
Du, Herr, hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen. Schon an ihrer Brust hast du mich Vertrauen gelehrt.
Psalm 22,10 (HfA)
Ein Wagnis
Mutter bezeichnet das weibliche Elternteil einer Person.
Als Mann ist es nicht so einfach, über Mütter zu schreiben. Ich hab zwar eine und meine Frau ist auch eine Mutter, doch hab ich mich echt lange nicht so richtig an das Thema rangewagt. Außerdem hat jeder seine Geschichte mit seiner Mutter, politisch ist die Mutterrolle auch im Kreuzfeuer und Diskussionen über „die Mutter“ sind immer emotional geladen. Trotzdem starte ich einfach mal.
Das Thema ist wieder mal sehr komplex, so wie das Thema „Väter“ (siehe „Väter I-IV“ auf SalzUndLicht), deshalb widme ich ihm mehrere Teile. Manche Dinge überschneiden sich mit den Vätern, manche Dinge sind komplett anders bei Müttern. Kein Wunder, denn Gott hat uns Menschen ja als Mann und Frau geschaffen:
So schuf Gott den Menschen als sein Abbild, ja, als Gottes Ebenbild; und er schuf sie als Mann und Frau. Er segnete sie und sprach: »Vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz!
1.Mose 1,27-28a (HfA)
Menschen beiden Geschlechts haben ähnliche Eigenschaften und Merkmale, aber es gibt auch beträchtliche Unterschiede (siehe Mann&Frau auf SalzUndLicht). Und vor allem: Nur Frauen können Kinder gebären – das bleibt uns Männern „erspart“ – oder vielleicht ist es doch ein Privileg, dass in einem selbst ein neuer Mensch heranwächst und man diesen in sich spürt? Ich glaube schon…

Biologie
Du hast mich mit meinem Innersten geschaffen, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet.
Psalm 139,13 (HfA)
Ich finde es unglaublich faszinierend, wie sich der weibliche Körper nach der Befruchtung der Eizelle verändert. Gott hat das alles so wunderbar geschaffen, alles austariert, damit sich der Mensch vermehren kann: Es werden verschiedene Arten von Hormonen in bestimmten Konzentrationen ausgeschüttet, die das ermöglichen. Für das werdende Leben wird ein „All-inclusive-Hotel“ eingerichtet, in dem es angenehm warm ist und es rund um die Uhr Nahrung via Nabelschnur gibt. Der „Gast“ wird beschützt, hört und fühlt, wie es der Mama geht. Mit der Zeit wächst die Gebärmutter und der Bauch, weil der Embryo mehr Platz benötigt, gegen später wird die Nahrungsversorgung für außerhalb des Hotels aufgebaut und schließlich nach neun Monaten ist dieses wohlige Leben für das Kind vorbei und es muss auschecken.
Und damit ist die werdende Mutter auch die „Mutter“ auf dem Papier.
Einschub: Eine Geburt aus der Sicht eines Mannes
Ich war damals, als unsere Kids auf die Welt kamen, echt erstaunt, wie meine Frau das alles durchgestanden und gemacht hat. Zusammen betritt man den Kreißsaal und vor allem beim ersten Kind hat man überhaupt keine Ahnung, was einen erwartet. Ich glaube, das ist als Frau schon schwierig und als Mann erst recht. Man(n) steht neben dem Bett, schaut sich anfangs das CTG an (vermutlich weil man da einen Messwert hat, das gibt uns Männern Sicherheit) und man versucht während der Geburt seine Frau zu unterstützen: reden, streicheln, massieren, Hand halten, beten, etwas zu trinken bringen, da sein, … Letztendlich kann man aber zur eigentlichen Geburt gar nichts beitragen. Man ist schlicht und ergreifend hilflos. Das gefällt einem Mann nicht. Man will doch etwas tun! Aber die Frau muss es alleine machen – die Hebamme leitet zwar an, aber sie kann es nicht übernehmen. Meine Frau – und sicher all die anderen! – hat es großartig gemacht! Sie hat Schmerzen ertragen, sich durchgekämpft und eine Kraft und Ausdauer entwickelt, dass man nur staunen kann. Und dann – nach manchmal längerer oder auch kürzerer Zeit, darf man sein Kind das erste Mal im Arm halten. Wow! Ein überwältigender Moment! Ich war – und bin – sehr stolz auf meine Frau!

