Familienleben: Ehre Vater und Mutter

Oida, dia san so bled!*

Ein österreichischer Teenager…

* Alter, die sind so blöd.

Respekt

Wenn ich manchmal mitbekomme, wie respektlos Kinder mit ihren Eltern umgehen, find‘ ich das schon krass. Es gibt Kids, die haben eine extreme Anspruchshaltung und fordern ständig, dass ihre Bedürfnisse jetzt und sofort und absolut berücksichtigt und erfüllt werden. Manche sind sich für Hausarbeit zu schade, lassen sich von vorne bis hinten bedienen und liegen auf der faulen Haut. Andere wiederum finden es in Ordnung, wenn man die Eltern beleidigt – Schimpfwörter von eher harmlos bis echt übel, Gebrüll oder Drohungen und Hass sind möglich. Wieder andere ignorieren, wenn ihnen die Eltern was sagen, laufen weg oder knallen Türen zu. Grade in der Pubertät ist das nicht immer easy mit den Kids.

Glücklicherweise sind nicht alle Kinder so drauf und auch nicht die ganze Zeit. Besonders im Teenie-Alter lauert „Konfliktpotential“. Gefühlt meine ich aber, dass es in den letzten Jahren schlimmer geworden ist – entweder ist es wirklich so oder wenn man selber Vater ist, schaut man auf eine andere Weise auf das Verhalten von Kindern.

Doch Kinder und Teenagern sind nicht die einzigen, die ihre Eltern nicht „ehren“. Auch Erwachsene, die ihre Eltern noch haben, gehen auch nicht immer direkt vorbildlich mit ihnen um. Aus welchen Gründen auch immer. Siehe auch die Bibelstelle weiter unten aus dem Markusevangelium. Anscheinend ändert sich die Menschheit nicht…

Das vierte (fünfte) Gebot

Gott ist es nicht egal, wie wir mit unseren Eltern umgehen. Im Gegenteil. Eines Seiner Gebote (je nach Zählung das vierte oder fünfte) ist ihnen gewidmet:

Ehre deinen Vater und deine Mutter, dann wirst du lange in dem Land leben, das ich, der HERR, dein Gott, dir gebe.

2.Mose 20,12

Gott gibt Mose und dem Volk Israel die Gebote ja nicht zum Spaß, sondern weil sie gut für uns Menschen sind. Sie „perfektionieren“ das Zusammenleben zwischen Gott und uns und den Menschen untereinander. Wenn Er uns also aufordert, unsere Eltern „zu ehren“, dann ist das gut für uns und sie – vor allem ist es Gottes Wille! Dieses Gebot ist auch das erste, mit dem eine Verheißung – nämlich ein langes Leben im von Gott gegebenen Land – verknüpft ist.

Aber der Mensch wäre nicht Mensch, wenn er nicht versuchen würde, das Gebot zu umschlängeln. Jesus stellt klar, dass das nicht funktioniert:

Jesus fuhr fort: »Ihr geht sehr geschickt vor, wenn es darum geht, Gottes Gebote außer Kraft zu setzen, um eure Vorschriften aufrechtzuerhalten. So hat euch Mose das Gebot gegeben: ›Ehre deinen Vater und deine Mutter!‹ Und an anderer Stelle: ›Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, der muss sterben.‹ Ihr aber behauptet, dass man seinen hilfsbedürftigen Eltern die Unterstützung verweigern darf, wenn man das Geld stattdessen für ›Korban‹ erklärt, das heißt, es Gott gibt. Dann hätte man nicht gegen Gottes Gebot verstoßen. In Wirklichkeit habt ihr damit aber nur erreicht, dass derjenige seinem Vater oder seiner Mutter nicht mehr helfen kann. Ihr setzt also durch eure Vorschriften das Wort Gottes außer Kraft. Und das ist nur ein Beispiel für viele.«

Markus 7,9-13 (HfA)

Übertragen auf heute kann das bedeuten, dass wir unsere Eltern einfach und gedankenlos in ein Heim abschieben, damit wir unser schönes, bequemes Leben weiterführen können. Egoismus pur. Wir bezahlen ja für die Pflege, das Kümmern, das Essen und die Unterkunft – eine Art „Ablass“ quasi.

Nicht falsch verstehen, nicht jeder kann sich um seine Eltern kümmern und es ist nicht immer leicht, das zu tun. Es ist gut, wenn man sich Hilfe sucht, wenn man es alleine nicht schafft. Solche Menschen meine ich auch nicht. Ich kenne viele, die sich sehr aufopfernd um ihre Eltern kümmern.

