
Alles ist still. Die See ist ruhig. Das Schiff tastet sich durch die dunkle Nacht. Kein Stern ist zu sehen. Bei Einbruch der Nacht ist Nebel aufgezogen. Eigentlich wollten wir schon gegen Abend den Hafen erreichen, aber eine Flaute kostete uns viele Stunden. Wo ist die Küste? Sie muss ganz in der Nähe sein. Angestrengt blicken alle in die Dunkelheit und den Nebel. Ist irgendwo ein Lichtschimmer zu sehen? Selbst der sonst so ausgelassene Obermaat schweigt. Die Wellen plätschern leise an die Bordwand. Hier gibt es Untiefen, aber wir müssen so schnell wie möglich die Stadt erreichen, denn wir haben Fiebernde an Bord. Der Schiffsarzt weiß keinen Rat. Doch gerade, als der Kapitän ankern lassen wollte, weil die Weiterfahrt die ganze Mannschaft gefährdet, ruft der Ausguck: "Ein Licht! Ich sehe ein Licht an Backbord!" Plötzlich können auch die anderen Matrosen, der Kapitän, der Maat das winzige Funkeln in der Ferne entdecken. Wir ankern. Wir holen die Kranken und lassen Boote zu Wasser. Mit vereinten Kräften rudern wir auf das Licht zu. Wir sind gerettet!
Wohin des Wegs?
Seit der Mensch zur See fährt, gebraucht er Orientierungshilfen wie Sterne, Sonnenstand oder Meeresströmungen, denn hier gibt es keine Landmarken wie Berge, Flüsse, Ebenen, Hügel, besondere Bäume wie auf dem Festland. Auch in einem riesigen „Sandmeer“ wie der Sahara oder der Wüste Gobi ist es nicht immer einfach den Weg zur nächsten Oase zu finden.
Im Laufe der Zeit wurden Geräte wie der Kompass und der Sextant erfunden oder extrem wichtig für die Seefahrt waren genau gehende Uhren – das sind aber relativ junge Erfindungen. Irgendwann vorher kam jemand auf die Idee, ein Feuer auf einem hohen Turm zu entzünden, an dem sich Schiffe auf See orientieren konnten. Zum Beispiel der Leuchtturm von Pharos in Ägypten. Sogar heute ist das noch so.

Was ist der Weg?
Man muss sich auf’s Meer wagen, damit man den Leuchtturm braucht.
Der Mensch ist oft unterwegs. Und wenn er das ist, dann normalerweise nicht einfach so, sondern er ist auf unterwegs zu einem Ziel. Zur Arbeit, zum Supermarkt, nach Hause, zu Freunden. Und oft auch zu unbekannten Zielen: im Urlaub, zum Vorstellungsgespräch in eine große Stadt. Und früher, als es noch viel zu entdecken gab, zu unbekannten, unbewohnten Erdteilen. Das waren die Abenteurer unter uns, die sich mit Nußschalen auf’s Meer wagten. Für die weniger Abenteuerlustigen gibt es Abhilfen wie Landkarten, Navigationssysteme – oder eben Leuchttürme.
Geht’s dir in deinem Leben manchmal auch so, dass du nicht weißt, wie es weitergehen soll? Ist dir unklar, wohin dich dein Weg führt? Kannst du dich nicht für eine Alternative entscheiden? Heiraten oder nicht? Den Job kündigen und etwas Neues wagen? Auswandern? Umziehen? Wem vertraust du? Was ist der Sinn des Lebens? Geht es danach weiter? Du hast auch weniger schwerwiegende Entscheidungen immer wieder zu treffen.
Wo suchst du Orientierung? Bei Freunden? Im Internet? Bei Facebook? Im Buddhismus, Islam, Christentum? Oder in der Wissenschaft? Woher sollst du wissen, was richtig ist?
Kleiner Exkurs
Leuchttürme
Anzahl weltweit: ca. 15.000 - 20.000 Stück
Land mit den meisten Leuchttürmen: USA, dann Kanada, Großbritannien, Frankreich und Japan
Höchster Leuchtturm weltweit: Jeddah Light oder Jeddah Tower Lighthouse oder der Jeddah Corniche Lighthouse (Jeddah, Saudi-Arabien), ca. 133 m hoch
Höchster Leuchtturm Deutschlands: Leuchtturm Wangerooge, auch "Kleiner Leuchtturm", ca. 41 m hoch, erbaut 1856
Ältester Leuchtturm der Welt: Leuchtturm von Pharos (Ägypten), ca. 300 v.Chr., er stand ca. 1600 Jahre; der Koloss von Rhodos (Griechenland), ca. 300 v.Chr., er stand ca. 80 Jahre
Sichtbarkeit: ca. 9 - 35 km
höchstgelegener Leuchtturm: Faro de Puno (Peru) auf 3810 m Höhe
Befeuerung: in der Antike mit Holz oder Kohle, später Öllampen, Gasglühlichter und Kohlebogenlampen, heute Halogen-Metalldampflampen oder LED-Technik
Rechts im Bild: Leuchtturm von Cape Hatteras, mit 64 m der höchste der USA

Ein Blick vom Cape Hatteras-Leuchtturm (1998):


Das ist der Weg!
Jesus nachfolgen
Ein anderes Mal sagte Jesus zu den Menschen: »Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Dunkelheit umherirren, sondern er hat das Licht, das ihn zum Leben führt.«
Johannes 8,12 (HfA)
„My Lighthouse“ – das ist der Titel eines Liedes von Rend Collective (siehe weiter unten). Es beschreibt, wie Jesus unser Leuchtturm im Dunkeln ist. Er sagt ja selbst von sich, dass Er das Licht der Welt ist und wir Ihm folgen sollen. Nachfolgen heißt nicht, dass ich Jesus nur als inspirierenden Lehrer mit hohen Moralvorstellungen und einer Friedenslehre anerkenne. Nachfolgen heißt, dass Jesus der Herr in meinem Leben ist, dass ich Seinem Beispiel folge, dass ich Ihn liebe, dass ich Ihm vertraue, dass Er mich führen darf, dass ich Ihn als den Sohn Gottes anerkenne und dass das Auswirkung auf mein Denken und Handeln hat, dass ich glaube, dass Er für meine Schuld am Kreuz bezahlt hat, dass ich die Allmacht Gottes akzeptiere, dass ich mit Ihm eine Beziehung eingehe.
Genauso wie man sich nicht nur ein bisschen am Leuchtturm orientieren kann, kann man nicht nur ein bisschen nachfolgen. Irgendwann läuft man auf Grund.
Als Jesus die Jünger vor 2000 Jahren berief, haben sie alles stehen und liegen gelassen, und sind Ihm gefolgt. Auch sie hatten Familien und ihre Berufe, waren aber bereit alles zu geben. Natürlich haben sie sich auch immer wieder um die alltäglichen Dinge gekümmert. Aber wenn Jesus sie brauchte, waren sie da (mit allen Ecken, Kanten und Fehlern). Sie haben ganze Sache gemacht und bis auf einen sind alle den Märtyrertod gestorben. