Maultaschen – die perfekte Tarnung

Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten.

1.Mose 3,8 (LU17)

Kennst du die schwäbischen Maultaschen? Eine Geschichte erzählt, dass die Maultasche von einem Mönch im Kloster Maulbronn erfunden wurde, damit die Menschen auch in der Fastenzeit Fleisch essen konnten: Außen ein Teigmantel und innen gefüllt mit Zwiebeln, Fleisch, Speck, Gewürzen, Ei – was das Herz begehrt. Und diese Leckereien konnte der liebe Gott – so die Vorstellung damals – nicht sehen. Damit war es auch kein Fastenbrechen. In meiner Heimat nennt man dieses Essen deshalb auch liebevoll „Herrgottsbscheisserla“ (= dt. „Gottesbetrügerchen“).

By the way: Ein Schwabe wird niemals den Sinn einer vegetarischen Maultasche verstehen…

Verstecken

Tarnen und verstecken – das ist in uns Menschen tief verankert. Die Kinder lernen es im Spiel. Babys lieben „Wo ist das Baby?“. Wir Menschen verstecken uns aus verschiedenen Gründen:

  • aus Angst vor einem Feind
  • vor Scham über Fehler
  • um nicht aufzufallen
  • wegen Geheimnissen
  • um unangenehmes Verhalten zu vermeiden
  • aus taktischen Gründen

Das Militär verwendet viel Energie darauf, versteckt zu bleiben: Tarnanstriche, Tarnkappenbomber, unter dem Radar fliegen (und genauso viel Energie zum entdecken von versteckten Feinden). Da haben es die Klingonen aus Star Trek einfacher: Sie schalten einfach die Tarnvorrichtung ihrer Birds of Prey (Kampfraumschiffe) ein und werden sofort unsichtbar. Im virtuellen Leben verstecken sich schädliche Viren in Emails oder Bösewichte im Darknet.

Die Tier- und Pflanzenwelt ist in dieser Hinsicht sowieso unschlagbar. Wir kennen alle die Tarnkünste von Scholle, Tintenfisch und Chamäleon, von Motten, lebenden Ästen, Raubtieren und Beutetieren. Sogar Pflanzen tarnen sich als Tiere…

In Sagen und Märchen wird der Traum von der perfekten Tarnung aufgegriffen: Siegfried aus der Nibelungensage besitzt eine Tarnkappe und der Wolf tarnt sich als Großmutter, um Rotkäppchen fressen zu können.

Versteckspiele

In der Bibel begegnen uns Versteckspiele von Anfang an:

Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten.

1.Mose 3,8 (LU17)

Adam und Eva schämen sich, weil sie genau wissen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Sie waren Gott ungehorsam und aßen von den verbotenen Früchten des Baums der Erkenntnis. Uns geht es doch oft genauso: Wir wissen genau, dass etwas falsch ist und tun es trotzdem. Unter hinterher schämen wir uns. Oder versuchen eine böse Tat mit allen Mitteln zu vertuschen.


Der Prophet Jona wird von Gott nach Ninive geschickt, um dort Gottes Strafgericht anzukündigen. Aber er will nicht. Deshalb versucht er vor Gott zu fliehen:

»Geh in die große und mächtige Stadt Ninive und kündige ihren Bewohnern mein Strafgericht an! Denn ihre Bosheit schreit zum Himmel, ich kann sie nicht länger mit ansehen!« Jona machte sich auf den Weg – aber in die entgegengesetzte Richtung! Er floh vor dem HERRN und kam zunächst in die Hafenstadt Jafo. Dort fand er ein Schiff, das gerade nach Tarsis segeln sollte. Er bezahlte das Geld für die Überfahrt und ging an Bord.

Jona 1,2-2 (HfA)

Doch ein Sturm beutelt das Schiff und letztendlich checkt es Jona und lässt sich ins Wasser werfen, um die Wellen zu beruhigen. Auch er war Gott (zuerst) ungehorsam. Manchmal wissen wir genau, was Sache ist und zörgern mit dem Handeln oder weigern uns. Wir schieben auf und drucksen herum. Vielleicht erledigt es sich ja von selber. Auf das sollten wir nicht bauen. Vor allem, wenn Gott möchte, dass wir Dinge in Angriff nehmen, hat Er sich was dabei gedacht.


