Eingesperrt

Zwangsjacke

Keine Ahnung, wie es Dir gerade geht. Ich fühle mich momentan gefangen wie in einer Zwangsjacke. Ich meine, in Deutschland ist so ziemlich alles gesetzlich geregelt, was es zu regeln gibt. Vermutlich würde man das Wetter dem Wetterausführungskontrollgesetz (WeAuKGes) unterwerfen, wenn das möglich wäre. Und Corona hat mit all seinen sinnigen und unsinnigen, verwirrenden Vorschriften und Verordnungen das Leben nicht gerade einfacher gemacht. So geht es weiter in meiner Firma. Alles ist geregelt, es gibt für alles Prozesse. Für das Benutzen vom Handlauf an einer Treppe bis zum Bestellvorgang – sogar für’s Kreativsein. Der Toilettengang ist noch nicht genormt. Und wie schaut es in unseren Gemeinden aus? Als Christ musst Du so sein, Du darfst das und das nicht. Oh, der verhält sich falsch – glaubt der wirklich richtig?

Egal ob Kirche, Firma, Familie oder Staat: Wehe, Du verhältst Dich anders, als man es von Dir erwartet. Dann ist es falsch. Dann kannst Du ja nicht echt erlöst sein. Mach alles wie immer. Neues nur wohldosiert. Verrücktes? No Go! Ausgetretenen Wegen folgen. Die Welt ist genormt. Die Norm will erfüllt werden. Ob sinnvoll oder nicht. Und allzuoft unterliegen wir einem vorauseilenden Gehorsam.

Übertrieben!

Nicht falsch verstehen: Es gibt Dinge oder Vorgänge, bei denen sind Regeln gut und wichtig. Und es ist gut, wenn man sie befolgt. Niemand möchte einen Stapel DIN A4-Blätter für seinen Drucker haben, in dem jedes Blatt unterschiedlich ist. Und jeder möchte ein sicheres Auto haben. Nur manchmal schießen wir mit unseren Regeln über das Ziel hinaus: Die EU mit ihrer Krummen-Gurken-Norm (die glücklicherweise wieder fallen gelassen wurde), die Deutschen mit ihrer Ernährungsampel (jeder sollte langsam wissen, dass zuviel Fett und Zucker nicht gesund sind) oder die Pharisäer mit ihren über 600 Vorschriften zum jüdischen Leben.

Unsre engen Grenzen

Oft engen wir uns selber ein, obwohl es garnicht notwendig ist. Oder wir meinen, andere einengen zu müssen, obwohl sie ihr Leben eben auf andere Weise meistern. Meinen wir, wir haben die Weisheit mit Löffeln gefressen, so dass jeder so tun muss, wie wir? Wir haben unsere Erfahrungen gemacht und daraus gelernt. Wir haben nach unserem Gewissen gehandelt und das Beste getan. In einer bestimmten Situation. Für uns. Aber das macht noch lange keine universell gütlige Regel aus. Viele Wege führen nach Rom.

Zurück zur Zwangsjacke. Die Zwangsjacke hab ich mir selber angelegt. Bin selber reingeschlüpft, ich dem ich meinem Herzen, meiner Seele Dinge vorschreiben, die nicht sein müssen. Mich selbst antreibe, Sachen zu tun, die nicht sein müssten, die vielleicht wenig Sinn haben, die mich nicht weiterbringen. Die man halt tut. Und zuknöpfen wird eine Zwangsjacke immer jemand anderes. Da ist der Staat, die Arbeit, Kirche, Familie, Freundschaften. Und plötzlich sitzt man da, tut jeden Tag das gleiche, vertreibt die Zeit, langweilt sich, funktioniert, ist eingeengt. Die Freiheitsgrade im Leben sind verschwunden. Mit jedem Knoten wir es enger im Leben. Wir können uns kaum noch bewegen. Wir Leben nicht mehr unser Leben, sondern werden gelebt. Die einzigen Abenteuer, die wir miterleben sind die, in denen sich die Marvelhelden auf der Kinoleinwand austoben. Die einzige Wildnis, die wir noch kennen, ist die aus tollen Dokumentarfilmen. Der einzige Kampf, den wir kennen, ist der von Frodo und Sam gegen Sauron im Herrn der Ringe.

Raus aus der Zwangsjacke!

Ich hab mal in einem schwäbischen Sketch den kürzesten Lebenslauf gehört:

Boms wirsch gmacht! Batsch bisch do! Zack bisch wiedr weg von dera Welt!*

aus „Hannes und der Bürgermeister“ (Mäulesmühle)

Da fragt man sich: Ist das alles? Soll es so weitergehen bis zum letzten Atemzug?

Das ist Deine eigene Entscheidung! Machst Du weiter wie bisher oder willst Du etwas ändern?

Grenzen setzen wir im Kopf: Das funktioniert so nicht! Das ist nicht wirklich sicher! Es kann was Schlimmes passieren! Die kleine Stimme redet uns ein: Das Risiko ist zu groß! Es könnte was schief gehen! Aber mal ehrlich – wäre die Menschheit nie Risiken eingegangen, hätte niemand Amerika entdeckt und kein Mensch wäre auf dem Mond oder im Marianengraben gewesen.

