Psalm 10: Wirkt Gott?

Mann sitzt in einem Fenster und blickt nachdenklich auf das Meer

HERR, warum stehst du so ferne, verbirgst dich zur Zeit der Not? Weil der Frevler Übermut treibt, müssen die Elenden leiden; sie werden gefangen in den Ränken, die er ersann. 

Psalm 10,1-2 (LU17)

Warum schweigt Gott?

Fragst du dich manchmal auch, warum es in der Welt so zugeht, wie es zugeht? Warum sind Menschen an der Macht, die andere unterdrücken? Warum gibt es Kinderhandel und Zwangsprostitution? Haben die Reichen nicht schon genug Geld und warum gibt es so viele Menschen, die in Armut leben? Warum kann über Gott und Jesus gespottet werden, ohne dass ein Blitz vom Himmel fährt? Warum scheint es immer weniger Glauben an Gott in Mitteleuropa zu geben? Wie können Boko Haram und andere ungestraft gegen Christen vorgehen, Kirchen niederbrennen, Kinder entführen oder gar ermorden? Warum gibt es Raubüberfälle, Vergewaltigungen und Morde? Warum geht es „bösen“ Menschen gut und die „guten“ sind die Opfer? Warum kommen Staaten oder Menschen bei offensichtlichen Verbrechen ungeschoren davon?

Warum greift Gott hier nicht ein?!?

Diese Fragen stelle ich mir immer wieder. Mir ist klar, dass wir in einer gefallenen, sündigen Welt leben und Satan hier Macht hat. Das ist einfach so. Es ist aber keine befriedigende Antwort. Manchmal sehne ich mich danach, dass Gott eingreift, ein für alle sichtbares „Donnerwetter“ loslässt und eine ungerechte Situation bereinigt.

Gibt es Antworten für Gottes Schweigen?

Geht’s dir manchmal auch so? Dann sind wir beide in bester Gesellschaft – David, der Schreiber von Psalm 10, fragt sich das gleiche:

Warum, HERR, bist du so weit weg? Warum verbirgst du dich, wenn wir dich am nötigsten brauchen?
Gottlose Menschen schrecken vor nichts zurück. Auf den Schwachen und Hilflosen machen sie Jagd und bringen ihn mit ihren hinterlistigen Plänen zur Strecke.
Diese Gauner sind auch noch stolz auf ihre habgierigen Wünsche. Doch für Gott haben sie nichts übrig, mit wüsten Sprüchen ziehen sie über ihn her.
Hochnäsig behaupten sie: »Gott kümmert es nicht, was wir tun.« Ja, sie meinen: »Es gibt überhaupt keinen Gott!«
Noch geht ihnen alles nach Wunsch. Dass du Gericht halten wirst, lässt sie kalt. Sie verhöhnen alle, die sich ihnen in den Weg stellen.
»Uns haut nichts um!«, bilden sie sich ein. »Kein Unglück hat uns je getroffen, und daran wird sich auch nichts ändern!«
Sobald sie den Mund aufmachen, fluchen, lügen und erpressen sie. Wie viel Unheil und Verderben richten sie an!
In der Nähe der Dörfer liegen sie im Hinterhalt und lauern ihren hilflosen Opfern auf. Im Versteck bringen sie die Unschuldigen um.
Wie Löwen im Dickicht liegen sie auf der Lauer, um wehrlose Menschen zu überfallen und fortzuschleifen.
Sie stürzen sich auf ihre Opfer und schlagen sie brutal zusammen.
»Was wir tun, interessiert Gott gar nicht«, reden sie sich ein. »Er ist blind für das, was geschieht, und hat dazu noch ein schlechtes Gedächtnis!«

Psalm 10,1-11 (HfA)

Davids Antwort – er geht zu Gott

Eine Antwort auf die bohrenden Fragen hat David auch nicht. Aber er zeigt einen möglichen Umgang damit auf – er bittet Gott um Hilfe:

Greif doch ein, HERR! Lass dir das nicht bieten! Vergiss die Hilflosen nicht! Warum lässt du es zu, dass solche Schurken deine Ehre in den Schmutz ziehen? Warum dürfen sie sich einbilden, dass du sie nie zur Rechenschaft ziehen wirst? Nein, du verschließt deine Augen nicht vor der Not und siehst dem Unrecht nicht tatenlos zu. Die Wehrlosen können sich dir anvertrauen, den Waisen kommst du zu Hilfe. Zerbrich die Macht der Gottlosen! Bestrafe sie für ihre Bosheit, damit sie nicht weiter Unheil anrichten!

Psalm 10,12-15 (HfA)

David kommt damit zu Gott, denn er weiß, dass Gott alles hört. Er weiß, dass Gott auf Gebet antwortet. Er rechnet mit Gott und Seinem Eingreifen.