Der Prophet Elia bekommt sogar von Gott den Befehl, sich zu verstecken – er ist gehorsam:

Danach befahl der HERR Elia: »Du musst fort von hier! Geh nach Osten, überquere den Jordan und versteck dich am Bach Krit! Ich habe den Raben befohlen, dich dort mit Nahrung zu versorgen, und trinken kannst du aus dem Bach.« Elia gehorchte dem HERRN und versteckte sich am Bach Krit, der von Osten her in den Jordan fließt.

1.Könige 17,2-5 (HfA)


David versteckt sich auf der Flucht vor (Noch-)König Saul, weil dieser ihn töten will:

So floh David aus Gat und versteckte sich in der Adullamhöhle. Als seine Brüder und die ganze Verwandtschaft erfuhren, wo er sich aufhielt, kamen sie alle und schlossen sich ihm an.

1.Samuel 21,11 (HfA)

Manchmal ist es notwendig, dass wir uns tarnen; dass wir in Deckung gehen. Denn Jesus sagt, dass Er uns wie Schafe mitten unter die Wölfe schickt und ermahnt uns schlau zu handeln (Matthäus 10,16). Manchmal ist es klug, sich bedeckt zu halten – ich denke da zum Beispiel an Christen in Nordkorea, im Iran oder in China, wo es zum Teil lebensgefährlich ist, den Glauben auszuüben.

Ein paar Gedanken

Vor Gott verstecken

Manchmal scheint es, dass wir selbst versuchen uns vor Gott zu verstecken und vor Ihm zu fliehen. Vielleicht, weil wir etwas Schlimmes gemacht haben und uns vor Gott fürchten. Oder vielleicht weil wir – wie Jona – etwas nicht tun wollen, was Gott von uns möchte. Möglicherweise interessiert uns Gott nicht und wir wenden uns von Kirchen oder Gemeinde oder Christen ab. Eben von allem, was wir mit Gott in Verbindung bringen. Vor Gott verstecken ist ein aussichtsloses Unterfangen. Die beste Tarnung und der weiteste Weg wird nichts nützen, denn Gott ist überall da!

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Psalm 139,7-10 (LU17)

Und dass Gott überall ist, soll keine Drohung sein. Denn Er möchte ja unser Bestes! Er möchte uns helfen, dass wir aus unseren Tiefpunkten herauskommen, dass wir Trauer und Ängste überwinden. Jesus hat unsere Scham und Schuld getragen. Deshalb gibt es überhaupt keine Notwendigkeit, sich vor Gott zu verstecken.

Eine gute Tarnung

Gott schafft den Menschen als sein Ebenbild (1.Mose 1,27). Das ist unsere Bestimmung. Doch mit der Sünde wurde diese Ähnlichkeit zerstört und wir sind von dem Ebenbild weit entfernt. Weil Jesus in die Welt kam, ist die Macht dieser Sünde gebrochen und eine Ähnlichkeit mit Gott wieder möglich:

Wen Gott nämlich auserwählt hat, der ist nach seinem Willen auch dazu bestimmt, seinem Sohn ähnlich zu werden, damit dieser der Erste ist unter vielen Brüdern und Schwestern.

Römer 8,29 (HfA)

Die beste „Tarnung“ eines Christen ist also, dass er versucht, Jesus immer ähnlicher zu werden. Das heißt jetzt nicht, mit langem Haar, Bart und Leinengewand herumlaufen, sondern dass wir Seine Charaktereigenschaften übernehmen: Liebe, Treue, Gehorsam gegenüber Gott, Sanftmut, Mut, Stärke, Nächstenliebe, … Wir sollten uns immer fragen: Was würde Jesus in meiner Lage tun? Und dann danach handeln!

Unser Charakter ändert sich nicht von heute auf morgen und es kann ein langer Weg sein. Wir müssen dabei keine Angst haben: Gott begleitet uns und formt uns, damit wir Seinem Sohn immer mehr gleichen.

Die Tarnung aufgeben

Genauso soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. Dann werden sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.«

Matthäus 5,16 (HfA)

In manchen Situationen müssen wir den Mut haben, rauszustechen, die Tarnung aufzugeben, Farbe zu bekennen. In dieser Welt, in der viel Dunkles ist, sollen wir Christen ein Licht sein. Wir sollen das Gute in unsere Umgebung strahlen, wie eine hell erleuchtete Stadt, die auf einem Berg steht. Nicht zu übersehen. Wenn nicht wir für die Gute Nachricht und Gottes Liebe einstehen, wer dann?

Vielen Dank für’s Lesen und sei gesegnet!

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