Mutterliebe
In dieser Stadt werdet ihr euch wie Kinder fühlen, die ihre Mutter auf den Armen trägt, auf den Schoß nimmt und liebkost. Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind.
Jesaja 66,12b-13a (HfA)
Normalerweise verbinden wir Menschen positive Gefühle und Gedanken mit unseren Müttern:

Die höchste und tiefste Liebe ist die Mutterliebe.
Ludwig Feuerbach (1804 – 1872), deutscher Philosoph und Anthropologe
Die tiefe Bindung einer Mutter zu ihrem Kind ist sprichwörtlich. Im Normalfall kümmert sich eine Mama um ihr Kind, versorgt es, beschützt es, bringt ihm die wichtigen Dinge für’s Leben bei. Sie tröstet, wenn es weh tut und gibt auf das Pflaster einen Kuss, damit es schneller heilt.
Wir dürfen Gott zwar Vater nennen, aber Er hat auch „mütterliche“ Züge: Er tröstet uns durch den Heiligen Geist (vgl. Jesaja 66,13a), Er versorgt uns (z.B. Matthäus 6,25-28), Er kann uns heilen (siehe 2.Mose 15,26), Er schenkt uns das Leben (Sprüche 22,2).

Eine gute Mutter
„Ohne die selbstlose Arbeit von Müttern und Hausfrauen gibt es kein Kindeswohl und keine Quelle des Humanvermögens, keine kreative Kraft der Liebe. Die Selbstlosigkeit einiger weniger sozialer Gruppen, zum Beispiel Hausfrauen und Mütter, neutralisiert den Egoismus der geschäftigen Sachwelt.“
Jürgen Liminski, ( 1950 – 2021), deutscher Journalist, Publizist und Buchautor
Das klingt sehr nüchtern. Die Bibel formuliert es eher so:
Als ich selbst noch jung war, wurde ich von meinem Vater unterwiesen und von meiner Mutter zärtlich umsorgt, als wäre ich ihr einziges Kind.
Sprüche 4,3 (HfA)
Mit geschickten Händen spinnt sie ihr eigenes Garn. Sie erbarmt sich über die Armen und gibt den Bedürftigen, was sie brauchen. Den kalten Winter fürchtet sie nicht, denn ihre ganze Familie hat Kleider aus guter und warmer Wolle. Sie fertigt schöne Decken an, und ihre Kleider macht sie aus feinem Leinen und purpurroter Seide.
Sprüche 31,19-22 (HfA): Ein Loblied auf die tatkräftige Frau (ab Vers 10)
Das Rollenbild der Mutter verändert(e) sich im Laufe der Zeit. Es gibt heiße Diskussionen darüber, wie eine Mutter sein muss. Was in dieser Hinsicht „emanzipiert“ und „gleichberechtigt“ bedeutet – das hängt von der eigenen Prägung, politischen Ansichten, moralischen Werten, usw. ab. Es fallen Stichworte wie „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, „Heimchen am Herd“, „Gebärmaschinen“, „Rabenmutter“ und ähnliches – darauf möchte ich nicht weiter eingehen. Ich denke, jede Mutter muss selbst einen Weg finden, wie sie die Rolle ausfüllt. In Teil 2 des Themas schauen wir uns einige Mütter aus der Bibel an – von ihnen kann man einiges lernen.
Ich hab gemerkt, dass es einige Menschen gibt, die ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter bzw. Schwiergermutter haben – darauf wollte ich in Teil 4 näher eingehen.
Doch unabhängig davon, fragt sich vermutliche jede Mama: Mach ich alles richtig? Was ist das Beste für mein Kind? Bin ich eine gute Mutter? Was ist das überhaupt? Das geht uns Vätern übrigens genauso.
Vielleicht machst du dir mit deinen Fragen zu viel Druck oder lässt dich von anderen Menschen in Rollen presse, die du gar nicht ausfüllen willst. Doch das muss nicht sein:
Eine gute Mutter muss nicht perfekt sein!
Jeder Mensch macht Fehler und jeder hat seine Ecken und Kanten. Und das gilt auch für Mütter. Ich hab zu dem Thema aus Vatersicht schon im Beitrag „Ein guter Vater (Väter II)“ ausführlich geschrieben. Diese Tipps hab ich dort ausgeführt:
- Liebe und respektiere deinen Kinder
- Verbringe Zeit mit deinen Kindern
- Sei aufmerksam sein und höre zu
- Erzähle deinen Kids von Gott
Ich würde sie noch um folgende ergänzen:

Eine Balance zwischen behüten und loslassen finden
Bewahre mich wie deinen Augapfel! Beschütze mich wie ein Vogel seine Jungen.
Psalm 17,8a (HfA)
Wir Eltern versuchen natürlich unsere Kinder vor schlimmen Sachen zu beschützen. Das ist auch gut so. Doch wir können sie nicht vor allem behüten und wir müssen manchmal Dinge, die nicht vielleicht nicht so schön sind, zulassen. Die Kids müssen lernen, damit umzugehen und wir müssen ihnen auch etwas zutrauen. So lernen sie selbstbewusst zu handeln und können Strategien entwickeln, mit Frust umzugehen. Dabei können wir sie immer unterstützen. Im Allgemeinen sind die Väter risikofreudiger und die Mütter eher vorsichtiger. Das ist einfach in uns drin. Kinder müssen nicht ständig überwacht und in Watte gepackt werden. Sie werden nicht immer bei uns sein. Sie sollen ihr eigenes Leben leben können (und dürfen). Letztendlich wird ein Kind von uns Eltern „ausgerüstet“ und dann flügge werden:
…und [Gott] sagte: ›Ein Mann verlässt seine Eltern und verbindet sich so eng mit seiner Frau, dass die beiden eins sind mit Leib und Seele.‹
Matthäus 19,5 (HfA)
Das gilt auch für die Mädels. Irgendwann müssen sie auf eigenen Beinen stehen. Wir können sie erziehen, prägen und ihnen Wurzeln und Werte geben, aber entscheiden müssen die Kids immer selbst.
Gott hat Adam und Eva geschaffen und sie in den Garten Eden gesetzt. Dort hatten sie alles, was sie brauchten. Doch obwohl Gott wusste, dass diese beiden Menschen Ihm nicht gehorchen würden, hat Er sie freie Entscheidungen (mit allen Konsequenzen) treffen lassen.

Nestwärme und Geborgenheit geben
Bei dir bin ich geborgen wie unter einem schützenden Schild, auf deine Zusagen setze ich meine Hoffnung.
Psalm 119,114 (HfA)
Gerade für kleine Kinder – ich hab es bei unseren miterlebt – ist die Geborgenheit und Kuscheln besonders wichtig. Bei der Mama in der Nähe sein, bei im Bett oder auf der Couch liegen, vorlesen, singen, Zeit haben. Da konnten die Kleinen nicht genug bekommen. Als Papa war ich für solche Sachen nicht so sehr gefragt – immer mal wieder schon, aber ganz oft waren die Kids bei der Mama. Und das ist auch gut so und man sollte sich genug Zeit dafür nehmen. Offensichtlich brauchen Kinder eine gewisse „Nestwärme“, um sich wohlfühlen zu können, um sich dann wieder in ihren quirligen Alltag zu stürzen. Die Kuscheleien werden weniger, deshalb: Genießen, was das Zeug hält 😉.
Du solltest deine eigenen Schwerpunkte je nach Zeit, Kraft und Lebensumständen selbst setzen. Es muss nicht alles gleichzeitig sein und manche Dinge entwickeln sich mit dem Älter werden der Kinder. Am Anfangs ist es vielleicht das Trösten, wenn der kleine Steppke zum fünften Mal hinfällt, als er das Laufen lernt und später ist es das gebrochene Herz, weil der Schwarm aus der Schule auf einen anderen Jungen steht.
Ich denke, man sollte das Ganze entspannt angehen. ‚Mama sein‘ soll ja Spaß machen. Kein Kind hat was davon, wenn die Mama versucht perfekt zu sein und angespannt eine Liste abarbeitet. Du darfst Fehler machen und kannst dabei immer auf Gott vertrauen, dass er daraus des Beste macht.

Zum Schluss
Wir haben alle eine bestimmte Vorstellung davon, wie eine Mutter sein sollte bzw. wie sie ist. Es ist ein sehr komplexes Thema, denn beim Stichwort „Mutter“ hat jeder seine eigene im Kopf. Auch meine Gedanken, die ich hier äußere, sind immer von meinen Bildern von „Mutter“ geprägt.
In zwei Wochen geht’s weiter…
Buchtipps und Links
- Buch: Is was, Mama? von Claudia und Eberhard Mühlan
- Mama! – Freddy Mercury und die Muppet Show auf YouTube
- Mama von Genesis
- Suche nach dem Thema „Väter“ auf SalzUndLicht
- Ehre Vater und Mutter auf SalzUndLicht
- Zitat J. Liminski: Pajazzos Saltos. Gedanken und Lebensweisheiten eines Clowns. FE-Medienverlags GmbH, Kisslegg 2021, ISBN 978-3-86357-334-8. Seite 56
Vielen Dank für’s Lesen und Gottes Segen!
2 Kommentare zu „Familienleben: Mehr als Biologie (Mütter I)“