
Anschließend ging einer der zwölf Jünger, Judas Iskariot, zu den obersten Priestern und fragte: »Was zahlt ihr mir, wenn ich Jesus an euch ausliefere?« Sie gaben ihm 30 Silbermünzen.
Matthäus 26,14-15 (HfA)
Der Grund für Ostern
An Ostern feiern wir Christen, dass Jesus wieder auferstanden von den Toten ist. Er wurde von Gott in die Welt gesandt, um unsere Schuld, die uns von Gott trennt, zu bezahlen. Das passierte durch den Tod von Jesus am Kreuz. Dadurch sind wir schuldfrei vor Gott, wenn wir dieses Opfer für uns im Glauben annehmen (Johannes 3,16). Jesus blieb aber nicht im Grab und kam wieder für kurze Zeit zurück auf die Erde und wurde von mehreren hundert Menschen gesehen (1.Korinther 15,6). Danach fuhr Er zum Vater in den Himmel auf (Markus 16,19). Eines Tages wird Jesus von dort wiederkommen – dieses Mal nicht als Baby und Erlöser, sondern als König und Richter (Offenbarung 1,7).

Der Messias
Judas wurde von Jesus berufen und war einer aus Jesu engsten Freundkreis – einer der Zwölf. Er war auch für die Verwaltung der Finanzen der Gruppe zuständig. Er war sich sicher, dass Jesus der erwartete Messias war, der vor hunderten von Jahren den Juden versprochen war. Er sollte das Volk befreien und seine Kennzeichen sollten unter anderem Wunder, wie die Heilung von Kranken und Erweckung von Toten sein. Das alles tat Jesus (siehe z.B. Auferweckung des Lazarus vom Tod in Johannes 11,37-44). Und noch eine riesige Erwartung hatten die gläubigen Juden: Der Messias sollte als König auftreten und das Volk Israel vom Joch der Fremdherrschaft – zu dieser Zeit den Römern – befreien. Doch Jesus machte keine Anstalten, das zu tun. Nicht nur Judas war wohl enttäuscht und daher beschließt er, etwas sehr Folgenschweres zu tun…

Eine Handvoll Dollar
Im abgelegenen Wüstenort San Miguel in Mexico trifft ein einsamer Reiter ein. Der Ort wird von zwei rivalisierenden Familienclans beherrscht, den Baxters und den Rojos. Die Menschen leiden unter die gewalttätigen Auseinandersetzungen und sind handlungsunfähig vor Angst. Der Fremde spielt die beiden verfeindeten Clans gegeneinander aus und arbeitet abwechselnd für sie. Wobei er ihnen immer wieder Fallen stellt und einen nach dem anderen tötet. Für jeden Verrat kassiert er „eine Handvoll Dollar“…
Genau wie in diesem Western von Sergio Leone begeht Judas Verrat, aber nicht an seinen Feinden oder bösen Menschen:
Anschließend ging einer der zwölf Jünger, Judas Iskariot, zu den obersten Priestern und fragte: »Was zahlt ihr mir, wenn ich Jesus an euch ausliefere?« Sie gaben ihm 30 Silbermünzen. Von da an suchte Judas eine günstige Gelegenheit, um Jesus zu verraten.
Matthäus 26,14-16 (HfA)
Für dreißig Silberstücke verrät Judas Jesus an die Hohepriester und Schriftgelehrten. Ein Silberstück war in etwa der Tageslohn eines Arbeiters (Matthäus 20,2-16). Im Prinzip ungefähr ein Monatsgehalt. Heute wären das ca. 4.000 € für den Judas seinen besten Freund verkaufte. Dieser Betrag war übrigens auch der festgelegte Preis für das Freikaufen eines oder die Ersatzzahlung für eine Sklaven (2.Mose 21,32) oder der Lohn eines guten Hirten (Sacharja 11,12). Jesus bezeichnete sich selbst als den guten Hirten (Johannes 10,11), …
Über die genauen Motive von Judas gibt die Bibel keine klare Auskunft, aber es wird oft seine Habgier als Grund genommen. Vielleicht ist das eine Komponente, eine andere könnte sein, dass er so Jesus dazu „zwingen“ wollte, endlich als der Messias mit Macht aufzutreten, eine Armee aufzustellen und die Römer aus dem Land zu werfen.
Der Verrat beschleunigte auf jeden Fall die Ereignisse. Eigentlich wollten die obersten Juden vor dem Passahfest, das kurz bevorstand, nicht wirklich auffallen und dass alles im Geheimen vor sich ging. Denn auch Pontius Pilatus, der römische RANG, der normalerweise in Cäsarea residierte, war zu diesem Fest, zudem über 100.000 Pilger erwartet wurden, mit vielen Soldaten in Jerusalem, um zu zeigen, wer die Macht hat. Doch durch Judas kam es anders. Er legte nun den Zeitplan fest (Matthäus 26,16).

Das Abendmahl
Jesus sind diese Machenschaften von Judas natürlich nicht verborgen geblieben und beim letzten Abendmahl konfrontiert er die Jünger und natürlich auch Judas damit, dass ein Verräter am Tisch sitzen würde:
Beim Essen erklärte er ihnen: »Ich versichere euch: Einer von euch wird mich verraten!« Bestürzt fragte einer nach dem andern: »Du meinst doch nicht etwa mich, Herr?« Jesus antwortete: »Einer von euch, der mit mir zusammen sein Brot in die Schüssel getaucht hat, ist es. Der Menschensohn muss zwar sein Leben lassen, wie es in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist; aber wehe dem, der ihn verrät! Dieser Mensch wäre besser nie geboren worden.« Judas, der ihn später verraten würde, fragte wie die anderen auch: »Rabbi, ich bin es doch nicht etwa?« Da antwortete ihm Jesus: »Doch, du bist es!«
Matthäus 26,21-25 (HfA)
Das Eintunken des Brotes in die Schüssel ist ein Zeichen der Verbundenheit. Jesus sitzt hier mit Seinen allerengsten Gefährten zusammen und wird von einem verraten – das ist echt starker Tobak.
Doch Judas hatte immer noch die Möglichkeit, den Verrat zu stoppen – obwohl der Weg schon vorgezeichnet und Gott bewusst war. Judas hätte nicht zu den Hohepriestern gehen und den Standort von Jesus mitteilen müssen. Er hätte das Geld zurückgeben und Abstand von dem Vorhaben nehmen können. Doch er hat es nicht getan. Er war an ein „point of no return“. In Lukas 22,3-6 steht sogar, dass Satan in Judas gefahren sei – trotzdem ist eine Umkehr möglich! Wir werden auch von Satan zur Sünde verführt und haben trotzdem immer die Möglichkeit „nein“ zu sagen!

Judas ist nicht zu stoppen(?)
Sogar mein engster Freund, mit dem ich mein Brot teilte und dem ich vertraute, tritt mich nun mit Füßen.
Psalm 41,10 (HfA)
Irgendwann nach/ während dem Mahl verlässt Judas die Gemeinschaft.
Als Jesus dann zum Gebet im Garten Gethsemane ist, kommen gegen Morgen die Hohepriester mit der Tempelwache und einigen römischen Soldaten, um Jesus festzunehmen. Anscheinend weiß keiner von ihnen, wie Jesus aussieht, so sagt Judas: „Wem ich einen Kuss gebe, der ist es!“ Selbst hier hätte Judas noch stoppen können, aber er tut es nicht. In vollem Bewusstsein verrät er Jesus, obwohl er alles gesehen hat, was Jesus tat und er viele seiner Reden kannte.
Judas begrüßt Jesus respektvoll als Rabbi – ein religiöser Lehrer – und gibt ihm einen Begrüßungskuss, der eigentlich eine enge Verbundenheit ausdrücken sollte, hier aber zum Symbol des üblen Verrats pervertiert wird.
So nehmen die Häscher Jesus nach einem kurzen Tumult gefangen. Die anderen Jünger fliehen. (siehe Matthäus 26,47-50) Wie es mit Jesus weitergeht? Siehe oben!
Und was war mit Judas?

Das Ende von Judas
Als Judas, der Verräter, sah, dass Jesus zum Tode verurteilt werden sollte, tat es ihm leid, was er getan hatte. Er brachte den obersten Priestern und den führenden Männern des Volkes die 30 Silbermünzen zurück. »Ich habe Unrecht getan und einen Unschuldigen verraten!«, bekannte er. »Was geht uns das an?«, gaben sie ihm zur Antwort. »Das ist deine Sache!« Da nahm Judas das Geld und warf es in den Tempel. Dann lief er fort und erhängte sich.
Matthäus 27,3-5 (HfA)
Das Ende von Judas ist nicht gerade rühmlich. Er erkannte, dass Jesus sein Herr und der Erretter war und bereute im Nachhinein den Verrat. Doch scheinbar war es zu spät. Die Hohepriester ließen Jesus nicht mehr frei, sie hatten, was sie wollten. Nicht mal das Geld wollten sie von Judas zurück, weil es Blutgeld war und damit unrein. Schon spannend: Ohne Bedenken wollen sie einen nachweislich unschuldigen Menschen, Jesus, gemein und hinterhältig umbringen, aber beim „Blutgeld“ haben sie plötzlich Skrupel…
Judas bereut zwar, aber ob er eine echte Sündenerkenntnis hat, weiß man nicht. Er bezeugt in Matthäus 27,4 sogar die rechtliche Unschuld von Jesus. Aber es ist schon zu spät. Ihm wird plötzlich bewusst, was er getan hat. Er muss wirklich verzweifelt gewesen sein, denn er sieht keinen anderen Ausweg mehr, als den Tod. Er erträgt die Konsequenzen seines Handelns nicht und flieht.
Siehe auch 5.Mose 27,25 oder Sprüche 6,16-19.

Zum Nachdenken
Die Handlung um Judas ist extrem dramatisch. Sie handelt von anfänglicher Hoffnung und Euphorie, von Enttäuschung und Verrat, von falschen Entscheidungen und Verzweiflung. All diese Dinge begegnen uns in unserem Leben auch (hoffentlich nicht zu oft!).
Wurdest du schon mal von einem engen Vertrauten hintergangen? Wie ging es dir dabei? Wie hast du reagiert?
Hast du selbst schon mal jemanden verraten? Musst du noch Schuld bekennen und um Vergebung bitten? Dann tu es!
Warst du schon mal selbst an einem „point of no return“? Was war das? Welche Konsequenzen hatte das für dich und dein Umfeld? Oder steuerst du gerade auf einen zu? Kannst du stoppen?
Wo ist dir schon mal eine offensichtliche Doppelmoral begegnet, wie bei den Hohepriestern, die den Tod eines Unschuldigen in Kauf nehmen, aber beim Geld Bedenken haben? Bist du selber schon mal in eine solche Falle getappt?

Links
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Bibelstellen – Parallelstellen
- Abendmahl: Markus 14,17-21
- Verrat: Markus 14,10-11; Markus 14,43-52
- Gefangennahme: Lukas 22,47-53; Johannes 18,2-11
- Tod von Judas: Apostelgeschichte 1,18