Echtes Fasten

Mehr als Verzicht

Wir befinden uns mitten in der Fastenzeit. Christen fasten sehr traditionell in der Zeit von Aschermittwoch bis Ostern. Oft wird auf Fleisch und Alkohol verzichtet. Fasten ist keine Erfindung der Neuzeit. In der Bibel gibt es etliche Stellen, in denen erzählt wird, wie und warum Menschen fasten. Es geht nicht nur um Verzicht, sondern es hat immer eine „geistliche“ Komponente – sprich: Das Fasten soll dazu dienen Gott näher zu kommen und für etwas Bestimmtes im Gebet einzutreten. Jesus selbst hat vor „Dienstantritt“ 40 Tage lang gefastet.

An Heilig Abend 2019 hatte ich für die Kinder einen Film auf Youtube ausgesucht – „Zwei Euro für den Weihnachtsmann“ – der mich sehr nachdenklich gemacht hat. Am Ende wird ein Vers aus Jesaja 58 genannt, den ich im Zusammenhang lesen wollte. Die Überschrift des Kapitels in der Lutherbibel lautet „Vom falschen und rechten Fasten“:

Ach, für wie fromm sie sich doch halten! Sie rufen Tag für Tag nach mir und fragen nach meinem Willen. Sie kommen gern zum Tempel gelaufen, um meine Nähe zu suchen. Weil sie sich einbilden, nach meinen Geboten zu leben, darum fordern sie von mir auch ihre wohlverdienten Rechte.
›Warum siehst du es nicht, wenn wir fasten?‹, werfen sie mir vor. ›Wir plagen uns, aber du scheinst es nicht einmal zu merken!‹ Darauf antworte ich: Wie verbringt ihr denn eure Fastentage? Ihr geht wie gewöhnlich euren Geschäften nach und treibt eure Arbeiter genauso an wie sonst auch.
Ihr fastet zwar, aber gleichzeitig zankt und streitet ihr und schlagt mit roher Faust zu. Wenn das ein Fasten sein soll, dann höre ich eure Gebete nicht!
Denkt ihr, mir einen Gefallen zu tun, wenn ihr bloß auf Essen und Trinken verzichtet, den Kopf hängen lasst und euch in Trauergewändern in die Asche setzt? Nennt ihr so etwas ›Fasten‹? Ist das ein Tag, an dem ich, der HERR, Freude habe?

Jesaja 58, 2-5 (HfA)

Eigentlich muss ich dazu nicht mehr viel sagen – Gott lässt via Jesaja sehr klare Worte an das Volk über dessen Einstellung zum Fasten ausrichten. Scheinheilig auf Essen verzichten, schön fromm beten, aber sobald der Tempel verlassen wird, wird gestritten, ist wieder normaler Alltag gefüllt mit den normalen Tätigkeiten. Trotzdem wird von Gott gefordert, dass Er doch bitte endlich die Gebete erhören möge. Doch diese Heuchlei hat Konsequenzen, sagt Gott: Dann höre ich eure Gebete nicht! Gott will eigentlich Freude an unserem Fasten haben!

Frage an Dich: Mit welcher Einstellung fastest DU?

Gott bleibt nicht beim Tadeln, sondern Er sagt genau, wie Er es gerne hätte:

Nein – ein Fasten, das mir gefällt, sieht anders aus: Löst die Fesseln der Menschen, die man zu Unrecht gefangen hält, befreit sie vom drückenden Joch der Sklaverei und gebt ihnen ihre Freiheit wieder! Schafft jede Art von Unterdrückung ab!
Teilt euer Brot mit den Hungrigen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!

Jesaja 58,6+7 (HfA)

Ja, es geht darum, dass Verzicht geübt wird. Ja, es geht um Gebet. Aber nicht nur: Wir sollen Frieden halten. Wir sollen aktiv Umstände für Menschen ändern, denen es schlecht geht. Wir sollen praktisch helfen und nicht nur fromm tun. Wo wir es können und den entsprechenden Einfluss haben, sollen wir uns für andere Menschen einsetzen. Mit offenen Augen und offenem Herzen. Im christlichen Glauben geht es nicht immer nur um mich, sondern um Gott und meinen Nächsten.

Tipps zum Fasten

  • Lies das ganze Kapitel Jesaja 58. Denk drüber nach.
  • Halte Frieden. Schaffe Streitigkeiten aus der Welt. Wem musst Du noch vergeben – tue es heute noch!
  • Denke über Deine Einstellung nach. Was willst Du ändern? Lass Dir von Jesus helfen.
  • Überlege Dir, wem Du ganz praktisch helfen kannst. Spenden ist gut, aber relativ einfach. Welche Deiner Gaben könnte jemanden helfen? Wem kannst Du Zeit schenken, indem Du etwas für ihn tust?
  • Überlege Dir konkrete Gebetsanliegen für Deine Fastenzeit. Welche Situationen, welche Menschen brauchen Dein Gebet?
  • Bete! Tritt vor Gott für Deine Anliegen und andere Menschen ein! Wir Christen sind Priester vor dem Thron Gottes.
  • Sei dankbar!

Gott lässt sich nicht lumpen!

Dieses echte Fasten bleibt nicht unbelohnt. Gott verspricht:

Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne, und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor euch her, und meine Herrlichkeit beschließt euren Zug.
Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: ›Ja, hier bin ich.‹

Jesaja 58,8+9a

Sei gesegnet!


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