Über Fehler und andere Kleinigkeiten

Malen

Ich wollte schon lange mal einen Beitrag in Anlehnung an einen amerikanischen Künstler machen, den ich sehr schätze: Bob Ross (1942-1995). Mit seiner Sendung „The Joy Of Painting“ hat er viele Menschen ermutigt, einen Pinsel in die Hand zu nehmen und mit Öl zu malen. Er hatte eine so liebenswerte Art den Zuschauern das Malen nahezubringen, dass man nicht mehr abschalten konnte. In einer halben Stunde ließ er Landschaften entstehen, wobei man sich immer wieder mal fragte: “ Warum macht er das da rein? Das sieht doch furchtbar aus!“ und dann plötzlich schaut das Bild wieder echt schön aus. Es hatte schon was Meditatives, ihm zuzuschauen, wie er Büsche und Bäume gemalt hat. Das Geräusch vom Pinsel auf der Leinwand, wie er die Blätter rhythmisch malte, hab ich immer noch im Kopf. Und wenn er sich mal vermalt hat, waren das keine Fehler, sondern „happy little accidents“ aus denen er wieder was machen konnte.

Fehler und Fragen

Hallo alle zusammen. Willkommen zur neuen Folge von „Mal mal wieder“. Mein Name ist Robert Pferd und ich male leidenschaftlich gerne – schon seit meiner frühesten Kindheit. Dabei habe ich viel Freude, die ich sehr gerne mit euch teilen will. Heute wollen wir eine fantastische Berglandschaft zusammen malen, wie wir sie aus den Alpen kennen. Die Farben, die ihr benötigt sind rechts eingeblendet. Los geht’s!

Wir brauchen eine 40 cm x 60 cm große Leinwand, die wir mit einer Mischung aus Leinöl und Titanweiß bemalen. Doch was ist das? Ein kleiner Fleck!

Fehler gibt es auf dieser Welt überall. Größere und kleinere Fehler machen uns das Leben schwer. Und wir selbst machen auch Fehler. Jeder von uns. Oft ist es so, dass wir vor allem bei Menschen zuerst die Fehler sehen – so wie auf dem rechten Bild oben – und nicht das ganze Gute, was in ihm steckt.

Denk mal über dich selber nach…

  • Was siehst du bei den anderen zuerst? Die Fehler oder das Gute?
  • Was ist dein größter Fehler?
  • Wie ist die Fehlerkultur in deiner Familie oder in der Arbeit oder in deiner Gemeinde?
  • Musst du perfekt sein? Darfst du echt sein?
  • Dürfen andere in deiner Nähe echt sein?
  • Fällt es dir schwer, Schwächen/ Fehler/ Sünden einzugestehen? Warum ist das so?

Übermalen

Den Fleck übermalen wir einfach. Kein Problem. Ein kleiner, glücklicher Zwischenfall. Den haben wir gleich bereinigt. Mist!

Wir können diese Leinwand als ein Bild für unser Leben nehmen. Wenn wir ernsthaft darüber nachdenken, sehen wir: Jeder von uns hat Fehler und macht Fehler, jeder strauchelt einmal, jeder hat mal miese Gedanken, behandelt andere Menschen schlecht, lügt, hat Dreck am Stecken und keine weiße Weste. Seien wir ehrlich: Wer meint perfekt zu sein, belügt sich selbst.

Viele Fehler verschwinden nicht von allein, dann müssen wir Dinge bereinigen, reinen Tisch machen und die Fehler ausräumen. Das ist im Zwischenmenschlichen nicht immer so einfach.

Denn manchmal reicht eine dumme Bemerkung aus, um jemanden extrem zu verletzen. Eine falsche Entscheidung kann das ganze Leben beeinflussen – „Mit drei Bier kann ich schon noch fahren!“ und es passiert ein schwerer Unfall mit tödlichem Ausgang für den Beifahrer.

