Demut

Stolz und Vorurteil…äh… Demut

Demut ist ein eher unmodernes Wort, oder? Eigentlich sind wir oft damit beschäftigt, vorne mit dabei zu sein und uns in den sozialen Medien gut zu präsentieren. Wir bekommen gesagt, dass wir Rechte haben und auf diese beharren und sie mit allen Mitteln durchsetzen sollen. „Steh zu dir!“ „Du bist etwas wert!“. Manche Communities feiern einen ganzen Monat lang den Stolz („pride month“). Sei stolz auf das, was du bist und was du erreicht hast. Wieso sollten man demütig sein und sich unterbuttern lassen? Ich bin wichtig! Ich liege richtig! Yes, I can! Wir streben danach, immer schneller und besser zu werden. Neue Rekorde! „Du musst etwas Besonderes aus deinem Leben machen!“

Halt. Stop! Da ist jetzt ganz viel durcheinander… Was sind Demut und Stolz überhaupt? Und was nicht? Was sagt Gott dazu und welche Konsequenzen ziehen wir für unser Leben draus?

Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema „Demut“ und in zwei Wochen wagen wir uns an den „Stolz“ ran… das kann was werden.

Was ist eigentlich Demut?

Demut wird oft mit „Bescheidenheit“ in Verbindung gebracht. Manchmal auch mit „Selbsterniedrigung“ oder „Unterwürfigkeit„. Die beiden letzten hören sich nicht so toll an. Okay. Was ist davon richtig?

Geht man an den Wortursprung zurück, kommt etwas Licht ins Dunkel: Laut Wikipedia kommt der Ausdruck Demut von althochdeutsch diomuoti mit den Bedeutungen demütig, untertan, dienstwillig; in etwa Gesinnung eines Dienenden, Gemüt eines Dieners. Der Sinn von diomuoti lässt sich aus dionōn (dio = Knecht) und mout (=Sinn, Seele, Gemüt) ableiten. Nach Siegbert A. Warwitz (dt. Germanist und eine Art Verhaltensforscher) kann Demut als eine Variante der Charaktereigenschaft Mut verstanden werden: als „Mut zum Dienen“ oder als die „Bereitschaft zur Unterordnung“. So. Genug Germanistik für heute 😊.

Im Kontext des Glaubens bezeichnet Demut die Haltung des Geschöpfes zum Schöpfer, ähnlich wie das Verhältnis zwischen Knecht und Herr. Das Geschöpf ist sich bewusst, dass es weit unter der Vollkommenheit des Schöpfers steht und akzeptiert dies allerdings auch – es gibt etwas Höheres und Größeres als einen selbst. Demut ist die realistische Selbsteinschätzung des Menschen in seiner Position in der Welt: Der Mensch erkennt, dass er im Vergleich mit der Größe Gottes klein ist, aber gleichzeitig würdig und wertvoll als Gottes Geschöpf und Sein Kind. Es ist also nicht ein Sich-klein-Machnen, sondern sozusagen eine Art aufrechte Unterordnung.

Nach dem britischen Rabbi Jonathan Sacks schließt Demut eine Wertschätzung von sich selbst, der eigenen Talente, Fähigkeiten und Tugenden ein. Ebenso eine Wertschätzung anderer Menschen und Offenheit gegenüber der Welt.

Mit Demut ist keineswegs eine Demütigung, also eine Herabwürdigung, durch Worte oder Handlungen anderer Menschen gemeint. Demut ist immer freiwillig. Sie ist im Charakter erankert. Wir haben Würde, weil wir Menschen sind – und Gottes Kinder!

Was will Gott im Bezug auf Demut von uns?

Eigentlich ganz einfach – Gott möchte, dass wir demütig sind. In der Bibel, Gottes Wort, werden wir oft zu einem demütigen Leben aufgefordert (anscheinend kennt die Bibel die Menschen recht gut und weiß, dass wir manche Sachen wohl öfters hören müssen 😉).

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. 

Micha 6,8 (LU17)

Ihr anderen aber, die ihr dem HERRN dient und nach seinen Geboten lebt: Bleibt bei ihm und strebt nach Gerechtigkeit und Demut!

Zefanja 2,3a (HfA)

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. 

Philipper 2,3-4 (LU17)

Konsequenzen einer demütigen Lebenseinstellung

Warum sollte ich demütig sein? Das ist vielleicht die Frage, die du dir stellst. Weil du nicht alleine auf der Welt bist. Weil jeder andere Mensch genauso viel Wert ist. Weil Gott unendlich größer ist wie du. Weil die Welt ein Stückchen besser wäre, wenn jeder sich etwas zurücknehmen würde.

