Verwurzelt im Boden (Fest verwurzelt I)

Was braucht ein Mensch, damit er im Leben nicht bei jedem Sturm umkippt? Was gibt uns Halt, wenn es schwierig wird, wenn Menschen uns enttäuschen, Pläne scheitern oder wir selbst nicht mehr weiterwissen? Vielleicht lohnt sich dafür ein Blick unter die Oberfläche – dorthin, wo man zunächst gar nichts sieht: zu den Wurzeln.

Ein Baum steht nicht einfach deshalb fest, weil sein Stamm dick und seine Krone beeindruckend ist. Entscheidend ist, was unter der Erde geschieht. Auch unser Leben hat solche unsichtbaren Bereiche, die bestimmen, wie wir wachsen, woraus wir Kraft schöpfen und ob wir in schwierigen Zeiten standhalten können.

Was bedeutet es also, fest verwurzelt zu leben? Und was hat das alles mit einem „radikalen“ Christsein zu tun? Eine Reise zu den Wurzeln lohnt sich – denn vielleicht entdecken wir dabei nicht nur etwas über Bäume, sondern auch über uns selbst.

In den nächsten Wochen nehme ich dich mit auf eine Reise ins Wurzelreich.

Sei ein radikaler Christ!

Naja. Ehrlich gesagt, würde ich jetzt auch lieber hier bleiben… aber trotzdem will ich radikal sein. Und zwar nicht im Sinne von extrem oder verankert in religiösem Fanatismus, sondern im ursprünglichen Wortsinn: Das Wort radikal kommt vom lateinischen radix = Wurzel. „Radikal“ bedeutet also schlicht: „an die Wurzel gehend“.

Wenn wir das auf den Glauben übertragen, könnte man sagen:

Ein radikaler Christ ist nicht unbedingt der, der am lautesten oder extremsten auftritt. Es ist der, dessen Leben tief verwurzelt in Gott ist.

An die Kolosser schreibt Paulus (Kolosser 2,6–7):

Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt bleiben, und nur er soll das Fundament eures Lebens sein. Haltet fest an dem Glauben, den man euch lehrte. Für das, was Gott euch geschenkt hat, könnt ihr ihm gar nicht genug danken.

Kolosser 2,6–7 (HfA)

Ein Baum besteht aus verschiedenen Teilen wie dem Stamm, Blättern, Ästen, Zweigen, Blüten, Rinder, oder Wurzeln. Jeder dieser Teile hat verschiedene Funktionen und ist wichtig. Doch den wichtigsten Teil sieht man nicht: Die Wurzel. Sie ist die Basis des Baumes – ohne sie kein Baum, überhaupt  keine Pflanze. Genauso braucht unser Leben eine Basis – eben Wurzeln. Und um die geht es die nächsten Wochen. Was tun sie? Worin sind sie festgemacht? Wie bildest du Wurzeln aus? Wie pflegst du sie und was tust du besser nicht?

Wir brauchen starke Wurzeln

Warum? Nur starke Wurzeln geben einen guten Halt und Standhaftigkeit im Sturm, bringen viele Früchte, ermöglichen gutes Wachstum. Wurzeln versorgen den Baum mit Nährstoffen, speichern Kraft für Notzeiten, bringen das Wasser in den Stamm. Im Winter wird dort das Chlorophyll, das Blattgrün, eingelagert. Wurzeln können sogar mit z.B. anderen Bäumen oder Pilzen auf chemische Art und Weise kommunizieren. Ich meine jetzt nicht was Esoterisches oder die Göttin Eywa im Film Avatar.

Das ist unser Apfelbaum – er ist beim letzten Sturm gefallen und wenn du dir das Foto genau anschaust, siehst du, dass der Wurzelstock für den Baum viel zu klein ist und ihm unmöglich guten Halt geben kann – er hatte wenig starke Wurzeln, aber viele feine, denn gute Früchte hat er getragen.

Worin bist Du verwurzelt?

