamkeit„).
Missbrauch der Technologie
Wie alles, was die Menschheit erfindet, werden auch die zweifellos großartigen technischen Möglichkeiten durch Menschen mißbraucht, die ihren Mitmenschen schaden möchten. Das ist leider so.

Gefahren eines Verbots
Warum soll es ein solches Verbot geben? Um die Jugend zu schützen. Okay, ein edles Ansinnen. Es gibt ohne Frage Dinge, die nicht gut sind für Jugendliche (siehe vorheriger Abschnitt) – genauso gilt das für uns Erwachsene.
Ich persönlich glaube, dass ein generelles Verbot nicht das Gelbe vom Ei ist. Warum?
Missbrauch
Wer legt fest, welche Plattform, welche Webseite gesperrt wird? Wer bestimmt, was gesehen wird und was nicht? Dadurch kann Meinung gezielt gesteuert werden. Wer bestimmt, was richtig ist und was falsch ist? Es heißt bei uns „Wer zahlt, schafft an“. Wer garantiert, dass nicht bestimmte Inhalte von Konzernen gesponsert oder „freigekauft“ werden? Wer legt das Alter fest? Die Altersgrenze kann ja immer noch verändert werden und plötzlich ist es statt dem 14jährigen auch der 17jährige, der vor dem schwarzen Bildschirm sitzt. Außerdem könnte man plötzlich meinen, das bestimmte Inhalte auch für Erwachsene „gefährlich“ sind und entsprechend einschränken – das wäre Zensur, die laut Artikel 5 des Grundgesetzes verboten ist.
Eine Meinung
Um sich eine eigene, freie Meinung bilden zu können, ist es unerlässlich, dass man sich aus verschiedenen Quellen informieren und darüber nachdenken kann. Habe ich nur eine Quelle, kann ich ja eigentlich nur diese Meinung annehmen und das glauben, was geschrieben steht. Warum sollte man keine Diskussion über den Klimawandel, Corona oder andere Themen zulassen können?
Wir sprechen oft von Toleranz und Vielfalt – bei der Meinung scheint das nicht immer zu gelten. Eine Kritik an der Meinung der Politik oder Mainstream-Medien ist nicht immer ohne Gefahr von von extremen Reaktionen möglich.
Bessere Qualität der Information?
Sind die etablierten Medien wie Radio, Fernsehen, Zeitungen neutraler wie Social Media? Macht Fernsehen weniger süchtig wie Instagram?
Ist die Qualität des Programmes in den großen Fernsehsendern besser wie im Internet? Naja. Gerichtsshows oder Reality-TV, hm… das wage ich zu bezweifeln. Außerdem erinnere ich mit Schrecken an das mediale Dauerfeuer der Corona-Zeit zurück.
Sicherlich gibt es hochqualitative Sendungen im Fernsehen, so wie es auch ebensolche Kanäle auf Social Media gibt. Außerdem informieren viele Vereine, Organisationen, usw. die Menschen über diese Medien.

Entmündigen
Ich habe vor einiger Zeit Interviews mit jungen Menschen gesehen, die mich tief beeindruckt haben. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, ob wir Erwachsene es uns manchmal zu einfach machen und ob wir nicht die junge Generation pauschal abschreiben. Sie machen sich mehr Gedanken über das Leben, wie wir Großen glauben.
Es gibt viele Jugendliche, die sich auf Social Media künstlerisch ausdrücken, ihr Können zeigen und sich der Welt mitteilen. Es tummeln sich echt super Maler, Musiker und Tänzer unter all den anderen.
Letztendlich würde man einen großen Teil der Menschen quasi von Gesetzes wegen entmündigen und eine Plattform nehmen, auf der sie sich entfalten können. Viele Alternativen haben sie nicht. Sie lesen sicher nicht Zeitung und schreiben dann Leserbriefe. Außerdem werden heute Kontakte einfach über diese Medien gepflegt.
Es wäre nur fair, die jungen Menschen zu fragen, was sie wollen. Vielleicht wären wir Erwachsenen erstaunt, was dabei rauskommt.
Mögliche Konsequenzen für Erwachsene
Die Frage ist, wie sich ein solches Verbot durchsetzen lässt. Letztendlich muss eine eindeutigen Identifizierung des Nutzers etabliert werden, denn das elterliche Telefon ist schnell geknackt oder Fake-Identitäten kann buchstäblich jedes Kind anlegen.
Die Gefahr einer Überwachung des Surfverhaltens durch den Staat wäre ebenso real, wie eine Zensur durch die Hintertür. Für die Durchsetzung des Gesetzes müssten entsprechende Mengen an persönlichen Daten verarbeitet werden, die für z.B. Hacker und Konzerne ein gefundenes Fressen wären. Sind wir bereit, ein solches Risiko einzugehen?

