Limits

Meine Kraft schwindet wie Wasser, das versickert, und alle meine Knochen sind wie ausgerenkt. Mein Herz verkrampft sich vor Angst, und meine ganze Kraft ist dahin, verdorrt wie eine staubige Tonscherbe. Die Zunge klebt mir am Gaumen. Du lässt mich im Tode versinken.

Psalm 22,15-16 (HfA)

Am Limit

Wenn man jung ist, hat man echt Power. Das sehe ich an meinen Kids: Sie können ohne Ende rumtoben und ein Ende ist nicht in Sicht. Junge Menschen sind oft voller Tatendrang, möchten die Welt kennenlernen, erobern und verbessern. Sie stecken viel Energie in Dinge, die sie interessieren.

In meiner Jugend habe ich extrem viel in unserer Kirchengemeinde gemacht, dazwischen noch Schule bzw. Studium gemeistert und hab mich oft mit Freunden getroffen. Ideen wurden verwirklicht und ich bin in der Weltgeschichte rumgekommen. Und heute? Wenn man älter wird – und ja, langsam gehöre auch ich dazu – merkt man, dass man nicht mehr so kann, wie früher. Man merkt, dass man begrenzt ist. In Zeit, Ressourcen, Kraft. Oft bleibt nach der Arbeit nur noch entspannen übrig, wenn man Zeit dafür hat – es sind immer genug Dinge zu tun, wie sich um Haus und Garten kümmern, Hobbies, Steuer, Einkäufe, ach ja: die Kids und die Ehefrau nicht vergessen. Und eigentlich sollte man sich ja noch hier engagieren und dort in Aktion treten.

Über dem Limit

Das geht auch. Und es funktioniert erstaunlich lange gut. Doch irgendwann kommt der Punkt in jedem Leben, an dem man merkt: Hoppla, es geht nicht mehr. Plötzlich spielt der Körper verrückt, man ist müde, ausgepowert, mag nicht mehr. Überlastung. Burnout auf Neudeutsch. Und dann? „Rien ne va plus!“ Nichts geht mehr. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

So ähnlich ging es mir. Zwar hat mich Gott schon länger „gewarnt“, indem Er mir einen Teil des Verses aus Jesaja 47 wichtig gemacht hat:

Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne.

Jesaja 47,13a (LU17)

Der Vers hat mir gesagt: „Du machst zu viel!“ Ich hab auch Dinge auf Eis gelegt. Doch anscheinend ist mehr nötig als das. Denn längere Zeit später hab ich wirklich eine Auszeit gebraucht. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Und das war bitter notwendig. Und heilsam.

Persönliche Limits

Warum erzähl‘ ich das? Weil ich glaube, dass viele Menschen am Limit sind. Es ist ja nicht nur die Arbeit oder Familie. Es spielt auch die aktuelle Lage eine Rolle: der Krieg in der Ukraine, die wirtschaftliche Lage, Angst vorm Klimawandel. Und erst seit einiger Zeit sind wir halbwegs aus der Corona-Situation rausgekommen. Bei manchen kommen langwierige oder schwere Krankheiten dazu, Schicksalsschläge. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Manche halten mehr aus und manche weniger. Ein Mensch hat sein persönliches Limit (Resilienz). Und man muss sich nicht schämen, weil jemand anderes scheinbar mehr tragen kann, wie man selbst. Man ist wie man ist.

Mit der Zeit baut sich einfach mehr und mehr auf und plötzlich steht man da mit einer riesigen Last auf dem Rücken und weiß nicht wohin damit.

Bring es zu Jesus. Er nimmt die Last ab (Matthäus 11,28-30). Gott prüft uns nicht über unsere Kraft (1. Korinther 10,13). In Psalm 18 steht:

Denn mit dir kann ich Wälle erstürmen und mit meinem Gott über Mauern springen.

Psalm 18,30 (HfA)

Schön und gut. Jetzt muss ich auch noch ein schlechtes Gewissen haben, weil ich nicht genug glaube?

Das ist sicher nicht hilfreich.

Ohne Limit

Natürlich ist Gott unbegrenzt. Eben kein limitierter Mensch:

Jesus sah sie an und sagte: »Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Für ihn ist alles möglich!«

Markus 10,27 (HfA)

Ja, wir wissen, dass Er alles kann. Er kann uns heilen. Er kann die Situation ändern. Es gibt Christen – die überspitzt formuliert – sagen, dass man nur genug glauben muss, dann ist man nie krank, ist gesegnet in Finanzen, die Familie ist super. Kurz: Das Leben ist ein einziger Siegeszug. Leider ist das sehr einseitig gedacht, wie ich finde. Wenn ich die Bibel lese, stoße ich auf Jesus, der gelitten hat, die Jünger, die verfolgt wurden, „Glaubenshelden“ wie David oder Abraham, die versagt haben, Pläne, die gescheitert sind, Leiden, die nicht geheilt wurden. Oder Jeremia, der so verzweifelt wegen Gottes Auftrag an ihn war, dass er den Tag seiner Geburt verfluchte.

