
Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.
Sprüche 16,18 (LU17)
Stolz? Nie gehört…
Stolz (von mittelniederdeutsch stolt „prächtig“, „stattlich“) ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst oder anderen, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten „Ganzen“. Eine zweite Bedeutung des Wortes Stolz, welche in der Alltagssprache mittlerweile eine untergeordnete Rolle spielt, ist ein von Selbstüberschätzung geprägtes Denken oder Verhalten;
Vor zwei Wochen habe ich über das Thema „Demut“ (Demut auf SalzUndLicht) geschrieben. Dieser Begriff taucht in der Bibel häufig auf – und auch das Gegenteil: der Stolz. Wobei hier nicht der Stolz gemeint ist, wenn man zum Beispiel etwas Besonderes erreicht hat oder stolz auf seinen Sohn ist, weil er im Fußballspiel gegen den Erzrivalen drei Tore geschossen hat. Selbstbewusstsein, also zu wissen wer man ist und was man kann, ist noch kein Stolz. Es geht beim Begriff „Stolz“ um Selbstüberschätzung, Arroganz, Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit, Verachtung anderer Menschen. Ein treffenderes Wort, das man heute eher verwendet ist der Hochmut:
Unter Hochmut (hebräisch גָּאוֹן ga’on; altgriechisch αλαζονεία ; lateinisch superbia), auch Anmaßung, Überheblichkeit und Arroganz oder Prätention genannt, wird das Auftreten von Personen verstanden, die ihren Wert, ihren Rang oder ihre Fähigkeiten unrealistisch hoch einschätzen.

Stolz in der Bibel
Ich finde es immer wieder cool, wie gut die Bibel die Menschen kennt. Was drin steht, trifft oft den Nagel auf den Kopf und ist nicht immer angenehm. So auch bei der allzumenschlichen Eigenschaft „Stolz“. Vermutlich ist keiner komplett frei davon. In vielen Bibelstellen wird der Stolz behandelt – und zwar nicht als etwas Positives…
Vor dem Sturz ist das Herz eines Mannes stolz; und ehe man zu Ehren kommt, muss man demütig sein.
Sprüche 18,12 (LU17)
Darum heißt es: »Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
Jakobus 4,6b (HfA)
Sechs Dinge sind dem HERRN verhasst, und auch das siebte verabscheut er:
Augen, die überheblich blicken; eine Zunge, die Lügen verbreitet; Hände, die unschuldige Menschen töten; ein Herz, das finstere Pläne schmiedet; Füße, die schnell laufen, um Böses zu tun; ein Zeuge, der falsche Aussagen macht; ein Mensch, der Freunde gegeneinander aufhetzt.Sprüche 6,17 (HfA)
Die Überheblichkeit/ der Stolz steht an erster Stelle… Gott lässt Menschen, die überheblich sind, Konsequenzen spüren:
Die Menschen aller Länder, Völker und Sprachen zitterten vor ihm. Er [Nebukadnezar, König von Babylon, Anm.d.A.] verbreitete Angst und Schrecken, denn er konnte nach Belieben töten oder am Leben lassen. Von seiner Gunst hing es ab, ob jemand ein hohes Amt erhielt oder es verlor. So wurde er immer hochmütiger. Doch sein Stolz und seine Vermessenheit brachten ihn zu Fall. Alle Macht und Anerkennung wurden ihm genommen.
Daniel 5,20 (HfA)
Weil du [König Sanherib von Assyrien, Anm.d.A.] nun gegen mich tobst und dein Stolz vor meine Ohren gekommen ist, will ich dir meinen Ring in die Nase legen und meinen Zaum in dein Maul und will dich den Weg wieder zurückführen, den du gekommen bist.
Jesaja 37,29 (LU17)
Herrscher, die gar zu Stolz sind auf ihre Macht, bringt Gott wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Es kommt der Tag, an dem der Hochmut der Menschen ein Ende hat und ihr Stolz gebrochen wird. Dann wird nur einer groß sein: der HERR!
Jesaja 2,11 (HfA)
Am Ende der Zeit wird jeder Mensch vor Gott knien und anerkennen müssen, wieviel geringer Er gegenüber Gott ist (aber trotzdem von Ihm geliebt wird!).
