Familienleben: Reize deine Söhne nicht zum Zorn

Bald lebte ich jeden Tag mit der Angst
vor dem, was in der Nacht passieren könnte.
Ich ertrug es nicht, das Weinen
meiner Mutter zu hören, und ich weiß noch, als
ich schwor, dass es das letzte Mal war, dass sie mich sahen.
Und ich ging nie wieder nach Hause.
Man sagt, dass die Zeit heilt.
Und jetzt sind meine Wunden nicht mehr dieselben.
Ich läutete die Türglocke. Mir rutschte das Herz in die Hose.
Ich musste hören, was er sagen würde.
Er setzte sich zu mir und sprach mit mir.
Er schaute mir direkt in die Augen.
Er sagte:
„Du bist kein Sohn, du bist kein Sohn von mir“
„Du bist kein Sohn, du bist kein Sohn von mir“

Mit deepl übersetzter Auszug aus dem Song „No son of mine“ von Genesis

Du bist nicht mein Sohn!

Ein krasses Lied und ich glaube, es gibt genug Menschen, die Probleme mit ihren Eltern haben, es Streit gibt und viel Schmerz. Wo Menschen auf engem Raum miteinander umgehen, gibt es Reibungspunkte – mehr oder weniger große. In diesem Beitrag möchte ich mich speziell mit dem Umgang der Väter mit ihren Söhnen, ihren Kindern, beschäftigen, wobei sich die Mamas sicherlich in den Zeilen wiederfinden können.

Mir geht es als Vater von vier Kindern meistens gut, aber ich komme immer wieder an meine Grenzen, wenn es Konfliktsituationen gibt. War ich zu streng? War ich zu laut? Hab ich mich zu lasch geäußert? Ist die Strafe angemessen? Das sind Fragen, die ich mir manchmal stelle. Es kann auch sein, dass ein Streit plötzlich eskaliert und beide Seiten sagen oder tun Dinge, die sie eigentlich nicht wollen. Aber im Feuerwerk der Emotionen ist das klare Denken nicht immer einfach. Man kann nur hoffen und beten, dass man keine Aussagen macht, die extrem verletztlich sind.

Du bist nicht mein Sohn!“ wie in dem Lied von Genesis ist sicherlich eine der Aussagen, die die Beziehung zwischen Vater und Kind zerstören können. Es muss da vorher schon viel passiert sein, damit es soweit kommt.

Umgang miteinander in der Familie

In der Bibel gibt es von Anfang an die Familie. Sie beschreibt deren Geschichte und gibt uns Anweisungen bzw. Beispiele im Umgang miteinander (oder wie man es besser nicht macht). Zum Beispiel möchte Gott, dass wir unseren Eltern gehorsam sind und sie ehren. Im vierten Gebot steht:

Ehre deinen Vater und deine Mutter, dann wirst du lange in dem Land leben, das ich, der HERR, dein Gott, dir gebe.

2.Mose 20,12 (HfA)

Dass die Sache nicht nur einseitig ist, sollte eigentlich klar sein. Paulus beschreibt hier zwar die Eigenschaften von Bischöfen und Diakonen, aber ich denke für alle Väter gilt es ebenso:

Er soll verantwortungsbewusst für seine Familie sorgen, die Kinder sollen ihn achten und auf ihn hören. […] Auch für einen Diakon gilt, dass er seiner Frau die Treue halten und verantwortungsbewusst für seine Familie sorgen muss.

1.Timotheus 3,4+12 (HfA)

All das ist im Pinzip in diesem sogenannten „Doppelgebot der Liebe“ enthalten:

»Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz Gottes?« Jesus antwortete ihm: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.‹ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber ein zweites: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‹

Matthäus 22,36-39 (HfA)

Kinder erziehen – auch ein Vaterjob

Darüber hinaus schreibt Paulus über den Umgang der Väter mit ihren Kindern:

Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht ungerecht! Sonst fordert ihr nur ihren Zorn heraus. Eure Erziehung soll sie vielmehr in Wort und Tat zu Gott, dem Herrn, hinführen.

Epheser 6,4 (HfA)

Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht zu streng, damit sie nicht ängstlich und mutlos werden. 

Kolosser 3,21 (HfA)

Und in den Sprüchen lesen wir:

Wie man Eisen durch Eisen schleift, so schleift ein Mensch den Charakter eines anderen. Wer seinen Feigenbaum pflegt, kann die Früchte ernten; wer sich für seinen Herrn einsetzt, der findet Anerkennung.

Sprüche 27,17-18 (HfA)

Warum hab ich diese Verse ausgesucht? Was können wir daraus lernen?

Wir Väter haben einen Anteil an der Erziehung unserer Kinder zu leisten und dürfen es nicht allein den Müttern, Schulen oder Kindergärten überlassen. Keine Arbeit oder Karriere ist so wichtig, als dass man die Kinder vernachlässigen darf. Erziehung ist eine gemeinsame Aufgabe – vor allem innerhalb der Familie.