Die Bibel spricht von Konsequenzen einer demütigen Einstellung:

Vor dem Sturz ist das Herz eines Mannes stolz; und ehe man zu Ehren kommt, muss man demütig sein.

Sprüche 18,12

Einer der bekanntesten Sprüche zum Thema ist wohl „Hochmut kommt vor dem Fall“. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. In der Wirtschaftswelt gibt es die Bezeichnung für große Konzerne: „too big to fail“. Zu groß, um zu versagen. Doch trotzdem müssen auch größere Konzerne immer wieder ihre Türen schließen. Oder vielleicht kennst du es aus deinem Alltag: „Ist doch kein Problem, über diesen Pfahl zu springen. Ich zeig euch, wie’s geht!“ und du liegst gekrümmt auf dem Boden… so oder so ähnliches kennt glaub ich jeder.

Bei Gott ist das anders:

Beugt euch vor dem Herrn! Dann wird er euch aufrichten. 

Jakobus 4,10 (HfA)

Wenn du weißt, wo dein Platz ist, wenn du dir bewusst bist, dass du nicht besser – oder schlechter – wie andere Menschen bist und du, bildlich gesprochen, vor Gott niederkniest, dann wird er dich an den Platz an seiner Seite setzen (später dazu mehr).

Wer Ehrfurcht vor dem HERRN hat, erlangt Weisheit; bevor man zu Ehren kommt, muss man Bescheidenheit [Demut, Anm. d.A.] lernen.

Sprüche 15,33 (HfA)

Weisheit ist eine Konsequenz der Demut, denn wenn ich weiß, dass von Gott alles kommt, dann werde ich automatisch bescheiden. Gott gibt uns die Weisheit gerne (Jakobus 1,5)!

Wer Ehrfurcht vor dem HERRN hat und ihm gehorcht, der empfängt Reichtum, Anerkennung und Leben.

Sprüche 22,4 (HfA)

Martin Luther hat es so ausgedrückt:

Der Lohn der Demut und der Furcht des HERRN ist Reichtum, Ehre und Leben.

Sprüche 22,4 (LU17)

Ein starkes Versprechen! Die Krux an der Sache ist, dass es in der Theorie nicht so funktioniert. Man muss es leben und in der Praxis umsetzen. Und Gott vertrauen, dass Er seine Versprechen einhält.

Beispiele für ein demütiges Leben

Mose

Der Mann Mose war sehr demütig, mehr als alle Menschen auf Erden.

4.Mose 12,3

Diesen Satz finde ich extrem spannend. Denn Mose kenne ich als Ziehsohn des Pharaos, als den, der das Volk Israel 40 Jahre lang führt, mit Gott direkt spricht und die nagelneuen Gesetzestafeln auf den Boden schmettert. Er tritt vor den Pharao und fordert, das Volk ziehen zu lassen und vollbringt Wunder. Er tötet einen ägyptischen Sklavenaufseher. Und doch ist er demütig? Wie passt das zusammen?!??!

Mose lebte in enger Verbindung mit Gott. Von der Berufung beim brennenden Dornbusch (2.Mose 3,1-22) bis zu seinem Tod kurz vor dem Einzug ins gelobte Land. Mose durfte sogar mit Gott direkt sprechen und verhandelte mehrmals um das Überleben des Volkes Israel. Wobei Mose niemals vergaß, wer Gott ist und er war Gott gehorsam. Mose war klar, dass er ohne Ihn niemals die Israeliten führen konnte. Und er stürzte tief: Vom „Prinz von Ägypten“ zu einem flüchtigen Mörder führt sein Lebensweg und lange Zeit tauchte er bei seinem Schwiegervater in einem fremden Land unter.

Jesus

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 

Matthäus 11,29 (LU17)

Bei Jesus kann man sich’s schon eher vorstellen, dass Er demütig war. Er lebte in engster Verbindung mit und in absoluter Abhängigkeit von Seinem Vater im Himmel und zog sich oft zum Gebet zurück. Jesus hatte sich komplett dem Willen Gottes untergeordnet, auch wenn das Seinen Tod bedeutete (das war ja noch nicht das Ende). Er war freundlich zu den Menschen, weise, gab Gott die Ehre und war sehr geduldig. Im Garten Gethsemane ließ Er sich bereitwillig gefangennehmen und ertrug die Folterung und den Spott durch die Obrigkeit. Er gab alles für Gott.

Aber: Jesus war kein Weichei! Er hat sich den Pharisäern und Schriftgelehrten, die Ihm feindlich gegenüberstanden, gestellt, gab Gottes Willen furchtlos weiter und scheute keine Konflikte. Vor allem ist Er FREIWILLIG ans Kreuz gegangen – Er hätte jederzeit der Geschichte ein Ende machen können. Hat es aber nicht…

Wie kann man im Alltag demütig handeln?