Er muss „nur“ durchhalten und Gott vertrauen und weil er aus seiner Lebenserfahrung weiß, dass Gott vertrauenswürdig ist und für ihn sorgt, wird aus der Klage und der Bitte ein Lob Gottes:

Der HERR ist König für immer und ewig! Die gottlosen Völker müssen aus seinem Land verschwinden. Die Hilflosen bestürmen dich mit ihren Bitten. Du, HERR, hörst ihr Rufen und schenkst ihnen neuen Mut. Du sorgst für das Recht der Unterdrückten und Waisen, jeder Gewaltherrschaft auf Erden machst du ein Ende. 

Psalm 10,16-18 (HfA)

Lass dich auf Gott ein

Ein wichtiger Punkt ist, dass wir uns auf Gott einlassen und Ihm vertrauen, dass wir unsere Augen und unser Herz auf Ihn richten – denn dadurch erleben wir Sein eingreifen und das wiederum stärkt unseren Glauben.

Dieses Muster von der Klage über die Bitte an Gott zum Lob Gottes finden wir in vielen Psalmen. Das ist sicher kein Zufall und ein möglicher Weg für uns, dasselbe zu tun.

Warum toben die Heiden (Apostelgeschichte 4,25)

Man fragt sich, wie Gott mit allen, die absichtlich gegen Seinen Willen handeln und andere Menschen in welcher Form auch immer misshandeln, umgeht. Er wird sich darum kümmern – jeder wird für seine Taten geradestehen und bezahlen müssen. Auch alle, die meinen, Gott gäbe es nicht oder Er sei nicht mächtig genug oder Er würde sich nicht kümmern:

Meint nur nicht, ihr könntet euch über Gott lustig machen! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.

Galater 6,7 (HfA)

Vielen ist das vielleicht egal – leider und ich hoffe und bete, dass viele Menschen noch erkennen, dass Gott real ist.

Auch wenn viele sich nicht dem Gott der Bibel unterordnen (wollen), so haben sie ihre eigenen Götter, für die sie (fast) alles tun: Reichtum, Karriere, Macht, Sex, Gesundheit, Medienkonsum, Genusssucht, … um nur ein paar zu nennen. Viele dienen diesen Göttern unbewusst, doch sie dienen ihnen. Wenn wir selbst nicht bewusst nachdenken und handeln, können diese Dinge auch für gläubige Menschen zum Götzen werden.

Vertrauen gewinnen

Dadurch, dass David sich bewusst macht, dass Gott zum einen alle Fäden in der Hand hält und er weiß, dass jeder am Ende der Zeiten vor Gottes Richterstuhl stehen wird, schafft er es, dass er Gott sogar loben kann. Obwohl David in einer schlimmen Situation steckt.

Das ist etwas, was ich von ihm lernen möchte: Gott die Ehre zu geben, auch wenn nicht alles angenehm ist und glatt läuft. Ich glaube, das ändert meine Perspektive auf die Situation und da ich weiß, dass Gott alles in Seiner Hand hat, ist immer Hoffnung da.

Vertraue auf den Herrn, das ist das Einzige, was hilft – auch wenn es nicht unbedingt immer so aussieht, als ob Gott handeln würde: Er tut es!

Zum Beispiel finde ich diese Zeilen aus dem Lied „Waymaker“ von Sinach (gesungen von Michael W. Smith, Leeland, …) sehr ermutigend (kompletter Text auf Songtexte.com):

And even when I don’t see it, You’re working
Even when I don’t feel it, You’re working
You never stop, You never stop working

Und auch wenn ich es nicht sehe, handelst Du
Auch wenn ich es nicht fühle, Du bist am Werk
Du hörst nie auf, Du hörst nie auf zu wirken

Gott wirkt im Hintergrund – diese spannende Story steht in Daniel 10 – ein Ausschnitt (Verse 12 und 13):

»Hab keine Angst!«, ermutigte er mich. »Du wolltest gern erkennen, was Gott tun will, und hast dich vor ihm gedemütigt. Schon an dem Tag, als du anfingst zu beten, hat er dich erhört. Darum bin ich nun zu dir gekommen. Aber der Engelfürst des Perserreichs stellte sich mir entgegen und hielt mich einundzwanzig Tage lang auf. Doch dann kam mir Michael zu Hilfe, einer der höchsten Engelfürsten. Ihm konnte ich den Kampf gegen den Engelfürsten der Perser überlassen.

Daniel 10,12-13 (HfA)

Es passiert was – immer und zu jeder Zeit, denn „Der Hüter Israels schläft nicht„. (Psalm 121,4)

Vielen Dank für’s Lesen und Gottes Segen!

Kommentar verfassen

Bloggerei.de

Entdecke mehr von Salz und Licht

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen