Engel II – Biblische Begegnungen

Der Engel des HERRN kam nach Ofra und setzte sich unter eine Eiche auf dem Grundstück, das Joasch gehörte, einem Mann aus der Sippe Abiëser. Joaschs Sohn Gideon drosch gerade Weizen in einer Kelter, um das Getreide vor den Midianitern in Sicherheit zu bringen. Da erschien ihm der Engel des HERRN und sagte: »Der HERR steht dir bei, du starker Kämpfer!«

Richter 6,11+12 (HfA)

Im ersten Teil von letzter Woche hab ich einiges im Allgemeinen über Engel geschrieben – was sie tun, wie sie aussehen, welche Eigenschaften sie haben.

Diese und nächste Woche geht’s um konkrete Engelsbegegnungen mit Menschen in der Bibel. Wobei ich mich dieses Mal auf das Alte Testament beschränke. Sicherlich sind nicht alle Engelsbegegnungen aufgeschrieben worden, die es jemals gab, aber sicher die am meisten besonderen. Ich hab dabei versucht, etwas für unseren Lebensweg mit Gott herauszunehmen. Das kann man – und die Umsetzung ist nicht immer einfach…

P.S. Manchmal wechseln Erzählungen zwischen „der Engel des HERRN“ und „der HERR“ hin und her. Das ist so zu interpretieren, dass sich der Engel so stark mit Gott personifiziert, dass er völlig hinter seiner Botschaft zurücktritt und so Gott „fast direkt“ spricht.

Altes Testament

Abraham – ein unmögliches Opfer

Abraham hatte schon viel mit Gott erlebt: Abraham verließ mit seiner Familie die Heimat auf Gottes Wort hin und zog ins Land Kanaan (heute Israel). Er bekam von Gott die Verheißung, dass seine Nachkommen zahlreich wie die Sterne am Himmel werden sollten. Doch Sara und er waren schon über achtzig Jahre alt. Da geht nicht mehr viel, sollte man meinen. Doch auch nach Abrahams Fehltritt mit seiner Magd Hagar, die ihm Ismael gebar, macht Gott sein Versprechen war und Sara wurde schwanger! Endlich kam mit Isaak der langersehnte Nachkomme. Und als Isaak ein junger Bursche war, wies Gott Abraham an, dass er Isaak opfern sollte! Auch wenn er es vielleicht nicht verstanden hat, nahm Abraham Isaak und sie gingen zum Brandopferaltar. Er gehorchte Gott – voller Vertrauen, dass es gut ist, was Gott von ihm möchte. Doch dann:

Dann griff er nach dem Messer, um seinen Sohn zu töten. »Abraham, Abraham!«, rief da der Engel des HERRN vom Himmel. »Ja, Herr?« »Leg das Messer beiseite und tu dem Jungen nichts! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott gehorsam bist – du hättest deinen einzigen Sohn nicht verschont, sondern ihn für mich geopfert!« Plötzlich entdeckte Abraham einen Schafbock, der sich mit den Hörnern im Dickicht verfangen hatte. Er tötete das Tier und opferte es anstelle seines Sohnes auf dem Altar. Den Ort nannte er: »Der HERR versorgt.« Noch heute sagt man darum: »Auf dem Berg des HERRN ist vorgesorgt.« Noch einmal rief der Engel des HERRN vom Himmel Abraham zu: »Ich, sagt der Herr, schwöre bei mir selbst: Weil du gehorsam warst und mir deinen einzigen Sohn als Opfer geben wolltest, werde ich dich überreich mit meinem Segen beschenken und dir so viele Nachkommen geben, wie es Sterne am Himmel und Sand am Meer gibt. Sie werden ihre Feinde besiegen und ihre Städte erobern.

1.Mose 22,10-17 (HfA)

Eine extrem krasse Geschichte. Gott wollte nie, dass Abraham seinen Sohn tötet. Er wusste vorher schon Bescheid, was dieser tun würde. Doch für Abraham war es ein starker Beweis, dass er Gott absolut vertraute und wirklich ALLES für Ihn geben würde. Er war nun bereit, im Vertrauen seinen Weg, den Gott ihm bereitet hatte, zu gehen. Durch alle Höhen und Tiefen.