Alternative Möglichkeiten zum Verbot
Es gibt gute Argumente für und gegen Verbote, die man auf alle Fälle intensiv abwägen muss. Zumal wir in einem freien Land leben. Vielleicht gibt es auch Alternativen zu einem Verbot…
Nachdenken
Denke bei jedem Schritt an ihn; er zeigt dir den richtigen Weg und krönt dein Handeln mit Erfolg.
Sprüche 3,6 (HfA)
Wir haben von Gott viel bekommen: Das Leben, das Herz, die Seele, den Verstand – und letzteren dürfen wir auch einsetzen. Wir sollten selbst unseren gesunden Menschenverstand einsetzen, bevor wir alles, was wir in den (Sozialen) Medien hören und sehen für die Wahrheit halten. Wir müssen selbst wieder das vernünftige Denken und Hinterfragen lernen: Was ist logisch? Was kann sein? Was nicht? Dazu gehört es auch, mal das ein oder andere Buch in die Hand zu nehmen und zu recherchieren. Das haben viele mit Wikipedia, Google und ChatGPT verlernt. Wissen aneignen und denken sind harte Arbeit, aber unglaublich wichtig. Und genau dieses Denken und Durchhalten sollten wir den Kindern wieder beibringen – und auch zutrauen. Kinder sind von Natur aus neugierig
Verantwortung der Eltern
Prägt sie euren Kindern ein! Redet immer und überall davon, ob ihr zu Hause oder unterwegs seid, ob ihr euch schlafen legt oder aufsteht.
5.Mose 6,7 (HfA)
Wir Eltern haben Verantwortung für unsere Kinder. Sie sind nicht nur kleine Menschen, die im Haus wohnen. Unsere Aufgaben sind sie zu lieben, zu versorgen und zu erziehen. Das geht aber nicht, wenn wir selbst nur (soziale) Medien konsumieren, die Arbeit und Selbstverwirklichung wichtiger sind als die Kids. Kinder brauchen Zeit. Und sie haben ein Recht darauf.
Der Einfluss des Elternhauses ist nicht zu unterschätzen. Wir sind die Vorbilder, die sie nachahmen. Verbringen wir Zeit mit dem Smartphone, werden sie es auch tun. Lesen wir Bücher, wächst die Chance, dass sie eines in die Hand nehmen. Und Kinder können sogar den Kindergarten, die Grundschule und ein paar Klassen der Mittelstufe ohne Smartphone überleben – wir haben lebendige Beweise zu Hause.
Grundsätzlich sollte man die Eigenverantwortung der Eltern stärken und sie dabei unterstützen, wie sie ihren Kindern einen vernünftigen Umgang mit den sozialen Medien beibringen können. Zum Beispiel Kurse in Schulen, Volkshochschulen, usw. oder Hotlines für Hilfe. Und die Eltern? Sie sollen sich bewusst werden, dass sie die Verantwortung haben (nicht nur die Schule!) die Kinder zu verantwortungsvollen, mündigen Bürgern zu erziehen. Und dann danach handeln! Sonst wird die Kinder jemand anderes erziehen – ob wir wollen oder nicht.