Genauso wichtig wie DASS du verwurzelt bist, ist, in WAS du verwurzelt bist. Ihr kennt sicherlich alle das Gleichnis vom Sämann aus Matthäus 13. Ein Bauer sät aus und die Saat fällt auf verschiedene Untergründe/ Böden.

🌱 Vier Böden – vier Reaktionen

🛤️ Der Weg → Die Saat wird sofort von den Vögeln aufgepickt.

🪨 Der felsige Boden → Die Saat geht schnell auf, hat aber keine tiefen Wurzeln und verdorrt.

🌿 Das Dornengestrüpp → Die Saat wird überwuchert und erstickt.

🌾 Der fruchtbare Boden → Die Saat wächst und bringt reiche Frucht: 30-, 60- oder 100-fach.

Welche Art Boden ist es, in der du wurzelst? Ist es Humus, Sand, Stein, Straße, Sumpf, am Fluss, …

Von diesem Boden hängt zudem ab, WAS du zu dir nimmst: Sind es gute Nährstoffe, die dich stark machen und wachsen lassen oder Fast Food, das dich schwächt oder wurzelst du sogar in einer Müllkippe und saugst Gift durch deine Wurzeln?

Oder wenn wir Psalm 1,3 anschauen:

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl.

Das heißt, Du brauchst auch den richtigen Ort zum Verwurzelt sein. Wo ist aktuell dein Platz? In einer Stadt, auf dem Land, in Bergen oder im Tal, oder stehst du in der Wüste – wenn, dann hoffentlich bei einer Oase.

Verwurzelt in schlechten Böden

Der Boden entscheidet, was du täglich aufnimmst. Was dich umgibt, beeinflusst dich. Was sind schlechte Böden – also die Felsen oder Müllkippen in unserem Leben? Das können sein:

Ungesunde Beziehungen

Ungesunde Beziehungen, die dich unendlich Kraft kosten, die an dir zehren und in denen du nur geben musst. Gut, manchmal hast du genau die Aufgabe von Gott, diesen bestimmten Menschen zu begleiten – Will Gott, dass ich diese Person liebe und trage? Wenn ja, bitte Gott um die nötige Kraft.

Ungesunde Abhängigkeiten von Menschen

Ungesunde Abhängigkeiten von Menschen, von denen du nicht loskommst, d.h. wenn du eifersüchtig wirst, nur weil jemand anderes mit deinem Ehepartner spricht. Du musst für dich klären, woher das kommt. Oder wenn du dich wertlos fühlst, weil ein bestimmter Mensch dich ablehnt oder dein ganzer Lebenssinn an einem Menschen hängt. Das ist nicht gut. Menschen werden dich immer wieder enttäuschen. Mach dich nicht von der Zuneigung anderer abhängig. Menschen können dich enttäuschen – Gott ist dein Fundament.

Ungesunde Abhängigkeiten von Dingen

Ungesunde Abhängigkeiten von allen möglichen Arten von Suchtmitteln wie Drogen, Alkohol, zu viel Arbeit, Smartphone, Social Media, Essen – zu viel oder Junk-Food/ Süßigkeiten in sich hineinstopfen, Sexualität, – es gibt vieles mehr. Einfacher Test, ob du abhängig bist: Versuche mal zwei Tage ohne dein „Suchtmittel“ auszukommen oder überlege, was du öfters berührst: dein Smartphone oder deinen Ehepartner…

Ungesundes Verhältnis zu materiellen Dingen

Ungesundes Verhältnis zu materiellen Dingen: Arbeitest du nur? Hortest du dein Geld? Kannst du großzügig sein? Bist du neidisch auf den Besitz oder die Talente anderer? Wem dienst du? Gott oder dem Mammon? Materielle Dinge sind kein guter Boden – sie sind vergänglich! Sammle Schätze im Himmel statt auf der Erde – das sagt Jesus schon in Matthäus 6,19+20(HfA): »Häuft in dieser Welt keine Reichtümer an! Sie werden nur von Motten und Rost zerfressen oder von Einbrechern gestohlen! Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, die unvergänglich sind und die kein Dieb mitnehmen kann.

Ungesunde Umgebungen

Ungesunde Umgebungen beeinflussen dich: Es gibt negative Prägungen, die tief in der Gesellschaft verwurzelt sind. Ich denke zum Beispiel an den Rassenhass im Süden der Vereinigten Staaten, der auch heute noch Thema ist. Wie sieht es bei dir mit Vorurteilen gegenüber anders denkenden Menschen aus? Gegenüber Christen anderer Konfessionen? Wir wachsen alle nicht alleine auf, sondern in einem bestimmten Umfeld, das Einfluss auf uns nehmen will. Manche Umfelder wählen wir selbst: Als Christ bei den Hell’s Angels mitmachen oder Chef einer Einbrecherbande zu sein, ist eher fragwürdig. In welchen Gruppen bist du unterwegs? Betrinkt ihr euch jedes Wochenende? Wie wird in der Gruppe geredet – wird nur gelästert oder negativ gesprochen? Ist man ehrlich zueinander? Welchen Stellenwert hat Gott? Ich will damit nicht sagen, dass man jede Gruppe verlassen soll, die „nicht christlich genug“ ist. Nein. Manchmal stellt uns Gott an solche Plätze, um Salz und Licht zu sein – nur sollten wir aufpassen, dass wir uns nicht der Welt anpassen, sondern ein Licht bleiben. Präge die Umgebung – lass dich nicht von ihr prägen.

Verwurzelt in guten Böden

Gibt es gute Böden? Natürlich!

Verwurzelt in Gott

Der besten Boden von allen ist Gott. Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Gott versorgt uns. Mach dich abhängig von Gott. In positiver Weise  – Seiner Liebe, Seiner Gnade, Seiner Versorgung. Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen. (Matthäus 6,33) Das ist kein leeres Versprechen von Gott. Das ist eine Verheißung, auf die du dich täglich berufen darfst! Du bist in der Wahrheit verwurzelt, die sich nicht dem Zeitgeist beugen muss, sondern Gottes Wort steht für immer fest. Egal, was Menschen tun und denken. Gott ist der Urgrund für absolut alles!

Verwurzelt in der Zukunft

Verwurzle dich in der Zukunft. Denn: Spätestens wenn dein Leben – oder die Welt – zu Ende geht, bist du im besten Boden, den es jemals geben kann. Lebe in der Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott. Vertraue Ihm, dass Er dich ans Ziel bringt. Das gibt Mut und Zuversicht, auch wenn es in der Welt manchmal echt übel zugeht oder dein Leben ein Scherbenhaufen ist. Gott wird das in Ordnung bringen!  Verwurzelt in der Zukunft kann auch heißen, fest damit zu rechnen, dass Jesus wiederkommt – wir sollen ja immer bereit sein (wie im Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen). Im Philipperbrief steht: „Ich bin ganz sicher, dass Gott sein gutes Werk, das er bei euch begonnen hat, auch vollenden wird, bis Jesus Christus wiederkommt.“ (Philipper 1,6 HfA). Da stecken beide Aspekte drin.

Verwurzelt in Gottes Reich

Verwurzeln in Gottes Reich – Suche die Nähe zu deinen Glaubensgeschwistern – gemeinsam werden wir – um im Bild zu bleiben – ein Wald. Die Beziehungen unter Christen sollen der Ermutigung und der Stärkung im Glauben dienen. Sie geben Mut, wenn wir zweifeln und Hoffnung, wenn wir nicht mehr weiter wissen. „So ermutigt und tröstet einander“ (1. Thessalonicher 5,11a)

Verwurzelt in im Leben

Gute Böden können auch gute, tiefe Freundschaften sein, die liebevolle Familie, gute Kollegen, vielleicht Menschen mit den gleichen Hobbies, die Großartigkeit von Gottes Schöpfung, das Leben zu genießen (auch Christen dürfen das!). Kurz: Dinge, die uns gut tun.

Frage dich: Woraus lebe ich? Was sind meine Böden?

Nächstes Mal (ab 11.10.2026 online) geht’s um die Wurzeln und wie sie wachsen.

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