Ehrlich glauben – Warum Christen so leicht lügen (Ulrich Eggers)

Buchcover von "Ehrlich glauben"

Wenn ihr »Ja« sagt, dann muss man sich darauf verlassen können. Und wenn ihr »Nein« sagt, dann steht auch dazu. Sonst müsst ihr euch vor Gottes Gericht dafür verantworten.

Jakobus 5,12b (HfA)

Darum geht es:

In der Tat ist das ein sehr provozierender Untertitel – Christen lügen? Das sollte man ja nicht meinen. Ulrich Eggers geht dem aus seiner Erfahrung heraus auf den Grund und stellt fest, dass es in vielen Bereichen des Glaubenslebens Diskrepanzen zwischen dem Gesagten, Gedachten und den Taten gibt. Er legt dar, wie sehr wir manchmal in unseren christlichen Glaubenswelt gefangen sind, unerreichbare Maßstäbe angelegen und fast unmögliche Forderungen stellen. Und weil man dazugehören will und nichts falsch machen will, spielt man mit. „Falsche“ Gedanken werden verdrängt, die Fassade aufrechterhalten, ein frommer Jargon benutzt, usw. Und wenn jemand scheitert: „Boah, das hätte ich nie von unserem Pastor gedacht! Gerade der muss ja ein Vorbild sein.“ Um aus diesem Kreis auszubrechen, muss man sich erst mal bewusst werden und sich selbst prüfen, wo man steht. Dazu gibt Ulrich Eggers 50 Impulse zum Nachdenken mit, wie z.B. „Kein Durst nach Gott“, „Das tut man nicht!“, „Gut beschäftigt miteinander“, „Schattenwelten“ oder „Wenn Männer enttäuschen“.

Buch mit Kaffeetasse

Was gefällt mir an dem Buch:

  • Es legt sozusagen die Finger in die Wunde.
  • Ulrich Eggers schreibt nicht verurteilend, sondern bietet Raum zum Reflektieren und Verändern.
  • Der Autor stellt offen seine eigenen Herausforderungen mit dem Thema „Ehrlich leben“ dar.
  • Ich hatte einige Aha-Momente – „Genauso geht’s mir ja auch!“
  • Dinge, bei denen einem schon immer wieder etwas unwohl war, werden benannt und dadurch bewusst. Nach dem Motto: „Was tu ich da eigentlich?“
  • Es gibt gute Impulse, wie man „echter“ werden kann.
Buch mit Kaffeetasse

Was können wir aus dem Buch lernen:

  • Gott liebt uns bedingungslos – so wie wir sind. Auch mit unseren Fehlern. Oder gerade deswegen?!?
  • Es nimmt den Druck aus einigen Dingen heraus: Als Christ muss ich nicht auf eine bestimmte Weise leben oder eine festgelegte Zeit beten, damit Gott mich erhört oder verschiedene Rituale einhalten. Ja, ein Christ wird sich verändern, aber keinem steht zu, jemanden zu verurteilen und auf sein „Level beim Christsein“ zu schließen, nur weil er bestimmte Maßstäbe nicht erfüllt.
  • Wir sind nicht frei von Fehlern! Das müssen wir auch nicht sein. Wir dürfen fallen, um Vergebung bitten und wieder aufstehen. Wenn es sein muss, tausend Mal! Gott ist unendlich gnädig!
  • Wir können eine Kultur entwickeln, in der Fehler gemacht werden dürfen, ohne das Ziel und die Maßstäbe Gottes herunterzuschrauben, indem wir keine hohen, unerfüllbaren Maßstäbe an andere Gläubige anlegen und predigen, sondern barmherzig miteinander umgehen.
  • Das Buch regt zum Hinterfragen ein: bei mir selbst, in der Familie, in der Gemeinde. Bin ich ehrlich? Kann ich mit der Ehrlichkeit der anderen umgehen? Welche Phrasen habe ich mir angeeignet? Was sage ich eigentlich und was denke ich dabei? Welche Fassaden halte ich aufrecht?
  • Manche Prozesse sind schmerzhaft, aber sie sind wichtig zu gehen und am Ende lohnenswert, dass man sich seinen Problemen stellt.

Das Buch: (Ulrich Eggers, „Ehrlich glauben – Warum Christen so leicht lügen“ (ISBN 978-3-417265-51-4), R.Brockhaus, in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten, 224 Seiten

Das Bild: Verlagsfoto

Ein Link: Alles nur Fassade auf SalzUndLicht

Ein zweiter Link: Über Fehler und andere Kleinigkeiten auf SalzUndLicht

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