
Sam: Erinnerst du dich noch ans Auenland, Herr Frodo? Da wird bald Frühling sein. Alle Obstbäume stehen dann in voller Blüte. Und die Vögel bauen ihre Nester im Haselnussdickicht. Und sie werden die Sommergerste auf den unteren Feldern aussäen und die ersten Erdbeeren mit Schlagsahne essen. Erinnerst du dich noch an den Geschmack von Erdbeeren?
Frodo: Nein, Sam. Ich hab jeden Geschmack vergessen. Auch das Geräusch des Wassers und wie sich Gras anfühlt. Ich bin … nackt in der Dunkelheit. Es gibt nichts mehr, keinen Schleier mehr zwischen mir und dem Feuerrad. Ich seh ihn vor mir, mit wachen Augen!
Sam: Dann lass ihn uns endlich loswerden! Ein für alle Mal! Los, komm, Herr Frodo. Ich kann ihn nicht für dich tragen, aber ich kann dich tragen! Komm schon!
Diese Szene aus „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ gegen Ende des Films fand ich sehr inspirierend. Ein paar Aspekte sind mir dazu eingefallen, von denen ich heute drei mit Dir teilen will.




Ich kann dich (er)tragen!
Paulus schreibt in seinem Brief an die Kolosser unter anderem, wie Christen miteinander umgehen sollen (vgl. Kolosser 3,5-17):
Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn jemand euch Unrecht getan hat. Denn auch Christus hat euch vergeben.
Kolosser 3,13 (HfA)
Paulus ist klar, dass es im Zusammenleben auf dieser Erde immer wieder zu Konflikten kommt. Es wird immer jemanden geben, den wir „nicht so leiden können“ oder Leute, die uns auf den Wecker gehen. Gerade, wenn man in einer engen Gemeinschaft wie einer Familie, einem Verein oder einer Kirchengemeinde zusammenlebt, wird man sich aneinander reiben. Nicht umsonst hat jeder seine wunden Punkte, die so heißen, weil es eben schmerzt, wenn jemand anderes drankommt. Und je besser man sich kennt, desto besser kennt man die Schwächen der Mitmenschen und je mehr man sich selbst gegenüber den Menschen öffnet, desto verletzlicher wird man.
Paulus schreibt jetzt allerdings nicht: „Hau gleich ab, wenn es dir zu bunt wird und gibt dich nur noch mit den netten Menschen ab und denen, die dich aufbauen“. So würde es die Welt tun. Immer wieder lese ich solche Ratschläge in den sozialen Medien (anscheinend/ angeblich Zitate von Filmstars). Das Ende vom Lied ist irgendwann, dass viele Menschen sehr einsam sein werden, keine Liebe mehr erfahren und noch unerträglicher werden. Selber schuld, könnte man sagen. Eine Flucht ist zwar eine einfache, nicht aber zwangsläufig die richtige Lösung. So funktioniert das Leben nicht: Man kann sich nicht allem, was einem unangenehm ist, entziehen.
Man muss es manchmal ertragen – vor allem Menschen. Die Lösung ist, die Sache/ die Menschen im Gebet zu Gott zu bringen, um Kraft zu haben, alles zu ertragen, auch kraftraubende Beziehungen. Die bekommen wir von Ihm. Gott sagt nicht, „Jetzt kommt mal allein klar. Ich muss mich um was anderes kümmern.“ Nein. Gerade in den Situationen, in denen wir Hilfe brauchen und nicht weiterkommen, lernen wir Vertrauen auf Ihn und entwickeln uns in unserer Persönlichkeit weiter.
Siehe auch auf SalzUndLicht: Miteinander oder Segnen.




Unsere Lasten tragen
Jeder von uns Menschen hat „sein Päckchen zu tragen“. Bei manchen läuft es in der Ehe nicht gut, der nächste hat finanzielle Probleme. Wieder ein anderer ist gesundheitlich angeschlagen oder hat einen lieben Menschen verloren. So vielfältig wie wir Menschen sind, so vielfältig sind auch unsere Lasten. Einer hat mehr Kraft, der andere weniger, um alles stemmen zu können. Da ist es gut zu wissen, dass wir nicht allein sind. Im Gegenteil. Gott hat uns als Wesen erschaffen, die ein Gegenüber brauchen und hat uns Mitmenschen zur Seite gestellt (1.Mose 2,18).
In einem weiteren Brief von Paulus, dem an die Galater, geht es in Kapitel 6 um das Tragen von Lasten (Galater 6,1-10):
Jeder soll dem anderen helfen, seine Last zu tragen. Auf diese Weise erfüllt ihr das Gesetz, das Christus uns gegeben hat.
Galater 6,2 (HfA)
Jeder von uns soll für den anderen da sein, weil Gott das so möchte. So funktioniert Nächstenliebe: Ich schaue auf meinem Mitmenschen und helfe ihm, wo er Hilfe braucht. Manchmal reicht ein offenes Ohr, manchmal geht man für jemanden Einkaufen. Ein paar Euro für den Bettler auf der Straße hat vermutlich jeder übrig. Oder man betet für- und miteinander. Es kann aber auch kräftezehrend sein, wenn man einem Freund über längere Zeit beistehen muss, weil er völlig am Boden zerstört ist, weil ihn seine Frau plötzlich verlassen hat.
Wenn jeder nur ein bißchen auf den anderen schaut und nicht nur auf seinen Gewinn und Vorteil, wird die Welt zu einem besseren Ort. Und außerdem ist es doch schön zu wissen, wenn jemand mal für einen selber da ist, wenn es gut wäre, einen Freund oder eine Freundin an der Seite zu haben.
Siehe auch auf SalzUndLicht: Nächstenliebe und Lebendige Nächstenliebe.




Die Sünden der Welt tragen
Bei dem Satz „Aber ich kann dich tragen“ musste ich dran denken, wie Jesus unsere Sünden am Kreuz getragen hat, weil wir für sie selber niemals bezahlen könnten.
Am nächsten Tag sieht Johannes [der Täufer, Anm. d. A.], dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!
Johannes 1,29 (LU17)
Und diese Last war nicht leicht. Vor Seiner Verhaftung im Garten Gethsemane sagte Jesus zu Seinen Jüngern:
»Ich zerbreche beinahe unter der Last, die ich zu tragen habe. Bleibt hier und wacht mit mir!«
Matthäus 26,38b (HfA)
Heute ist Ostern. Und genau dieses Lasten tragen Jesu feiern wir heute: Er hat alle Schuld – deine, meine, die aller Menschen! – auf sich genommen. Eine wahrlich extreme Last. Dafür ist Er in den Tod gegangen. Wir sind frei von unserer Schuld, wenn wir Ihn als Herrn und Erlöser annehmen. Denn beim Seinem Tod ist es nicht geblieben: Er ist am dritten Tag auferstanden! Das Grab war leer!
Siehe auch auf SalzUndLicht: Ostern 2020 oder Ich bin die Auferstehung und das Leben.