Weitere Stellen zum Nachlesen:
- Ester 5,11-12
- Hiob 40,6-14
- 1.Mose 11,1-9 (Turmbau zu Babel)

Warum ist Stolz etwas Schlechtes?
Distanz zu Gott
Der Frevler meint in seinem Stolz, Gott frage nicht danach. »Es ist kein Gott«, sind alle seine Gedanken.
Psalm 10,4 (LU17)
Wir schaffen das! Ohne Gott! Ich hatte eine Kommilitonin, die sagte mal während des Anorganik-Praktikums: „Wir sind Naturwissenschaftler; wir brauchen keinen Gott.“ Klar können wir Menschen viel erreichen und ein Großteil der Menschheit lebt ohne Gott. Wir bauen riesige Wolkenkratzer, Tunnel durch ganze Bergmassive, kilometerlange Brücken, heilen viele Krankheiten, sehen Milliarden Lichtjahre in den Himmel oder machen Atome sogar sichtbar.
Großartig! Doch Gott ist größer!
Alle diese Dinge sind vergänglich! Gott ist ewig!
Wir können viel, aber nicht alles! Gott ist allmächtig!
Es reicht ein kleines Virus aus, um alles bisher Gekannte lahmzulegen. Ein Erdbeben legt in kurzer Zeit eine ganze Region in Schutt und Asche. Ein Tsunami tötet hunderttausende Menschen in einem Augenblick. Wir Menschen haben eben nicht alles im Griff! Und selbst wenn wir Gott leugnen und meinen, dass wir Ihn nicht brauchen – Er ist trotzdem da!
Gott gleich sein wollen
Szene: Eva steht vor dem Baum der Erkenntnis und die Schlange (der Teufel) versucht sie zu verführen:
»aber Gott weiß: Wenn ihr davon esst, werden eure Augen geöffnet – ihr werdet sein wie Gott und wissen, was Gut und Böse ist.«
1.Mose 3,5
Es gelingt ihm und Adam ist natürlich mit von der Partie… Seit Anbeginn der Menschheit streben die Menschen danach, so zu sein wie Gott. Ja, wir sind Gottes Ebenbild (1.Mose 1,27), aber wir sind nicht Er. Wie ein Spiegelbild. Unser Platz ist unter Ihm (Demut)!
Fehlende Nächstenliebe und Egoismus
Denn Stolze erheben sich gegen mich, und Gewalttäter trachten mir nach dem Leben; sie haben Gott nicht vor Augen.
Psalm 54,5 (LU17)
Stolz tötet die Nächstenliebe. Was soll man sich mit jemandem abgeben, der unter einem steht? Übermenschen und Untermenschen. Das hatten wir schon zur Zeit der Sklaverei in den USA und im Dritten Reich, als Juden, behinderte Menschen, Sinti und Roma, usw. verfolgt und getötet wurden. Sie wurden als „lebensunwertes Leben“ betrachtet. Das sind natürlich Extremstfälle. Aber sich selbst im Recht zu sehen, nur auf der eigenen (richtigen?!?) Seite zu stehen, lässt Menschen jubeln, wenn ein Charlie Kirk oder eine Melissa Hortman wegen ihrer politischen Ansichten ermordet werden. Und es beginnt schon im eigenen Herzen, wenn ich Menschen verurteile, sie als Idioten betrachte und betitele oder gar hasse, weil nicht auf der richtigen (also meiner) Seite stehen.
Eine Menschheit, in der jeder nur an sich selbst denkt, jeder seinen Maßstab für richtig hält, wird sich hassen und bekriegen. Nur weil wir zu stolz sind, aufeinander zuzugehen…

Früchte des Zorns …äh… Stolzes
Selbstüberschätzung
Ich bin der Meinung alles selbst zu können und niemanden zu brauchen, weil ich super bin. Letztendlich brauche ich damit auch keinen Gott, denn ich habe mein Leben selbst im Griff. Ich will unabhängig sein und bin es auch. Doch die Wirklichkeit ist so: Das Leben läuft nicht in geraden Bahnen und wenn das Unglück zuschlägt, der Krebs wächst, das Vermögen schrumpft, der Krieg ausbricht, das Leben zu Ende geht – spätestens dann werde ich zugeben müssen, dass ich nicht alles in der Hand habe. Dann werde ich erkennen müssen, dass ich sterblich bin und Gott der Souverän ist. Ich werde feststellen, dass mein Leben auf dieser Welt nur ein Hauch war. Was habe ich hinterlassen? Wer wird sich noch an mich erinnern in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren?
