
Verzweifelte Fragen
Gibt’s Dich wirklich, Gott? Warum muss mir das passieren? Ist die Bibel wirklich wahr? Das kann doch nicht sein, was in der Schöpfungsgeschichte steht! Gott kann doch kein Gott der Liebe sein, wenn Er soviel Leid zulässt! Wie soll das alles im Himmel technisch funktionieren? Warum passieren in meinem Leben keine Wunder, wenn ich doch soviel dafür bete? Warum musste meine Oma sterben? Wie passen die biblischen Berichte zur Schöpfung und Geschichte mit der Wissenschaft zusammen? Wenn es Gott gibt und ich an Ihn glaube, warum fühle ich Ihn nicht? Warum geht es bösen Menschen besser als mir? Glaube ich wirklich genug? Hab ich genug gebetet? Will Gott wirklich das Beste für mich? Warum geht es mir dann gesundheitlich so schlecht? Wo ist Gott überhaupt?
Kennst du solche Fragen? Hast du schon mal an Gott gezweifelt? Bist du dir manchmal nicht mehr sicher, ob du richtig mit deinem Glauben liegst? Fühlt sich Gott für dich meilenweit entfernt an? Oder stehst du immer felsenfest im Glauben?Darf ein Christ überhaupt zweifeln? KANN er das überhaupt?

Jakobus über Zweifel
Betet aber im festen Vertrauen und zweifelt nicht; denn wer zweifelt, gleicht den Wellen im Meer, die vom Sturm hin- und hergetrieben werden. Ein solcher Mensch kann nicht erwarten, dass der Herr ihm etwas gibt.
Jakobus 1,6-7 (HfA)
Starker Tobak und eine klare Ansage! Also: Die Zweifel abstellen, ignorieren, wegschieben, verdrängen und dann weiter im Text. Frage beantwortet: Ein Christ darf nicht zweifeln! Wenn er das tut, dann betet er vermutlich nicht genug und geht nicht oft genug zur Kirche. Kann man alles besser machen! Mehr stille Zeit machen. Mehr christliche Bücher lesen. Dann wird das auch wieder!
Halt! Das kann doch nicht alles sein?!?!

Zweifelst du manchmal?
Kamen dir solchen Fragen wie im ersten Abschnitt schon in den Sinn? Ich glaube, dass jeder Christ mehr oder weniger oft und intensiv an den Punkt kommt, an dem er sich solche Fragen stellt. Geht mir ja nicht anders… und es gibt sogar Menschen in der Bibel, die gezweifelt haben:
Gideon bei seiner Berufung:
Nun hatte Gideon keinen Zweifel mehr, er rief: »HERR, mein Gott, ich muss sterben! Denn ich habe den Engel des HERRN von Angesicht zu Angesicht gesehen!« Da sprach der HERR zu ihm: »Hab keine Angst! Du wirst nicht sterben. Mein Friede ist mit dir.«
Richter 6,22-23 (HfA)
Abrahams Frau Sara:
Da sagte der HERR zu Abraham: »Warum lacht Sara? Warum zweifelt sie an meinen Worten, dass sie noch ein Kind bekommen wird?
1.Mose 18,3 (HFA)
Sogar Thomas, ein enger Vertrauter von Jesus, zweifelte (Johannes 20,25).
Du bist also in bester Gesellschaft! 😊
Judas schreibt in seinem Brief:
Kümmert euch liebevoll um alle, die im Glauben unsicher geworden sind.
Judas 1,22 (HfA)
Und sogar Jesus weiß, wie wir ticken und dass Menschen manchmal einfach zweifeln können:
Ich sage euch das alles, damit ihr nicht an mir zu zweifeln beginnt und aufgebt.
Johannes 16,1 (HfA)