Frage: Wieviel bist du bereit für Gott zu opfern? Eine halbe Stunde Smartphone am Tag weniger und stattdessen zu beten und die Beziehung zu Jesus zu pflegen? Den Job zu wechseln oder in ein anderes Land zu gehen, wenn Er dich bittet? Wo kommst du aus deiner Komfortzone heraus? Denk mal nach und lass dich von Gott herausfordern…

By the way: In Vers 5 des 22. Kapitels sagt Abraham zu seinen Knechten „Der Junge und ich gehen auf den Berg, um Gott anzubeten; wir sind bald wieder zurück.“ Er wusste im Voraus, dass sie beide wiederkommen würden. Damit ist die Geschichte nicht weniger kompliziert.

Lot – Engelsbegegnung in Sodom

Im ersten Buch Mose, Kapitel 18, wird beschrieben wie Abraham drei Männer bewirtet, von denen einer Gott ist und zwei sind „Boten“, also Engel. Gott spricht mit Abraham über seinen Plan, Sodom und Gomorra zu vernichten und Abraham versucht noch, mit Gott zu verhandeln. Letztendlich stimmt Gott zu, die beiden Städte nicht zu vernichten, wenn dort zumindest zehn unschuldige Menschen wohnen. Aber anscheinend war das nicht der Fall.

Jedenfalls geht die Erzählung in Kapitel 19 weiter und die beiden Boten begegnen Lot, dem Neffen Abrahams. Der lädt sie ein, die Nacht über zu bleiben.

Am Abend kamen die beiden Boten Gottes nach Sodom. Lot saß gerade beim Stadttor. Als er sie sah, ging er ihnen entgegen, verneigte sich tief und sagte: »Meine Herren, ich bin euch gerne zu Diensten! Kommt doch mit in mein Haus, um euch die Füße zu waschen und über Nacht meine Gäste zu sein! Morgen könnt ihr dann eure Reise fortsetzen.« »Nein danke, wir werden einfach hier draußen auf dem Platz übernachten«, antworteten die beiden. Aber Lot drängte sie, mitzukommen, bis sie schließlich einwilligten. Zu Hause brachte er ihnen ein gutes Essen und frisches Brot. Danach wollten sie sich schlafen legen, doch in der Zwischenzeit waren alle Männer Sodoms, junge und alte, herbeigelaufen und hatten Lots Haus umstellt.

1.Mose 19,1-4 (HfA)

Wenn wir sagen, „hier geht’s zu wie in Sodom und Gomorra“, dann können wir uns in der Bibel ein Bild davon machen.

Die Männer, die draußen vor Lots Haus stehen, wollen die Gäste missbrauchen – nicht einmal die Gastfreundschaft ist mehr heilig. Lot allerdings schon, dieser will seine Töchter stattdessen herausschicken (was ziemlich krass ist). Die Männer wollen sich von Lot, einem „dahergelaufenen Ausländer“ nichts sagen lassen und überwältigen ihn. Doch die Engel im Haus retten Lot und schlagen die Leute draußen mit Blindheit. Sie warnen Lot und schicken ihn weg, denn die Aufgabe der Engel ist, die Stadt zu vernichten. Lot gelingt die Flucht und am nächsten Morgen regnen Feuer und Schwefel auf Sodom und Gomorra.

Der Bericht von Lot, den Engeln und den beiden Städten mag recht verstörend klingen. Es sind krasse Sachen passiert und ich hab mich lange gefragt, was man daraus lernen kann. Vielleicht, ist es das, was Paulus auch schreibt:

Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Denn ohne es zu wissen, haben manche auf diese Weise Engel bei sich aufgenommen.

Hebräer 13,2 (HfA)

Bei Lot war das so. Diese beiden Engel waren letztendlich ein Segen für ihn, weil sie Lot und seine Familie vor der Zerstörung ihrer Stadt und dem sicheren Tod retteten (dass Frau Lot zur Salzsäure erstarrte, weil sie sich umdrehte, ist ein anderes Kapitel).

Vielleicht können wir grade in den Weihnachtstagen unser Haus für andere Menschen öffnen. Nicht nur für unsere eigene Familie…

Die ganze Erzählung ist in 1.Mose 19 und folgenden Kapiteln zu finden.

Hagar – Helfer in der Not

Da Abraham und Sara schon sehr alt waren und keine Kinder hatten, obwohl es Gott so verheißen hatte, wollten sie die Sache selbst in die Hand nehmen. Sara sagte ihrem Mann, dass er doch mit ihrer ägyptischen Magd Hagar ein Kind zeugen solle (das muss man sich mal vorstellen!!). Abraham ist natürlich gehorsam seiner Frau gegenüber und es klappt tatsächlich: Hagar wird schwanger. Sara passt das auf einmal nicht mehr und behandelt ihre Magd extrem schlecht, die daraufhin in die Wüste flieht:

Der Engel des HERRN fand sie an einer Wasserstelle in der Wüste auf dem Weg nach Schur und fragte sie: »Hagar, du Sklavin von Sarai, woher kommst du und wohin gehst du?« »Ich bin auf der Flucht vor meiner Herrin Sarai«, antwortete sie. Da sagte der Engel des HERRN zu ihr: »Geh zu ihr zurück. Bleib ihre Sklavin und ordne dich ihr unter! Ich werde dir so viele Nachkommen schenken, dass man sie nicht mehr zählen kann! Du bist schwanger und wirst bald einen Sohn bekommen. Nenne ihn Ismael (›Gott hört‹), denn der HERR hat gehört, wie du gelitten hast. Dein Sohn wird wie ein wildes Tier sein, das niemand bändigen kann. Er wird mit jedem kämpfen und jeder mit ihm. Voller Trotz bietet er seinen Verwandten die Stirn.«

1.Mose 16,7-12 (HfA)

Hagar ist gehorsam und kehrt zurück. Später erfüllt sich die Zusage Gottes, und auch Sara bekommt einen Sohn: Isaak. Doch Ismael macht sich über Isaak lustig und letztendlich müssen er und seine Mutter Abrahams Stamm verlassen. In der Wüste geht ihnen das Wasser aus und wieder hilft ein Engel Gottes aus dieser Situation und verspricht, dass Gott auch weiterhin mit Ismael sein werde (nachzulesen in 1.Mose 21,9-21).

Das Leben geht verschlungen Pfade und Durststrecken gibt es immer wieder einmal. Ein paar Dinge können wir aus Hagars Geschichte lernen:

  • Gott hält sich an Seine Zusagen, auch wenn es manchmal dauert, bis sie erfüllt werden.
  • Haben wir Geduld und Vertrauen in Gottes zusagen – wir können Seinen Plan nicht beschleunigen. Es kommt dann vielleicht nicht das raus, was Gott für uns gedacht hat. Aber Er macht mit dem weiter, was aus unserer Ungeduld entsprungen ist (Ismael-Effekt).
  • Gehorsam zahlt sich aus.
  • Wenn Gott segnet, wird etwas Gutes daraus, auch wenn es andere schlecht meinen.

Jakob – Gotteskämpfer und Hinker

Ich finde Jakob ist eine unglaublich spannende biblische Figur. Er betrügt seinen älteren Bruder Esau um das Erstgeborenenrecht und bekommt Kinder von mehreren Frauen. Einen seiner Söhne, Josef, bevorzugt er extrem, sodass die anderen elf Brüder ein Komplott gegen diesen planen. Er hat im Traum eine Vision (von Gott geschenkt) von einer Leiter in den Himmel, an der Engel auf und ab steigen. Von seinem Schwiegervater Laban wird er betrogen, aber er holt sich durch sein Geschick und Gottes Hilfe die besten und meisten Ziegen der Herde von ihm. Er versöhnt sich mit Esau und kämpft schließlich eine ganze Nacht mit Gott, wobei er einen Hüftschaden davonträgt. Daher sein neuer Name: „Israel“, was Gotteskämpfer bedeutet.

Er hatte einige Begegnungen mit Engeln:

Während er schlief, hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Engel Gottes stiegen hinauf und herab. Oben auf der Treppe stand der HERR und sagte zu ihm: »Ich bin der HERR, der Gott Abrahams und Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, werde ich dir und deinen Nachkommen geben!