Technische Möglichkeiten
Damals gab es im ganzen Land Israel keinen einzigen Schmied. Die Philister wollten nämlich verhindern, dass sich die Israeliten Schwerter und Speere herstellten.
1.Samuel 13,19 (HfA)
Die Sozialen Medien sind darauf ausgelegt, dass man möglichst viel Zeit dort verbringt. Dazu wurden Algorithmen programmiert, die das Belohnungszentrum des Menschen ansprechen. Schnelle Klicks. Ah, was Interessantes. Belohnung. Und weiterklicken. Daraus folgt eine schnelle Befriedigung von (irgendwelchen) Bedürfnissen. Die Folgen: Das Aufhören fällt sehr schwer. Man wird süchtig. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt (Goldfisch!). Die Ungeduld nimmt zu (Warum schreibt der nicht nach zwei Sekunden zurück! Ich brauch das jetzt! …). Man verlernt, dass es Zeit und Kraft kostet, manche Dinge zu tun und Ziele zu erreichen. Die Frustrationstoleranz sinkt, wenn nicht sofort die Belohnung kommt. Das ist sehr bedenklich.
Es wären auch – wie z.B. bei Suchmaschinen oder Streamingdiensten Profile für verschiedene Altersgruppen möglich.
Der Kern des Problems ist einfach, das extrem kluge Köpfe wissen, wie man Menschen steuert und wie man damit Geld verdienen kann.
Grundsätzlich müsste der Gesetzgeber die süchtigmachenden Algorithmen von den Konzernen auf ein besseres Maß umprogrammieren lassen. Technisch ist vieles möglich, wenn der Wille da ist.
Bildung in der Schule – in den Medien
Denn die ganze Heilige Schrift ist von Gott eingegeben. Sie soll uns unterweisen; sie hilft uns, unsere Schuld einzusehen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und so zu leben, wie es Gott gefällt.
2.Timotheus 3,16 (HfA)
Neben dem Zuhause verbringen die Kids viel Zeit in der Schule. In vielen Schulen werden auch iPads und Co. im Unterricht verwendet. Auch hier, finde ich, ist es notwendig, den Kinder den vernünftigen Umgang mit diesen Tools beizubringen. Und wie man sich im Netz benimmt – Stichwort “ Netiquette„. Ganz wichtig: Welche Gefahren dort lauern. Von der möglichen Sucht über das Preisgeben von Informationen bis zur Desinformation. Vom Land Oberösterreich gibt es zum Beispiel den Workshop „Nackt im Netz“ oder österreichweit läuft eine Initiative für Schüler, die für drei Wochen auf ihr Smartphone verzichten.
Alternativen anbieten
Mit meinem Geist habe ich ihn erfüllt; ich habe ihm Weisheit und Verstand gegeben und ihn befähigt, alle für den Bau erforderlichen handwerklichen und künstlerischen Arbeiten auszuführen. Er kann Pläne entwerfen und nach ihnen Gegenstände aus Gold, Silber oder Bronze anfertigen; er hat die Fähigkeit, Edelsteine zu schleifen und einzufassen; er versteht sich auf das Bearbeiten von Holz und auf viele andere Arten von Kunsthandwerk.
2.Mose 31,3-5 (HfA)
Kinder können Alternativen zum Sozialen Medien/ Smartphone finden. Das ist ein Prozess, der erst einmal von Langeweile geprägt ist und für Eltern anstrengend sein kann. Aber es lohnt sich. Wenn sich die Kinder im Künstlerischen oder Spielerischen entfalten können, ist das großartig, und alle mal sinnvoller wie daddeln. Es steckt so viel Potential in ihnen und es wäre schade, wenn es unter dem ungeheuren Einfluss der Sozialen Medien untergeht. Hätte unsere ältere Tochter Elisa schon mit 8 Jahren ein Smartphone gehabt, wären sicherlich ihre Bücher nicht entstanden. (Elisas Seite). Ich kann aus Erfahrung also nur ermutigen: Lasst das Smartphone weg!
Außerdem: Schickt die Kinder raus in Gottes wunderschöne Natur, dort gibt es unendlich viel zu entdecken, zu staunen und zu machen. Wir haben als Kids ganze Nachmittage im Wald verbracht und Lager gebaut – toll war’s! Das kann keine Medienplattform bieten.
Glaube
Ich traue aber darauf, dass du so gnädig bist; / mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut.
Psalm 13,6 (LU17)
Ich will nicht sagen, dass Christen vor Süchten oder Medienmissbrauch gefeit sind. Allerdings haben wir zum einen durch die Bibel einen guten moralischen Kompass geschenkt bekommen und eine Anleitung zu einer gesunden Lebensführung. Die christlichen Grundwerte sind die beste Basis für ein Zusammenleben zwischen den Menschen. Zum anderen ist Gott da, der sich um uns und unsere Anliegen und Probleme kümmern möchte. Das müssen wir allerdings zulassen und Ihm Glauben und Vertrauen schenken. Wir dürfen uns voll und ganz auf Jesus verlassen, denn Er IST die Wahrheit (Johannes 14,6)!
Als Christ stehen wir (normalerweise) nicht alleine. Gott ist für uns da und andere Christen auch – sei es in der Gemeinde, Familie, Kleingruppe, usw.
Gott stiftet Identität – wir sind seine Töchter und Söhne, geliebt und angenommen. Das machen die sozialen Medien nicht. So können es nicht. Und wenn ich meinen Lebenssinn und Identität aus der Zahl meiner Freunde und Follower beziehe: Was ist, wenn es plötzlich weniger werden?
Ängste, die wir durch zu viel Medienkonsum vielleicht haben, können wir durch Gottes Hilfe überwinden – Jesus sagt des selbst in Johannes 16,33: Wir brauchen in der Welt keine Angst haben, denn Er hat sie überwunden.
Auf der Basis unseres Glaubens können wir den Herausforderungen durch die Gefahren von Social Media begegnen.

Fazit
Ein Bibelvers, der zum Thema und unserem Umgang mit Smartphone und Social Media gut passt – vor allem der erste Teil…
Nutzt die Zeit, so gut ihr könnt, denn wir leben in einer schlimmen Zeit.
Epheser 5,15 (HfA)
Ich bin kein Fan von vielen der Sozialen Medien, weil ich einen Großteil der Inhalte für sinnfrei halte und eine große Gefahr in der Manipulation der Konsumenten sehe. Außerdem weiß ich und erlebe es, dass diese Medien extreme Zeitfresser sind und von wirklich Wichtigem abhalten.
Allerdings habe ich eine Aversion gegen pauschale Verbote entwickelt – aktuell scheinen Verbote eine der ganz wenigen Optionen unsere Politik zu sein: Verbrennerverbot, Social Media-Verbot, AfD-Verbot, usw. anstatt nach alternativen Ansätze zu versuchen (egal mal, wie sinnvoll die Verbote sind oder nicht).
Was denkst du? Hinterlasse gerne einen Kommentar!