Denn nur durch seine unverdiente Güte seid ihr vom Tod gerettet worden. Das ist geschehen, weil ihr an Jesus Christus glaubt. Es ist ein Geschenk Gottes und nicht euer eigenes Werk. Durch eigene Leistungen kann ein Mensch nichts dazu beitragen. Deshalb kann sich niemand etwas auf seine guten Taten einbilden. Was wir jetzt sind, ist allein Gottes Werk. Er hat uns durch Jesus Christus neu geschaffen, um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nun, was Gott schon im Voraus für uns vorbereitet hat.

Epheser 2,8-10 (HfA)

Desgleichen ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander bekleidet euch mit Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

1.Petrus 5,5 (LU17)

Wenn du diese Verse verstanden und verinnerlicht hast, hast du bereits den Schlüssel zur Demut: die komplette Unterordnung unter Gott und das Bewusstsein, dass du abhängig von Ihm bist und alles Gute von Ihm kommt. Sogar das Unterordnen unter andere Menschen gehört dazu. Ziemlich krass und nicht mehr wirklich zeitgemäß… Es braucht schon eine enge Verbindung zu Gott, die durch den Heiligen Geist möglich ist, damit das funktioniert.

Jesus erzählte einmal aus gegebenem Anlass ein Gleichnis von einer Hochzeitsfeier (Lukas 14,7-14). Wenn man sich selbst an den Ehrenplatz neben dem Brautpaar drängt, könnte später jemand kommen, der noch ansgesehener ist, als man selbst. Der Gastgeber wird einen an einen anderen Platz bringen – das ist unglaublich peinlich. Lieber ist man bescheiden und setzt sich ans untere Ende der Tafel. Und wenn man dann nach vorne gebeten wird, wird man vor allen Gästen geehrt.

Jeder, der sich selbst ehrt, wird gedemütigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird geehrt werden.«

Lukas 14,11 (HfA)

Praxistipps

  • Versuche eine dienende Haltung einzuüben. Nicht als Duckmäuser, sondern als Mensch, der seinen Mitmenschen Gutes tun möchte. Geh die Extrameile (Matthäus 5,41-44).
  • Achte andere Menschen, respektiere ihre Meinungen und nimm sie als Geschöpfe Gottes wahr (Philipper 2,3-4)
  • Gib nicht an (Lukas 18,9-14).
  • Lebe in Abhängigkeit von Gott (Johannes 15,4-5).
  • Nimm dich selbst nicht zu wichtig und dränge nicht immer an die vorderste Front (siehe das Gleichnis aus Lukas 14,7-14).
  • Sei dir immer bewusst, von WEM alles kommt: von Gott! (Jakobus 1,17)
  • Gib Gott die Ehre, die Ihm gebührt (1.Chronik 16,28, Sprüche 3,9, Galater 1,5, u.v.m.).
  • Du musst dich nicht kleinreden und dich als Nichtskönner sehen. Im Gegenteil: Gott hat dich – und jeden anderen Menschen – mit Gaben ausgestattet, die wir nutzen sollen (Matthäus 25,14-30). Der eine hat etwas mehr, der andere etwas weniger bekommen. Das hat nichts mit dem Wert eines Menschen zu tun, sondern es ist Gottes Entscheidung. Und wenn du deinen Gaben einsetzt, kann Gott etwas Großes daraus machen (Matthäus 14,17-21).
  • Du darfst selbstbewusst sein, denn du bist ein Geschöpf Gottes. Und du hast deine Talente. Aber: Es ist oft ein schmaler Grat zwischen selbstbewusst zu sein und dem Stolz und der Arroganz.

Deshalb:

Sei dir bewusst, dass du begrenzt bist. Nur Gott ist undendlich.
Du bist ein Mensch, der nicht alles kann. Nur Gott ist allmächtig.
Du siehst niemals das große Ganze. Nur Gott ist allwissend.
Das anzuerkennen und zu leben, ist Demut.

Ein passendes Lied dazu: Humble thyself

Link zum Youtube-Video: Klicke hier. (Es gelten die Datenschutz- und Geschäftsbedingungen von Youtube.)

»Freut euch, ihr Menschen auf dem Berg Zion, jubelt laut, ihr Einwohner von Jerusalem! Seht, euer König kommt zu euch! Er ist gerecht und bringt euch Rettung. Und doch kommt er nicht stolz daher, sondern reitet auf einem Esel, ja, auf dem Fohlen einer Eselin. 

Sacharja 9,9 (HfA)

Vielen Dank für’s Lesen und Gottes Segen!

Ein Kommentar zu “Demut

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