1. Mose 28,12-13 (HfA)

Ich hörte auch eine Stimme. Der Engel Gottes rief meinen Namen, und als ich ihm antwortete, sagte er: ›Sieh zur Herde! Alle Böcke, die die Tiere bespringen, sind gestreift, gesprenkelt oder gescheckt. Das habe ich für dich bewirkt, denn ich habe gesehen, wie Laban dich betrügen wollte. Ich bin der Gott, der dir in Bethel erschienen ist; du hast dort den Gedenkstein mit Öl begossen und mir ein Gelübde abgelegt. Verlass jetzt dieses Land und kehr in deine Heimat zurück!‹«

1.Mose 31, 11-13

Auch Jakob setzte seine Reise fort. Unterwegs begegnete ihm eine Schar von Engeln. Als er sie sah, rief Jakob erstaunt: »Hier ist das Lager Gottes!« Darum nannte er den Ort Mahanajim (»zwei Lager«).

1.Mose 32,2-3

Ähnlich wie bei Mose geht Gott Seinen Weg mit Jakob, der eine ziemlich krasse Biographie hat. Oder vielleicht gerade deswegen. Gott kann auch mit Menschen, die Ecken und Kanten haben, etwas anfangen. Selbst wenn wir immer gehört haben, dass wir nicht in die Norm passen, dass wir im Glaubensleben alles falsch machen, in unserer Vergangenheit krumme Dinger gedreht haben, ist das kein Hindernis für Gott. Er formt uns, wie Er uns braucht. Und Er kann DICH gebrauchen!

Der gezähmte Widerspenstige

Mose, einst Prinz von Ägypten, musste fliehen, nachdem er einen Sklavenaufseher ermordet hatte, der einen Israeliten misshandelte. Er war schon einige Zeit in Midian bei Jitro, dessen Tochter er geheiratet hatte, als er beim Schafe und Ziegen hüten eine Begegnung hatte:

Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Als Mose genauer hinsah, bemerkte er, dass der Busch zwar in Flammen stand, aber nicht niederbrannte. »Merkwürdig«, dachte Mose, »warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen.« Der HERR sah, dass Mose sich dem Feuer näherte, um es genauer zu betrachten. Da rief er ihm aus dem Busch zu: »Mose, Mose!« »Ja, Herr«, antwortete er. »Komm nicht näher!«, befahl Gott. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden!

2. Mose 3, 2-5 (HfA)

Durch einen Engel spricht Gott direkt zu Mose und gibt ihm den Auftrag, das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten zu befreien, als der Pharao gestorben war. Eigentlich sollte man denken „Hey, cool! Gott spricht mit mir und gibt mir einen ganz klaren Auftrag. Er ist mit mir! Läuft!“ Aber Mose ist anscheinend nicht begeistert und fängt an, sich seiner Berufung entziehen zu wollen…

Vers 11: Aber Mose erwiderte: „Ich soll zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen? Wer bin ich schon?“ Gott nimmt das ernst und will ihm ein Zeichen geben, dass Israeliten es checken. Okay.

Vers 13:  Mose entgegnete: „Wenn ich zu den Israeliten komme und ihnen sage, dass der Gott ihrer Vorfahren mich zu ihnen gesandt hat, werden sie mich nach seinem Namen fragen. Was sage ich dann?“ “Ich bin, der ich bin. Der Gott eurer Vorfahren, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“ Das wäre auch geklärt.

Doch Mose gibt nicht auf.

Kapitel 4,1 (bis 9): Mose wandte ein: „Was ist, wenn die Israeliten mir nicht glauben und nicht auf mich hören? Bestimmt sagen sie: ›Der HERR ist dir gar nicht erschienen!‹“ Gott ermöglicht es Mose, seinen Hirtenstab in eine Schlange und wieder zurück zu verwandeln. Er kommt Mose zuvor und gibt ihm noch zwei andere Zeichen, die dieser tun kann: Er kann Aussatz erzeugen und wieder heilen und Wasser aus dem Nil in Blut verwandeln. Man sollte meinen, das sollte reichen.

Vers 10:Ach, Herr“, entgegnete Mose, „ich bin noch nie ein guter Redner gewesen. Auch jetzt, wo du mit mir sprichst, hat sich daran nichts geändert. Zum Reden habe ich einfach kein Talent, die Worte kommen mir nur schwer über die Lippen.“ Gott versucht es immer noch im Guten und erinnert Mose, dass Er alles, auch Moses Mund, geschaffen hat. Und Gott sagt ihm, dass Er ihm sagen würde, was er den Israeliten mitteilen solle.

Mose gehen langsam die Ausreden aus:

Vers 13: Doch Mose bat: „Ach, Herr, sende doch lieber einen anderen!“ Jetzt reicht es auch Gott und Er wird zornig. „Gut. Dann redest du nicht, sondern dein Bruder Aaron, der schon unterwegs zu dir ist, spricht für dich. Aber DIR sage ich, was ich will und DU sagst es Aaron. DU kommst nicht drum rum zu gehen! Los geht’s. Und by the way: Vergiss deinen Stab nicht.“

Learnings:

  • Auch mit einer schlimmen Vergangenheit (Mose hat immerhin einen Menschen getötet) kann Gott dich gebrauchen.
  • Egal, wie viele Ausreden du hast, Gott hat immer eine Antwort mehr. Frei nach einer bekannten Baumarktkette:

Am Ende deiner Ausreden steht deine Mission!

  • Unsere Berufung wird nicht immer „Hurra“-Gefühle auslösen und oft sind sie Herausforderungen. Warum? Weil wir so ganz von Gott abhängig sind.
  • Wenn wir meinen, wir könnten etwas nicht tun, und Gott beruft uns trotzdem, hat Er sich was dabei gedacht und Er gibt uns die notwendige Ausrüstung für unsere Aufgabe. Wir sollen uns vom Geist leiten lassen, was wir sagen sollen.

Deshalb: Wenn du von Gott einen Auftrag bekommst, nimm ihn an und verlass dich auf Ihn, dass Er das Richtige tut.

Moses komplette Berufungsstory findest in 2.Mose 3.

Bileams Esel

Die Moabiter unter König Balak und Midianiter hatten einen Konflikt mit dem Volk Israel und fürchteten sich sehr, da sie von den Siegen Israels über die Amoriter gehört hatten. Sie hatten auch von einem Mann namens Bileam gehört, von dem es hieß: „Denn wir wissen: Wenn du jemanden segnest, dann gelingt ihm alles, und wenn du jemanden verfluchst, dann ist er verloren. Mit deiner Hilfe können wir sie vielleicht besiegen und aus dem Land vertreiben.“ (4.Mose 22,6b). Sie boten ihm einen sehr hohen Lohn für seine Bemühungen an, aber Gott wollte nicht, dass Bileam den Feinden Israels half. So weigerte Bileam sich erst mal. Nach weiteren Bestechungsversuchen seitens der Moabiter forderte er eine Nacht Bedenkzeit. Da erschien ihm Gott, der sagte, Bileam solle gehen, aber nur das tun, was Gott ihm sagen würde. So zog er los…

Zwei Diener begleiteten ihn. Gott aber war zornig, dass Bileam mitging, und der Engel des HERRN stellte sich ihm in den Weg, um ihn aufzuhalten. Die Eselin sah den Engel, der mit dem Schwert in der Hand mitten auf der Straße stand. Sie brach zur Seite aus und lief ins Feld. Bileam schlug sie, um sie wieder auf den Weg zurückzubringen. Nun stellte sich der Engel des HERRN auf einen engen Weg, der zwischen Weinbergen hindurchführte. Die Straße war hier von Mauern eingefasst.  Wieder sah die Eselin den Engel und drängte sich ganz an die Seite, so dass Bileams Bein an die Mauer gedrückt wurde. Wieder schlug er sie. Der Engel des HERRN ging nochmals ein Stück weiter und versperrte Bileam nun an einer anderen Stelle den Weg, die so eng war, dass man weder rechts noch links vorbeikommen konnte. Als die Eselin den Engel sah, legte sie sich auf den Boden. Bileam wurde wütend und schlug sie mit seinem Stock. Da ließ der HERR das Tier sprechen. Es sagte zu Bileam: »Was habe ich dir getan? Warum hast du mich jetzt schon zum dritten Mal geschlagen?« Bileam schrie: »Weil du mich zum Narren hältst! Hätte ich nur ein Schwert zur Hand, ich würde dich töten!« Das Tier erwiderte: »Bin ich nicht deine Eselin, auf der du schon immer geritten bist? Habe ich jemals so etwas getan wie heute?« Bileam sagte: »Nein.« Da öffnete der HERR ihm die Augen, und er sah den Engel mit dem Schwert in der Hand auf dem Weg stehen. Bileam verneigte sich vor ihm bis zum Boden. Der Engel des HERRN sprach: »Warum hast du deine Eselin dreimal geschlagen? Ich war es, der sich dir entgegengestellt hat, weil du auf einem verkehrten Weg bist. Deine Eselin hat mich gesehen und ist mir dreimal ausgewichen. Hätte sie es nicht getan, dann hätte ich dich mit dem Schwert getötet und sie am Leben gelassen.« Da sagte Bileam zum Engel des HERRN: »Ich habe Schuld auf mich geladen. Ich wusste nicht, dass du mir den Weg versperrt hast. Wenn du gegen diese Reise nach Moab bist, kehre ich sofort um.« Doch der Engel des HERRN erwiderte: »Geh mit den Männern! Aber sag nur das, was ich dir auftrage!« So zog Bileam mit den Abgesandten Balaks weiter.

4.Mose 22,22-34 (HfA)

Bileam kam dann beim moabitischen Heer an und sollte Israel verfluchen. Drei Anläufe hatte er unternommen, drei Mal konnte es nur segnen. König Balak war logischerweise extrem wütend und schrie Bileam an: „Du solltest meine Feinde verfluchen und du segnest sie! Drei Mal!!! Verschwinde! Und aus der Belohnung wird auch nichts!“

Und dann sagt er einen entscheidenden Satz: „Der HERR hat es nicht gewollt.“ (4.Mose 24,11b). Wenn Gott eine Tür zu macht, ist sie zu. Kein Mensch, keine Macht kann etwas daran ändern – so sehr sie es auch will. Aus dem Bösen macht Gott Gutes. Manchmal ist es so in unserem Leben, dass wir unsere Pläne verfolgen. Mit viel Motivation, Kraft- und Zeitwand. Und gehen Risiken ein. Doch es wird nichts. Manchmal kann es ein Test Gottes sein, ob und wieviel du wirklich willst, was du  vorhast. Dann wird die Tür irgendwann aufgehen. Manchmal kann es aber auch sein, dass die Tür einfach zu ist, weil Gott einen anderen Weg für dich geplant hat. So oder so ist es wichtig, sich für’s Gebet Zeit zu nehmen und es mit Gott zu klären, wie es weitergehen soll. Denn wenn Er eine Tür aufmacht, dann ist so offen und keiner kann sie schließen!

Die Berufung Gideons – eine schwere Geburt

Da erschien ihm der Engel des HERRN und sagte: »Der HERR steht dir bei, du starker Kämpfer!« Gideon erwiderte: »Ach, mein Herr, wenn Gott uns wirklich beisteht, warum geht es uns dann so schlecht? Wo sind all die Wunder, von denen unsere Eltern uns erzählt haben? Sie sagen, der HERR habe uns aus Ägypten befreit. Aber was ist jetzt? Er hat uns verlassen und den Midianitern ausgeliefert!« Der HERR sah Gideon an und sagte: »Ich gebe dir einen Auftrag: Geh und rette Israel aus der Gewalt der Midianiter! Du hast die Kraft dazu!« »Aber wie soll ich Israel denn retten?«, rief Gideon. »Meine Sippe ist die kleinste in Manasse, und ich bin der Jüngste in unserer Familie.« Der HERR versprach: »Ich stehe dir bei! Du wirst die Midianiter schlagen, als hättest du es nur mit einem einzigen Mann zu tun.«

Richter 6,11-15 (HfA)

Wir würden uns womöglich auch wundern, wenn uns plötzlich jemand im Büro besucht und sagt: „Der HERR steht dir bei, du starker Kämpfer!“. Ich sehe förmlich die Fragezeichen über Gideons Kopf. Was will der von mir? Ich würde vermutlich sagen, dass ich für einen Kämpfer zu alt wäre und viel zu untrainiert. Es gibt viele andere stärkere Männer als mich. Und außerdem habe ich eine Frau und Kinder, um die ich mich kümmern muss.

Doch Gott lässt sich von so etwas nicht aufhalten – denn Er kennt unsere Situation und Er würde uns den Auftrag nicht geben wollen, wenn wir nicht die richtige Person wären. Und wenn Gott das denkt, dann muss es ja so sein! Egal, wie eingeschränkt wir uns fühlen. Denn: Es geht nicht darum, dass wir alleine unserem „Feind“ (was oder wer das auch immer wäre) entgegentreten und dann gnadenlos untergehen – nein! Denn Gott sagt zu, dass Er uns beisteht, wenn wir für Ihn kämpfen. Wir müssen „nur“ den ersten Schritt des Glaubens machen und in die Richtung gehen, in die uns Gott sendet.

Gideon hat dann übrigens ein Zeichen von dem Engel erbeten – und auch bekommen. Dann ist er sich sicher:

Nun hatte Gideon keinen Zweifel mehr, er rief: »HERR, mein Gott, ich muss sterben! Denn ich habe den Engel des HERRN von Angesicht zu Angesicht gesehen!«

Richter 6,22 (HfA)

Gideon musste nicht sterben. Im Gegenteil. Gott rüstet ihn für seinen Auftrag aus.

Die ganze Geschichte findest du in Richter 6,11-24. Auch danach erlebt Gideon ziemlich coole Sachen mit Gott. Weiterlesen lohnt sich!

In der Löwengrube

Das Volk Israel befindet sich in der babylonischen Gefangenschaft. Inzwischen haben die Meder und Perser unter König Darius das Reich übernommen. Daniel ist ein gut ausgebildeter, von Gott gesegneter Jude, der unter den obersten Beamten des Königs ist. Wie es im Leben so ist, gibt es genug Neider und ein paar Verschwörer verbünden sich und unterbreiten Darius ein verlockendes Angebot: Einen Monat lang soll das Volk keinen Gott und keinen anderen König als Darius um etwas bitten. Wer dagegen dieses Gesetz verstößt, soll getötet werden. Da Daniel treu zu Gott steht, betet er ihn trotzdem an und wird natürlich „zufällig“ erwischt. Er wird in eine Grube mit hungrigen Löwen geworfen. Doch wider erwarten und ganz zur Freude von Darius überlebt Daniel und die „Verschwörer“ werden bestraft. Daniel sagt:

Mein Gott hat seinen Engel gesandt. Er hat den Rachen der Löwen verschlossen, darum konnten sie mir nichts anhaben. Denn Gott weiß, dass ich unschuldig bin, und auch dir gegenüber, mein König, habe ich kein Unrecht begangen.« 

Daniel 6,23 (HfA)

Ein Engel greift ein und macht den Löwenbändiger. Starke Geschichte! Uns kann sie dazu inspirieren, dass wir egal in welcher Situation zu Gott stehen. In unseren westlichen Welt ist man nicht mit dem Tode bedroht, wenn man sich als Christ „outet“, aber man kann Hohn und Spott kassieren, gemieden oder beschimpft werden. Das ist auch nicht schön. Gott steht zu uns, auch wenn Menschen gegen uns sind. Wenn wir Jesus bekennen, bekennt Er sich zu uns.

Die ganze Story gibt es in Daniel 6. König Belsazar (König von Babylonien) machte übrigens etwas Ähnliches, bevor er starb, und ließ ein paar Männer in einen extrem heißen Ofen werfen – auch sie wurden von einem Engel gerettet (vgl. Daniel 3,1-30).

Daniel hatte noch mehr Begegnungen mit Engeln: Daniel 8,13-27; Daniel 10,10-21; Daniel 12,5-13.

Weitere Geschichten

  • Die Gottessöhne hatte ich schon im Teil I der Engelserie erwähnt. Diese Begegnungen mit den Menschen waren sehr „fruchtbar“ (1.Mose 6,4): Aus der Verbindung der Gottessöhne mit den Menschentöchtern gingen die Riesen hervor. Sie lebten damals – und auch später noch – auf der Erde und waren als die berühmten Helden der Vorzeit bekannt.
  • Abraham hatte mehrere Begegnungen mit Engeln. Eines Tages sieht er drei Männer zu seinem Zelt kommen. Sie kündigen ihm die Geburt seines „echten“ Sohnes Isaak innerhalb eines Jahres an. Sara, Abrahams Frau, kann das nicht glauben und lacht… (1.Mose 18,1-15)
  • In Davids Danklied in 2.Samuel 22 beschreibt er, wie Ihn Gott vor allem rettet und wie gewaltig und groß er Gott erlebt hat (Verse 10 und 11): Er riss den Himmel auf und kam auf dunklen Wolken zur Erde herunter. Auf einem Kerub flog er daher und schwebte herab, vom Sturm getragen. 
  • Der selbe David fürchtet sich gewaltig vor einem Engel, als er vor Gott gesündigt hatte (1.Chronik 21, hier Vers 30): Doch David wagte es nicht mehr, nach Gibeon zu gehen, um dort Gott um Rat zu fragen, denn er war vor Schreck wie gelähmt über das tödliche Schwert des Engels.
  • In vielen Bibelstellen sagt Gott dem Volk Israel zu, dass Seine Engel mit ihm auf dem Weg sind, um es zu beschützen., z.B. 2.Mose 14,19, 2.Mose 23,20, 2.Mose 33,2, 4.Mose 20,16.
  • Auch dem Knecht Abrahams, der für Isaak eine Frau aus der alten Heimat seines Herrn finden soll, wird die Begleitung und Vorbereitung durch einen Engel zugesagt. Siehe 1.Mose 24,7 und 40.
  • Daniel begegnet nicht nur in der Löwengrube einem Engel, sondern auch als er Fragen an Gott hat. Gabriel, der Engel, spricht zu ihm. „»Daniel«, sagte er zu mir, »ich bin gekommen, um dir all diese Dinge zu erklären.“ (Daniel 9,22).
  • Elia hatte sich mit den Baalspropheten angelegt und sie vernichtend geschlagen. Daher lässt ihn König Ahab von Israel verfolgen. Elia flieht und möchte eigentlich nur noch sterben. Dann kommt ein Engel zu ihm: „Plötzlich wurde er von einer Berührung geweckt. Ein Engel stand bei ihm und forderte ihn auf: »Elia, steh auf und iss!« Als Elia sich umblickte, entdeckte er neben seinem Kopf ein Fladenbrot, das auf heißen Steinen gebacken war, und einen Krug Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder schlafen.“ (1.Könige 19,5b-6, HfA).
  • Es gibt in der Geschichte Israels eine Epoche, die die „Richterzeit“ genannt wird. Das war, bevor es israelitische Könige gab. Einer der Richter war Simson, dessen Geburt von einem Engel angekündigt wurde. Das war Gott wichtig, da Simson schon im Mutterleib Gott geweiht war und daher seine Mutter bestimmte Dinge nicht zu sich nehmen sollte. Simson sollte auch in einer bestimmten Art erzogen werden. Zwei Verse springen ins Auge. Vers 6: Da lief die Frau zu Manoach und erzählte ihm: »Ein Bote Gottes ist bei mir gewesen. Er sah aus wie ein Engel! Ich hatte solche Angst! Ich habe ihn nicht einmal gefragt, woher er kommt. Er hat sich auch nicht vorgestellt. Vers 18: Der Engel erwiderte: „Du fragst nach meinem Namen? Er ist unbegreiflich für dich!“ Die ganze Erzählung findest du in Richter 13.
  • Dem Propheten Sacharja begegnen mehrmals Engel in einer Vision, in der es um das Gericht Gottes geht. Siehe Sacharja 1,7-17; Sacharja Kapitel 2 bis 6. Hier sind die Engel Botschafter, die für Sacharja die Nachricht Gottes bringen und erklären.

Zum Schluss

Die Berichte von Engelsbegegnungen im Alten Testament sind zum Teil echt krass. Auch wenn der direkte Zweck der Stories nicht unbedingt das Lehren von dem Leben mit Gott ist, sondern eben das Berichten eines Ereignisses, können wir viel lernen: Über Gott und wie Er ist und handelt, über die Menschen und ihre – oft nicht so schönen – Charakterzüge, über uns – wenn wir uns selbst fragen, wie wir gehandelt hätten.

Gott spricht zu uns Menschen – auf die ein oder andere Weise. Er möchte eine Beziehung zu uns und die Kommunikation ist das A und O eines gesunden Miteinanders. Gott spricht und wir hören. Wir beten und Gott hört. Wir dürfen Gott um alles bitten. Er wird uns antworten.

Gott hat eine Berufung für uns und zeigt uns den Weg. Ob Er einen Engel zu dir schickt, der dir hilft oder eine Nachricht von Gott hat, das weiß ich nicht. Doch nur wenn wir offen dafür sind, dass es eine sichtbar UND unsichtbare Welt gibt, besteht die Möglichkeit, dass wir mehr erkennen können, als unsere Augen sehen. Wenn wir das Unsichtbare von vorherein ausschließen, dann werden wir Betriebsblind und werden es niemals hier auf dieser Welt sehen…

Vielen Dank für’s Lesen und eine gesegnete Weihnachtszeit!

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