Wichtig ist, dass Jesus die Gebote nicht aufgehoben hat. Sie gelten nach wie vor. Und das vierte Gebot betrifft übrigens nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche und Kinder.

Was heißt „ehren“?

Bedeutungen:
[1] innere Würde, die ein Mensch sich selbst gegenüber empfindet
[2] Bezeugung der Hochachtung, die ein Mensch durch andere erfährt
[3] veraltet: sexuelle Enthaltsamkeit

Wiktionary, das freie Wörterbuch, Ehre

Die Bezeichnung (mhd. ere, ahd. era „Verehrung, Ehrfurcht, Ansehen“) geht zurück auf germ.
*aizo „Ansehen, Geltung“, auch in altengl. ar „Wohltat, Güte“ und altfrz. ere in ders. Bed.; Grundlage ist idg. *ais– „verehren“, auch in griech. aidós „Ehrfurcht, Hemmung“ und got. aistan „sich scheuen“; die heutige Bedeutung ist zumeist „Ruhm“

Wahrig Herkunftswörterbuch, Ehre

Gut, jetzt wissen wir, woher das Wort Ehre kommt und was es bedeutet. Das alleine hilft leider nicht viel. Also was tun?

Was heißt das für Dich (und mich)?

Eine gute Frage, die wir uns stellen können, um zu sehen, wo wir stehen:

Sind wir gute Kinder für unsere Eltern?

aus dem Buch „Vatersehnsucht“

Egal, wie alt wir sind, unsere Eltern können wir immer ehren. Zum Beispiel:

  • Liebevoll behandeln. Ist auch die Jahreslosung für 2024: Alles was wir tun, sollen wir in Liebe tun!
  • Die Eltern und was sie sagen, ernst nehmen und das nicht als „Geschwafel von verwirrten Menschen“ abtun.
  • Sich Zeit für die Eltern nehmen. Besuche, Telefonate, Nachrichten. Heute ist auch trotz räumlicher Entfernung vieles möglich, um Kontakt zu halten.
  • Die Eltern respektieren und nicht herablassend behandeln, beleidigen, beschimpfen, usw.
  • Helfen wir ihnen beim Einkauf, versorgen wir sie im Alter und wenn sie Hilfe brauchen. Schauen wir, dass sie würdig altern können. Klar ist das alles eine Zeitfrage – doch die Zeit kann man sich entsprechend einteilen und vielleicht muss man sich selbst etwas zurücknehmen. Jeder nach seinen Möglichkeiten und Umständen…
  • Wir sollten respektieren, was sie für uns aufgebaut und getan haben. Wir sollten respektieren, welche Opfer sie für uns gebracht haben – ja das tun Eltern! Denn sie leben nicht mehr nur für sich allein als Ehepaar, sondern müssen in ihren Wünschen und Handlungen die Belange der ganzen Familie miteinbeziehen. Es kostet viel Zeit (und Nerven) ein oder mehrere Kinder zu erziehen – aber es ist ja auch schön 😊.
  • Dankbar sein. Immerhin haben wir es unseren Eltern zu verdanken, dass wir leben hier auf dieser Welt leben dürfen.

Das waren nur ein paar Beispiele.

In jeder Familie gibt es Probleme – kleinere und größere. Ich habe selbst miterlebt, wie es ist, wenn sich Eltern und Kinder nicht gut verstehen und wenn Verletzungen, Enttäuschungen und Ablehnung da sind. Kein Mensch ist perfekt. Und auch die Eltern sind es nicht. Trotzdem sollen wir sie lieben und annehmen, wie sie sind. Ja, sie haben Eigenheiten, die nerven können – aber Hand auf’s Herz, die haben wir doch selber auch. Versuchen wir liebevoll unsere Meinung zu sagen und Gefühle rauszulassen. Und versuchen wir, dass wir vergeben können, wenn es mal nicht so gut läuft.

Und wenn wir wirklich Schlimmes erlebt haben, können wir trotzdem versuchen, einen Weg der Vergebung und Versöhnung zu gehen (siehe auch in dem Buch Vater-Sehnsucht). Vielleicht müssen wir das immer wieder auf’s Neue tun.