Das ist die ganze Bandbreite des menschlichen Daseins. Siege gehören genauso dazu, wie Niederlagen. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Was tut man, wenn Grenzen überschritten werden und die Situation beinahe untragbar wird.

Dieses Zitat habe ich in unserer Lieblingsferienwohnung in Ramsau gelesen:

Gott hat uns keine ruhige Überfahrt verheißen, aber eine sichere Ankunft.

Hudson Taylor (1832 – 1905, Missionar in China)

Und ich glaube, dass es so ist.

Umgang mit Limits

Mir hat geholfen, dass ich erstmal zugegeben hab, dass es nicht mehr geht. Dass ich Grenzen habe. Ich hab viel gebetet, nachgedacht, aufgeschrieben und versucht zu ergründen, warum ich so ticke, wie ich’s tu. Woher das alles kommt. Und welchen Einfluss das auf mein Denken und Handeln hat. Warum ich einfach zu selten mal „nein“ gesagt habe. Ja, ich habe viele Interessen und bin gerne aktiv. Doch ich musste mir bewusst werden, dass nicht immer alles geht. Man könnte ja immer was tun, aber man muss es nicht. Manchmal muss ich mir selbst sagen „Du kannst nicht die Welt retten. Das ist nicht dein Job“. Diese Last muss ich nicht tragen. Und „Du musst nicht alles machen.“ Manchmal muss man einfach mehr auf seinen Körper – und auf Gott 😬- hören.

Letztendlich hab ich ein paar Konsequenzen gezogen und bin gespannt, wie sie sich auf mein Leben auswirken.

Was die akute Situation betraf: Manchmal hab ich einfach mehr keinen Bock gehabt, dass es mir schlecht geht. Wirklich ätzend. Ich wollte einfach nicht mehr, dass es so weitergeht. Auf Jesus schauen, kam mir dann in den Sinn. Aber wie? Mir hat beten geholfen: „Herr, bitte mach mich gesund. Und wenn es noch dauert, dann bitte hilf mir, dass ich es aushalten kann.“ Und ich muss sagen, dass funktioniert – zumindest allermeistens! Gott kann auch DIR die Kraft geben, wenn du leidest.

Dazu eine Bemerkung zu Psalm 23: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal„. Manchmal müssen wir durch die finsteren Täler hindurch, denn drum herum gibt es einfach keinen Weg. Keine Umgehung oder Abkürzung. Aber Gott, der gute Hirte, ist da und führt diesen Weg. Soll heißen: Diese Situationen sollen uns oft etwas zeigen, das Gott uns lehren will. Vielleicht nicht immer, denn manchmal ist die Welt einfach nur schei…*! Und manchmal haben wir uns den Mist selbst durch unseren Ungehorsam eingebrockt. Und selbst das ist für Gott kein Hindernis! Er lässt uns nicht allein

Der Hudson Tayler von oben hat auch mal gesagt:

Es kann keine Not geben, der Gott nicht begegnen könnte.

Hudson Taylor (1832 – 1905, Missionar in China)


* Und selbst dann kann man etwas lernen. Und wenn es ’nur‘ das ist, dass wir das Vertrauen auf Gott und Seinen guten Weg vertiefen. Paulus schreibt in Hebräer 10,35: Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. In solchen Situationen dürfen wir immer wissen, dass Gott alles Griff hat. Auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Dein Limit!?

Wie sieht’s bei dir aus? Ich hoffe, gut. Und wenn nicht, dann geh die ersten Schritte:

  • Gib zu, dass du am Limit bist.
  • Wo liegt das Limit?
  • Denke nach und bitte Gott, dass Er dir zeigt, woran es liegt. Rede mit Freunden, deiner Partnerin/ deinem Partner.
  • Werde dir bewusst, was dir Kraft raubt und dir Kraft gibt. Was ist zuviel?
  • Was ist der Auftrag Gottes an dich in der aktuellen Situation. Frage Ihn, was du tun sollst.
  • Lass dir genug Zeit.
  • Zieh die Konsequenzen: Ändere Verhaltensweisen, lass unnötige Dinge sein, setze Grenzen. Lerne „nein“ zu sagen, wenn es notwendig ist.
  • Und handle. Es geht nicht von heute auf morgen. Schritt für Schritt. Und wenn du fällst, steh wieder auf.

Vielen Dank für’s Lesen! Ich wünsche dir viel Kraft und Gottes Segen!

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