Das Ziel unserer Erziehung soll sein, dass wir unsere Kinder im Glauben an Gott erziehen und sie Männer und Frauen „nach dem Herzen Gottes“ werden. Das sollte unsere oberste Priorität sein – eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe, die vor vielen anderen Dingen steht. Meine Frau und ich finden es wichtig, dass wir unseren Kindern all das mitgeben, was sie brauchen, damit sie selbstständig ihr Leben meistern können, dass sie selber nachdenken lernen und auch ihre Meinung vertreten; dass sie mutig Dinge ausprobieren und wieder aufstehen, wenn sie hingefallen sind; dass sie respektvoll mit ihren Mitmenschen umgehen und nicht nur an sich selbst denken; dass sie Verantwortung übernehmen. Das ist eine Mammutaufgabe, die man nicht so einfach nebenher erledigen kann.

Wichtig ist es, dass wir mit Maß erziehen: Kinder brauchen ihre Grenzen und Reibungspunkte – das schleift ihren Charakter (vgl. Sprüche 27,17). Damit sind Konflikte vorprogrammiert und das ist gut so. Im geschützten Rahmen der Familie können sich die Kinder im Streitlösen ausprobieren und wir Eltern lernen so ebenfalls dazu😉. Wir sollen die Kinder allerdings nicht ZU streng behandeln, weil sie sonst sehr verletzt werden können, was zu einem negativen Selbstwertgefühl führen kann. Wer seine Kinder ständig anbrüllt, braucht sich nicht wundern, wenn sie sich zurückziehen oder ständig zu ihren Freunden „fliehen“.

Kinder haben einen guten Sinn für Gerechtigkeit (außer vielleicht bei der Menge an Süßigkeiten, die ihnen zustehen😊). Wie Paulus im Epheserbrief schreibt, sollten wir unsere Kids entsprechend fair behandeln. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Die Söhne reizen

Als König David davon erfuhr, wurde er sehr zornig. Doch er brachte es nicht übers Herz, Amnon zu bestrafen, denn er war sein ältester Sohn, und David liebte ihn besonders. Absalom sprach kein Wort mehr mit Amnon, er machte ihm keine Vorwürfe, aber er grüßte ihn auch nicht. Er hasste seinen Bruder, weil er seine Schwester Tamar vergewaltigt hatte.

2.Samuel 13, 21-22 (HfA)

Diese Verse aus dem Buch Samuel illustrieren, was „reizen“ bedeuten kann: David zieht keine Konsequenzen daraus, dass sein Sohn Amnon die eigene Schwester vergewaltigt – und darüber ist Absalom zurecht sehr zornig. Er wird später sogar gegen seinen untätigen Vater Putschversuche unternehmen, weil er ihn für führungsschwach hält.

Das heißt, ein Vater kann seinen Sohn nicht nur durch übermäßige Bestrafung, Anschreien, Gewalt reizen. Ebenso Laschheit, Unzuverlässigkeit, Demütigungen, Lieblosigkeit oder Ungerechtigkeit können Gründe sein. Oder wenn ein Vater seinen Sohn ständig vor anderen lächerlich macht, ihn verspottet oder nicht ernst nimmt. Wenn ein Kind nur hört, dass es nichts wert ist, dass der Vater enttäuscht ist oder es gar ablehnt, sammelt sich viel Schmerz in einer Kinderseele. Und das Kind reagiert: Entweder es zieht sich komplett zurück, es flieht in Drogen, Süchte oder ungute Beziehungen oder es geht in Angriffsstellung und wird zornig. So oder so ist die Beziehung zwischen Eltern und Kind zerbrochen.

Das lässt sich oft wieder ins Reine bringen, aber es gibt Situationen, in denen zuviel zerbrochen ist, um einfach zu Tagesordnung übergehen zu können.

Mögliche Folgen sind: Es gibt Streit, vielleicht sogar bis zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ein Bruch des Vertrauens zwischen Vater und Sohn ist wahrscheinlich. Der Frieden in der Familie ist gestört. Der Sohn wird nicht mehr auf den Vater hören. Es können andere Familienmitglieder in den Streit hineingezogen werden. Man hilft sich gegenseitig nicht mehr, wenn man in Not ist.

Wir Eltern sind in der Verantwortung, unsere Familie auf einem guten Weg zu führen – besonders wir Väter. Deshalb ist es an uns, maßvoll zu erziehen und zu reagieren und wenn wir versagen, die nötigen Schritte zur Aufarbeitung und zur Versöhnung zu initiieren.

Was tun?

Eine freundliche Antwort vertreibt den Zorn, aber ein kränkendes Wort lässt ihn aufflammen.

Sprüche 15,1 (HfA)

Ich hab hier natürlich keine Patentlösungen zu bieten, aber ich möchte zum Nachdenken anregen und mögliche Wege aufzeigen. Ich denke, das alles gilt nicht für Vater-Sohn-Beziehungen, sondern generell für alle möglichen Kombinationen.