Zweifeln leugnen…
Wie bist du mit deinen Zweifeln umgegangen bzw. wie gehst du damit um? Es gibt ja mehrere Möglichkeiten:
Du verdrängst sie wie ein Eisberg das Wasser
Du lässt solche „zweifelhaften“ Gedanken nicht zu. Das mag vielleicht im Moment funktionieren, möglicherweise auf längere Zeit. Doch irgendwann, wenn die Situation wirklich hart ist, dann brechen diese Zweifel wieder hervor und es wird alles immer schlimmer. Bis du vielleicht soweit bist und Gott den Rücken kehrst.
Du machst einen auf Dwayne Johnson oder Scarlett Johansson
Im Inneren zweifelst du, aber nach außen hin spielst du Hollywood-reif den Gläubigen, der fest auf dem Fels des Evangeliums steht und voller Power ist. Denn du kannst dir keine Zweifel erlauben, sonst verlierst du den Job in der Kirchengemeinde! Ein Prediger, der zweifelt? Niemals! Gesund ist das Schauspielern nicht und nicht auf Dauer zu schaffen. Die Fassade wird über kurz oder lang bröckeln, denn es ist anstrengend, sie aufrecht zu erhalten. Und dann kracht es gewaltig.
…oder Zweifel zugeben?
Du stellst dich ihnen
„Ja, ich habe Zweifel!“ Wenn du es schaffst, dir selbst gegenüber zuzugeben, dass du diese Gefühle hast und sie nicht verdrängst, ist das schon ein guter Anfang. Du bist mit den Zweifeln nicht allein und trotzdem immer noch ein geliebtes Kind Gottes! Auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt…
Du lässt sie raus
Du konntest deine Zweifel jemandem anvertrauen? Das ist gut! Ich glaube, es ist der beste Weg, damit umzugehen. So kannst du Hilfe bekommen und du wirst eine neue Art von Vertrauen zwischen dir und der Person, mit der du deine Zweifel teilst, erleben. Denn du bist wirklich offen und ehrlich. Klar machst du dich verletztlich, weil du eine Schwäche zeigst. Doch das ist gut. Denn so wird dein Gegenüber ermutigt, seine Schwächen zuzugeben und das stärkt eure Beziehung.
Wenn du keine Person des Vertrauens hast (man muss ja schließlich nicht vor jedermann einen Seelenstriptease hinlegen), dann ist die erste Adresse immer Jesus (gut, eigentlich immer, aber wenn es schon schwer fällt zu glauben,… dann…dann vermutlich erst recht). Erstens weiß Jesus genau wie du tickst – egal ob du es aussprichst oder nicht. Zweitens wünscht Er sich, dass du mit Ihm redest und deine Sorgen loslässt (Matthäus 11,28). Er hält das auch aus! Drittens wird Er dich nicht zurückweisen – genauso wenig wie seinen Jünger Thomas:
Dann wandte er sich an Thomas: »Leg deinen Finger auf meine durchbohrten Hände und sieh sie dir an! Gib mir deine Hand und leg sie in die Wunde an meiner Seite! Zweifle nicht länger, sondern glaube!«
Johannes 20,27 (HfA)
Ich glaube, es tut gut, ehrlich zu sich und zu Gott zu sein (Zumindest geht mir das so). Erst dann kann Heilung geschehen.

Am Ende müssen wir nicht verzweifeln
Und was machen wir jetzt mit der Bibelstelle aus Jakobus 1,6-7 vom Anfang? Es könnten Menschen gemeint sein, die überhaupt nichts mit Gott am Hut haben, grundsätzlich an Seiner Existenz zweifeln. Sie erwarten nichts von Gott und bekommen daher auch nichts. Und wenn wir glauben? Sicher werden wir auf dem Weg mit Gott Schwierigkeiten haben, wenn wir an Ihm zweifeln. Doch wir sind nur Menschen! Ich glaube, wir können die Bibelstelle auch als Ansporn sehen, wenn wir wieder mal am Limit sind. Ja, wir haben unsere Zweifel, sie lassen sich nicht leugnen. Aber: Wenn wir sie mit Gottes Hilfe überwinden können, dann werden wir stärker im Glauben und wir stehen das nächste Mal, wenn es hart wird, sicherer da. Aber selbst wenn wir trotzdem wieder umfallen, dürfen wir wissen, dass letzte Mal ging es weiter. Also: Aufstehen, Krone richten, weitergehen.
Glaube ist kein Selbstläufer. Wie eine Ehe. Es gibt Zeiten, da ist alles wunderbar und Zeiten, in denen scheinbar alles schief läuft. Doch egal wie es ist, Glaube wie Ehe sind es immer wert, dass man daran arbeitet!
Es ist schön, dass es Menschen gibt, deren Glauben wirklich unerschütterlich ist. Doch die Realtität ist halt so, dass es genauso Menschen mit Zweifeln gibt. Die Ersteren sollten den Zweiflern gegenüber nicht überheblich, gnadenlos und hart sein und die Zweiteren dem felsenfest Glaubenden nicht neidisch sein und durch solche Christen nicht frustriert werden.
Frei nach dem Motto:
Bei allem, was ihr tut, lasst euch von der Liebe leiten.
1.Korinther 16,14 (HfA)
Ich danke Dir für’s Lesen und wünsche Dir Gottes reichen Segen!
Siehe auch: Hilf meinem Unglauben! oder MännerMutMacher auf SalzUndLicht.