Gehorchen

Ein Teil des Ehrens der Eltern ist der Gehorsam ihnen gegenüber:

Hör auf deinen Vater und deine Mutter, denn sie haben dir das Leben geschenkt! Verachte sie auch dann nicht, wenn sie alt geworden sind! Hör auf deinen Vater und deine Mutter, denn sie haben dir das Leben geschenkt! Verachte sie auch dann nicht, wenn sie alt geworden sind! Bemühe dich um Wahrheit, egal was es kostet. Wenn du Weisheit, Selbstbeherrschung und Einsicht erworben hast, dann gib sie nie wieder auf! Der Vater eines zuverlässigen Sohnes hat allen Grund zur Freude. Wie froh macht doch ein kluger Sohn! Darum sorge dafür, dass deine Eltern stolz auf dich sind. Deine Mutter, die dich geboren hat, soll sich glücklich schätzen!

Sprüche 23,22-25 (HfA)

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern! So erwartet es der Herr von euch, mit dem ihr verbunden seid. »Ehre deinen Vater und deine Mutter!« Dies ist das erste Gebot, das Gott mit einer Zusage verbunden hat: »damit es dir gut geht und du lange auf dieser Erde lebst.«

Epheser 6,1-3 (HfA)

Dann kehrte Jesus mit seinen Eltern nach Nazareth zurück, und er war ihnen gehorsam. Seine Mutter aber dachte immer wieder über das nach, was geschehen war.

Lukas 2,51 (HfA)

Warum?

  • Gott will den Gehorsam gegenüber den Eltern. Es gibt eine gewisse Hierarchie, die Gott aufgestellt hat.
  • Jesus gibt uns ein Beispiel – Er ist Seinen leiblichen Eltern gehorsam. Und natürlich Seinem Vater im Himmel!
  • Eltern möchten ihre Kinder schützen.
  • Eltern wollen (im Normalfall) das Beste für ihre Kinder. Sie wünschen sich, dass es den Kindern gut geht – und das Beste ist nicht immer das, was man selbst für das Beste hält. Vor allem wenn man jung ist. Die fünfte Portion Vanilleeis ist nunmal nicht gesund.
  • Eltern haben aufgrund ihres Alters (im Normalfall) mehr Lebenserfahrung, Weisheit und auch den Überblick – deshalb macht es Sinn, auf sie zu hören.
  • Letztendlich ist jeder für sein Handeln selbst verantwortlich – vor allem im Erwachsenenalter. Irgendwann nabelt man sich von seinen Eltern ab, geht eigene Wege und hat einen eigenen Blick auf das Leben. Eltern haben nicht immer recht. Prüfet alles und das gute behaltet.

An die Eltern

  • Es geht nicht darum, Marionetten aus den Kindern zu machen. Eltern sind keine preußischen Generäle, die eine Armee herumkommandieren.
  • Denkt drüber nach, ob das was ihr wollt und tut, wirklich das Beste für das Kind ist oder nur den eigenen Wünschen dient.
  • Macht es euren Kinder nicht zu schwer.
  • Zeigt ihnen, dass ihr sie liebt.
  • Helft euren Kindern, dass sie vertrauen zu euch lernen können. Seid verlässlich.
  • Nehmt euch Zeit für die Kinder.
  • Gebt den Glauben an Gott an eure Kinder weiter.

Ausführlicher gibt’s das unter „Erziehung – 12 biblische Prinzipien“ auf SalzUndLicht.

Eine Geschichte zum Nachdenken

Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floß ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen mußte sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm naß. Einmal auch konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus mußte er nun essen. Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. „Was machst du da?“ fragte der Vater. „Ich mache ein Tröglein,“ antwortete das Kind, „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.“ Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an Fingen endlich an zu weinen, holten alsofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.

Eine Geschichte der Gebrüder Grimm

Vielen Dank für’s Lesen und Gottes Segen!

Weiterführende Bibelstellen

  • Die Eltern gut behandeln (Sprüche 19,26)
  • Eltern haben einen anderen Blick aufs Leben (Sprüche 5,1)
  • Folgen des Ungehorsams gegenüber den Eltern (2.Samuel 2,22-26)
  • Wer Vater und Mutter verflucht, dessen Leben wird verlöschen wie eine Lampe in tiefster Dunkelheit. (Sprüche 20,20)
  • Alte Menschen sind stolz auf ihre Enkelkinder, und Kinder sind stolz auf ihre Eltern. (Sprüche 17,6)

2 Kommentare zu „Familienleben: Ehre Vater und Mutter

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