Vertuschen

Naja, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, malen wir einfach drüber. Vielleicht können wir das später nutzen. Fangen wir mit einem blauen Himmel an und ein paar glücklichen Wölkchen, die dort oben schweben.

Menschen wollen keine Fehler machen, daher redet man am besten nicht drüber und wenn’s keiner weiß – umso besser! Manche verwenden daher viel Energie um ihre Fehler zu verstecken und eine makellose Fassade aufrecht zu erhalten. Fehler vertuschen – wie im Ölbild – manchmal kann das klappen, aber oft ist es schlimmer wie vorher. Der Fleck wird größer. Und überhaupt: Wie schaut’s unter der Fassade aus? Wenn die Fassade bröckelt, bricht ein Lügengebäude zusammen. Die Wahrheit findet einen Weg.

Fehler vertuschen ist kein neues Phänomen: Adam und Eva verstecken sich vor Gott; Kain bringt Abel um und tut unschuldig (Soll ich meines Bruders Hüter sein?)

Und was sagen deine Propheten dazu? Sie beschönigen diese üblen Machenschaften, so wie ein Maler eine hässliche Wand mit weißer Farbe übertüncht.

Hesekiel 22,28a (HfA)

Warum gesteht man Fehler nicht ein? Da steckt Scham dahinter, man wird verletzlich, man will geliebt werden, man hat Ansprüche auf Perfektsein gegenüber sich selbst. Alles sehr menschlich und verständlich.

Happy Little Accidents!?

Beginnen wir mit einem Berg. Als Inspiration dient mir der Watzmann im Berchtesgadener Land. Einem meiner Lieblingsberge. Man mischt Vandyckbraun, Schwarz und Titanweiß, um ein bräunliches Grau zu bekommen. Das ist der Untergrund der Berge, den man mit einer Spachtel aufbringt. Mit einem breiten Pinsel bringt man die Farben zusammen.

Bei Fehlern gibt es zwei Komponenten: die zwischenmenschliche und die zwischen Gott und dem Menschen. Die zweitere nennen wir Sünde.

Zwischen uns Menschen können Fehler beseitigt werden, wenn wir als „Täter“ unsere Fehler zugeben, wieder gut machen, die Strafe tragen (z.B. falls ein Fehler eine Gerichtsverhandlung nach sich zieht) und ernsthaft um Verzeihung bitten. Das „Opfer“ bemüht sich zu vergeben. Das ist nicht immer leicht und nicht immer kann man einem anderen Menschen verzeihen. Manches auf dieser Welt bleibt ungeklärt und unverziehen.

Unsere Sünden sind keine „happy little accidents„, denn für Gott ist die Sünde ernst. Todernst! Die Sünde ist tödlich – der Sünde Sold ist der [ewige] Tod! (Römer 6,23). Es gibt kein einfaches „Schwamm drüber!“, aber es gibt die Erlösung durch Jesus Christus.

Streiten wir die Sünden ab, versuchen sie zu verstecken, leugnen wir sie und tun wir keine Buße, so wird uns Gott nach diesem Tun richten. Denn Er ist heilig und hasst die Sünde. Gott und Sünde bestehen nicht nebeneinander.

Eine weiße Leinwand

Mit viel Weiß und etwas Schwarz und Braun drin, vielleicht noch ein Schuss Ultramarin dazu, bringen wir vorsichtig mit dem Spachtel die zweite Schicht Farbe auf. Dabei muss man beachten, dass die Farbe nicht totgemischt wird und aus welcher Richtung das Licht kommt. So kann man einen 3D-Effekt erzeugen.

Wenn wir unsere Fehler machen und dadurch sozusagen eine fleckige Leinwand sind, können wir zwar versuchen, alles zu übermalen, doch die Fehler sind immer noch da. Vielleicht nicht mehr für uns Menschen, aber für Gott sind sie sichtbar. Durch unsere eigenen Werke werden wir keine weiße Leinwand bekommen, aber durch Jesus. Er gibt uns eine weiße Leinwand, auf der wir das Bild unseres Lebens malen können: Die Fehler sind nicht nur übermalt, sondern sie sind wirklich weg! Als ob wir eine neue, weiße Leinwand bekommen würden.