Gebet für die Kinder

Beten. Beten. Beten. Bete um Weisheit, wenn du nicht weißt, wie du reagieren sollst. Bete, dass deine Kinder auf dem richtigen Weg bleiben. Bete um Geduld und Ruhe. Bete für deine Familie und dass ein guter Geist herrscht. Bete um Hilfe, wenn du alles Menschenmögliche getan hast.

Liebe deine Kinder

Es fällt nicht immer leicht zu lieben. Denn Liebe ist nicht nur das Gefühl, sondern Liebe ist eine Entscheidung für einen Menschen; ihn nicht aufzugeben. Lass dir von Gott Kraft geben, damit du auch im Streit lieben kannst.

Streit sofort ausräumen

Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“ (Epheser 4,26) schreibt Paulus an die Epheser. Das soll heißen, dass wir Streit schnell klären sollen, bevor er anfängt zu gären und immer schlimmer wird. Das geht manchmal nicht an einem Tag, aber man kann versuchen, dass man sich zumindest noch in die Augen schauen kann, bevor man auseinandergeht.

Den eigenen Stolz überwinden

Bist du gekränkt worden, dann frage dich, warum dich das stört/ verletzt? War es wirklich schlimm, was gesagt wurde, oder fühlst du dich in deinem Stolz und deiner Ehre verletzt? Wurde ein wunder Punkt getroffen? Warum ist er da? Vielleicht sind das noch Wunden aus deiner Kindheit, dann ist es gut, sie im Gebet vor Gott zu bringen und sie von Ihm heilen zu lassen. Das wird Er tun!

Entschuldige dich

Menschen machen Fehler. Wenn du deinen Sohn anschreist oder ungerecht behandelst, dann entschuldige dich für dein Verhalten. Erstens hilft es, eine gute Beziehung aufrechtzuerhalten, zweitens bist du ein gutes Vorbild für dein Kind.

Die eigene Meinung reflektieren

Du, genauso wie ich und jeder andere Mensch, hast die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Du bist nicht allwissend und dein Weg und deine Meinung müssen nicht die beste für die ganze Menschheit sein. Denk über deine Einstellungen nach. Lies Bücher, lies die Bibel, und ändere deine Einstellung, wo es sinnvoll ist. Lass dich von anderen überzeugen, wenn das, was sie zu sagen haben, gut ist. Das gilt ebenso für das, was dir vielleicht dein erwachsener Sohn zu sagen hat.

Handle integer

Tu, was du sagst. Sei konsequent. Halte dich an deine Versprechen. Sei ehrlich.

Respekt voreinander

Auch wenn sich unsere Kinder vielleicht nicht so entwickeln, wie wir es uns wünschen, sollten wir sie respektvoll behandeln. Seinen Sohn als „Memme“ oder „Mädchen“ zu bezeichnen, weil er vielleicht kein Motorrad fährt oder gerne liest, ist sicher keine Lösung. Jedes Kind hat das Recht auf seinen eigenen Lebensentwurf. Es hat von Gott Gaben und Neigungen bekommen, die es ausleben darf. Die Kinder sind nicht die Erfüllungsgehilfen für unsere Träume.

Das Kind ernst nehmen

Nichts ist schlimmer, wie wenn man nicht gehört wird und man das Gefühl hat, dass die eigenen Worte, Gedanken und Gefühle im Nichts verhallen. Nimm dein Kind ernst, wenn es von seinen Ideen erzählt. Ich finde, aus der Sicht der Kids kann man immer wieder etwas Neues lernen.

Hilfe suchen

Kommst du oder du zusammen mit deiner Frau nicht mehr weiter, dann suche dir Hilfe. Es gibt Seelsorger in vielen christlichen Gemeinden, die sich um euch kümmern können und vor allem für euch beten.

Vergebung

Wenn eine Situation eskaliert und Verletzungen passieren, ist es wichtig, dass wir Schritte der Vergebung und Versöhnung aufeinander zu machen. Auch wenn uns das Kind wehgetan hat oder respektlos war oder wir maßlos enttäuscht sind. Manchmal muss man einfach tief durchatmen, beten und dann die Hand zur Versöhnung ausstrecken. Das kann ein langer Prozess sein. Jesus sagt, wir sollen immer wieder neu vergeben (Matthäus 6,14-15, Matthäus 18,21-22), weil Gott, unser Vater im Himmel, das auch tut. Wenn wir vergeben, werden wir selbst frei, wird das Kind frei und die Situation kann entschärft werden. Das ist sicher in manchen Fällen wirklich hart. Härter ist es, ein Kind zu verlieren/ vergraulen.

Musik zum Nachdenken

Father and Son von Cat Stevens

„No son of mine“ von Genesis

Weitere Bibelstellen zum Thema

Vielen Dank für‘s Lesen und Gottes Segen!

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