Genauso wichtig ist es, dass wir in unserem Leben Schritte wagen. Etwas Unbekanntes oder scheinbar Verrücktes tun. Kann das Leben nicht anders funktionieren wie jeden Tag zur Arbeit zu gehen, Steuern zu zahlen und zu konsumieren? Es muss doch mehr geben.

Sei unterwegs!

Stellen wir uns für einen Augenblick vor, das Paulus nach seiner Bekehrung vom Saulus wieder nach Hause gegangen wäre und ein gemütliches Leben geführt hätte. Dann wären viele Wunder nicht passiert (siehe Apostelgeschichte), es gäbe seine ganzen Briefen im Neuen Testament nicht und der christliche Glaube wäre nicht so ausgebreitet geworden. Paulus hat sich auf den Weg gemacht. Hat seine Komfortzone verlassen, hat sich in Gefahr begeben, hat sich mit Herrschern angelegt, hat von Jesus von Jerusalem bis Rom erzählt.

Was er getan hat, hat er im Vertrauen auf Gott getan. Er hat sich von Ihm leiten lassen. Ja, Paulus war im Gefängnis, kam aber wieder frei. Ja, er erlitt Schiffbruch, aber er hat es überlebt.

Was haben wir zu verlieren, wenn wir uns aufmachen?

Frage Gott, wo Er Dich haben will. Und wenn Er das Kommando gibt, dann los! Dann sollte es kein Zögern geben. Bereite Dich innerlich auf das Abenteuer mit Gott vor. Lass Dinge, die Dich gefangen nehmen, los. Vielleicht sind das unnötige (vermeintliche) Verpflichtungen oder materielle Dinge, die Dich binden. Vielleicht musst Du auch Deinen Job wechseln. Es muss ja nicht heißen, dass Du sofort in den Regenwald zu den Ureinwohner musst. Gott hat vielleicht einen Platz für Dich genau da, wo Du jetzt bist. Übergib das alles Gott. Ich weiss es nicht, was für Dich dran ist!

Ich weiss nur, dass meine Familie und ich momentan so etwas erleben. Gott bereitet uns vor. Wir können loslassen. Unser Haus, unsere Arbeit, liebgewordenen Hobbies und so weiter. Da hat uns Gott die letzten eineinhalb Jahre geformt. Wo es hingehen soll, wissen wir noch nicht. Auch nicht was kommen wird. Aber wir vertrauen auf Gott und wissen, dass Er einen guten Plan für uns hat, dass Er uns einsetzen möchte. Vielleicht werden wir kämpfen müssen – wobei wir das die letzten zwei Jahre auch schon mussten – vielleicht geht auch nicht immer alles leicht, aber ich bzw. wir freuen uns drauf, uns auf das Abenteuer Nachfolge einzulassen. Ich glaube, es lohnt sich!

Und ich will DICH heute ermutigen: Frage Gott nach Seinem Weg für Dich und wenn Er Dir zeigt, wo’s langgehen soll, dann beweg Deinen Hintern von der Couch runter und geh los!

* Für die Nichtschwaben unter uns: Schnell bist Du gezeugt. Plötzlich bist Du hier. Und ganz schnell wieder von dieser Welt entschwunden.


6 Gedanken zu “Eingesperrt

  1. Ich kann mich besser in Euch hinein fühlen als Ihr glaubt, Ihr erlebt gerade ein ethnisches Gefühl der Sonderklasse!

  2. Diese Zwangsjacke ist teilweise ein Gefühl, welches man sich selbst ausgesucht hat – ob nun bewusst oder unbewusst. Man hat doch immer die Wahl. Kaum ein Gefühl kommt so von allein daher. Gefühle kann man frei wählen.
    Wähle ich Jesus Christus und damit die Liebe, die Freude, die Wahrheit, den Frieden, … oder wähle
    ich den Satan und damit die Angst, die Spaltung, die Wut, die Lügen…
    Nun kann man sagen, man wäre schließlich „in diesem System – und müsste sich entsprechend verhalten…“ Ja, muss man das wirklich? Inwieweit? Wo sind die Grenzen und bin ich bereit „zu verzichten“?
    Ein wirklich umfangreiches Thema. Dein Beitrag lädt zum Nachdenken ein. Möge er viele Menschen erreichen. Danke dafür.
    Jesus sei mit Dir und Gott segne Dich und Deine Familie.

    1. Vielen Dank für die Segenswünsche und den Kommentar 😊. Das Thema „Freiheit“ beschäftigt mich momentan sehr und sehr vie Freiheit hab ich in Uganda erleben dürfen. Man merkt, dass es auch andersgeht. Es ist richtig, dass man die Wahl hat. Nur ist einem das nicht immer klar. Es geht vieles anders,wie man meint. Man „muss“ nicht immer alles tun, was das System verlangt. Nur diese Erkenntnis braucht man. Wir sind frei in Christus. Das kann uns keiner nehmen.
      Wenn der Beitrag hilft, dass sich Menschen aus ihren vermeintlichen Zwängen befreien lassen wollen, dann ist schon viel erreicht.
      Ebenfalls Gottes Segen!

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