Die Fehler anderer

Berge hängen ja nicht einfach in der Luft. Also müssen wir das typische Alpenvorland mit seinen Hügeln und Wäldern hinzufügen. Das Phthalogrün wird mit dem Cadmiumgelb auf die richtige Helligkeitsstufe gebracht. So gestaltet man nach und nach Hügel und Wälder.

Inzwischen ist der Fehler vom Anfang Geschichte. Im Bild ist er nicht mehr zu sehen. Was sehr spannend ist: Wenn man Fragen würde: Was siehst du, würden die meisten sagen „einen schwarzen Punkt“. Eigentlich ist es ja eine weiße Leinwand (mit einem kleinen schwarzen Punkt). Ich arbeite in einem Mikroskopielabor und eine unserer Aufgaben ist, winzige Fehler zu entdecken. In Firmen gibt es ganze Abteilungen, die sich nur mit möglichen Fehlern beschäftigen, zum Beispiel die „Qualitätskontrolle“ oder die „Anlagensicherheit“ oder die „IT-Sicherheit“. Das ist auch gut so, weil von dieser Arbeit sogar Menschenleben abhängen können – keiner möchte Glassplitter in seinem Nutella oder einen defekten Airbag bei einem Unfall haben.

Aber: Wir sind nicht dazu da, ständig auf Fehler unserer Mitmenschen hinzuweisen. Wie gehen wir mit den Fehlern anderen Menschen um? Suchen wir sie? Sehen wir nur Negatives? Weisen wir gezielt darauf hin? Ziehen wir sie durch den Kakao? Welche Maßstäbe lege ich selber an? Meine? Denn das sind die richtigen!?!

Hier müssen wir etwas gnädiger mit unseren Mitmenschen umgehen. Jesus sagt:

Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?

Matthäus 7,3 (HfA)

Das soll heißen, dass wir genauso Fehler haben, wie jeder andere Mensch. Es heißt aber nicht, dass wir alles übersehen müssen und alles laufen lassen, egal, ob es gut oder schlecht ist. Es geht um die Art und Weise und um unsere Einstellung: Demut ist angesagt. Liebevolle Korrektur und Hilfe ist das eine, Überheblichkeit ist das andere.

Trotzdem wertvoll

Mit dem Fächerpinsel kann man ganz prima mit einem helleren Grün die Nadelbäume malen – und voila! Fertig ist das Bild!

Du hast Fehler. Ich auch. Jeder Mensch. Dabei ist ganz wichtig: Keiner von uns ist wertlos, weil er Fehler hat – wie eine zu große Kartoffel oder eine zu krumme Banane für einen Supermarkt. Gott liebt uns trotz unseren Fehlern und deshalb hat Er Seinen Sohn Jesus für uns gegeben:

Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.

Johannes 3,16 (HfA)

Es ist im Prinzip ganz einfach: Die Sünde trennt uns von Gott und Jesus überwindet durch Seinen Opfertod am Kreuz diese Trennung. Unser Beitrag dazu ist nur der: Daran zu glauben und mit Jesus Christus unser Leben zu leben.

Soviel für heute. In unserem Leben hilft uns Jesus frei von Schuld zu werden, bei mir hilft nach dem Maltrip nur noch ein Bad in Aceton…

Psalm 51,4-14 (der vierte Bußpsalm Davids)

Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde;
denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.
An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest.
Siehe, in Schuld bin ich geboren, und meine Mutter hat mich in Sünde empfangen.
Siehe, du liebst Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.
Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich weißer werde als Schnee.
Lass mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.
Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden, und tilge alle meine Missetat.
Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. 

Ein kleines Schmankerl zum Schluss

Vom ganzen Team von SalzUndLicht: Vielen Dank für’s zuschauen. Wir wünschen Dir eine gute Zeit und viel Spaß beim Malen. Gott segne Dich, mein Freund!

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