HERR, was ist schon der Mensch! Warum schenkst du ihm überhaupt Beachtung? Warum kümmerst du dich um ihn? Sein Leben ist vergänglich und gleicht einem Schatten, der vorüberhuscht.
Psalm 144,3-4 (HfA)
Siehe auch Psalm 90,12, Matthäus 6,27, Psalm 90,5-6.
Arroganz
Alle anderen sind nicht so gut wie ich. Am besten, ich mache es gleich selbst, dann ist es was Gescheites. Ich bin besser, schöner, klüger als die anderen. Die bittere Wahrheit ist wohl: Niemand mag arrogante Menschen, ihnen wird vielleicht schön getan, damit man selbst einen Vorteil hat. Aber „wahre Freundschaft“ ist das wohl nicht. Und: Irgendwo gibt es immer jemanden, der in der einen oder anderen Sache besser, schöner oder klüger ist. Was mach ich dann? Ignorieren? Den anderen schlecht reden? Weinen? Von meinem hohen Ross runtersteigen?
Seid bescheiden und achtet den anderen mehr als euch selbst.
Philipper 2,3b (HfA)
Ordnet euch einander unter; tut es aus Ehrfurcht vor Christus.
Epheser 5,21 (HfA)
Sogar Jesus hatte viele Konflikte mit den Pharisäern und Schriftgelehrten gerade wegen deren Arroganz.
Egoismus
Die ganze Welt dreht sich um mich
Falco in „Egoist“ (Link zum Text)
Denn ich bin nur ein Egoist
Ich bin wichtig und meine Meinung ist diejenige, die zählt. Um mich dreht sich die Welt. Hauptsache mir geht es gut und ich bekomme, was mir zusteht! Wann ich will, wie ich es will und wo ich will. Andere sind dafür da, damit sie mich zufriedenstellen und glücklich machen. Mich, meins und ich – wir drei zählen! Nein, so ist die Welt nicht. Sie ist nicht für mich alleine geschaffen, sondern ich bin für die anderen da.
Und Gott spricht:
Ich bin der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ziel, das A und das O.
Offenbarung 22,13 (HfA)
Durch Christus seid ihr dazu berufen, frei zu sein, liebe Brüder und Schwestern! Aber benutzt diese Freiheit nicht als Deckmantel, um eurem alten selbstsüchtigen Wesen nachzugeben. Dient vielmehr einander in Liebe.
Galater 5,13 (HfA)
Sturheit
Ich weiß Bescheid. Keiner kann mir etwas vormachen. Meine Meinung und mein Weg sind richtig. Einzig und allein. Und das haben die anderen gefälligst zu akzeptieren. Denn so wird es gemacht. Ich bin mir sicher und daran gibt es nichts zu rütteln. Fakten? Alles nur gefälscht! Heutzutage scheint dieses Denken weit verbreitet zu sein. Es ist doch so: Es kann nicht jeder mit seinen Aussagen richtig liegen und wenn alle immer nur ihre Wahrheit sehen, ihr Ding durchziehen wollen und keine Kompromisse eingehen wollen, führt das unweigerlich zu Streit, zerstörten Beziehungen, Hass und Krieg.
Seid nicht so stur wie eure Väter! Unterwerft euch dem HERRN und kommt zu seinem Tempel, den er sich für alle Zeiten zum Heiligtum erwählt hat! Dient wieder dem HERRN, eurem Gott, damit sein Zorn sich von euch abwendet!
2.Chronik 30,8 (HfA)
Die Weisheit aber, die von Gott kommt, ist vor allem aufrichtig; außerdem sucht sie den Frieden, sie ist freundlich, bereit nachzugeben und lässt sich etwas sagen. Sie hat Mitleid mit anderen und bewirkt Gutes; sie ist unparteiisch, ohne Vorurteile und ohne alle Heuchelei. Nur wer selbst Frieden stiftet, wird die Gerechtigkeit ernten, die dort aufgeht, wo Frieden herrscht.
Jakobus 3,17-18 (HfA)
Fruchtsalat
Diese Aussagen sind sicherlich überspitzt formuliert. Sicher ist: Der Stolz trägt keine guten Früchte! Im Gegenteil. Er entfernt uns von Gott, zerstört Beziehungen zu anderen Menschen und macht über kurz oder lang einsam. Die Frage ist: Was kann man tun? Beziehungsweise die Frage vorher lautet: Bin ich selbst vom Stolz betroffen?

Ein bisschen stolz sind wir doch alle!
Eine unangenehme Frage… Ich weiß nicht, ob du dich schon mal damit befasst hast. Wenn nicht: Wie kann man prüfen, ob man hochmütig ist? Ein kleines Quiz… also Hand auf’s Herz!
Zusatzfrage: Du kannst auch eine offene Frage an deine Ehefrau/ deinen Ehemann, Freunde, Kinder, Kollegen richten – wie würden sie dein Auftreten beschreiben? Höre zu und kommentiere die Aussagen nicht – auch wenn es schwer fällt.
Zurück zum Quiz: Wenn du mehr als fünf hast, dann wirst du vermutlich immer wieder mal in die Stolz-Falle tappen. Ganz ehrlich: Ich erwisch mich auch dabei. Man ist halt doch nur ein Mensch… Das soll heißen: Du bist nicht allein. Die Frage ist immer, wie du damit umgehst: Ist es dir egal, hast du wahrscheinlich nicht mal bis hierher gelesen.
Wenn du versuchen willst, es besser zu machen, dann habe ich ein paar Gedankenanstöße für dich:

Wie kannst du dich deinem Stolz stellen?
Den Reichen in dieser Welt gebiete, dass sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den unsicheren Reichtum, sondern auf Gott, der uns alles reichlich darbietet, es zu genießen;
1.Timotheus 6,17 (HfA)
- Sei dir bewusst, dass Gott größer ist als alles andere. Bete ganz bewusst die Stelle aus dem Vater Unser: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden!“
- Nimm dich selbst nicht zu wichtig. Versetze dich in die Lage von anderen Menschen. Respektiere deine Mitmenschen, denn sie haben Würde wie du. Ermutige andere, das beste aus sich herauszuholen. Freue dich an ihrem Erfolgt.
- Überhebe dich nicht über andere. Du brauchst das nicht, um wertvoll zu sein. Denkt darüber nach, warum du das tust. Du bist selbst genug für Gott so wie du bist. Du musst dich nicht vergleichen.
- Durchforsche die Bibelhinsichtlich Stolz und Demut. Bete, dass Gott dein Herz verändert. Dass Er deinen Stolz in etwas Gutes umwandelt und deinen Gaben, die du zweifellos hast, für und nicht gegen andere einsetzt.
- Denk darüber nach, woher dein Stolz kommt. Fühlst du dich im tiefsten Inneren minderwertig? Meinst du, du musst alles selbst leisten? Erinnerst du dich an prägende Erlebnisse in deiner Kindheit?
- Halte dich zurück und dränge dich nicht nach vorne! (Sprüche 25,7)
- Sei dir bewusst, dass sich die Welt nicht nur um dich dreht.
- Gestehe Fehler ein. Vor dir selbst. Vor Gott. Und vor anderen.
- Du musst nicht perfekt sein…
Du bist wertvoll!
Dein Wert kommt nicht aus dir selbst und deinen eigenen Leistungen. Er wird auch nicht durch dein Versagen und deine Fehler definiert. Dein Wert kommt von Gott: Du bist Sein geliebtes Kind! Das darfst du wissen, wenn du an Ihn glaubst!
Zum Nachdenken
- Prediger 5,14-16
- Ephraim Kishon, Satire „Der Tod des Königsadlers“ bzw. „Die größte Fliege der Welt“ (Es geht um eine Fliege in einem Kaufladen, die alle Fliegen um sich schart, die Mücken ausrotten lässt, den Krämer leugnet und sich selbst als die „Sonne“ sieht. Eines Tages stirbt sie, weil der Winter kommt und der Krämer hat sich nicht mal bemerkt…)
- Alles nur Fassade auf SalzUndLicht
- Sprüche 27,2
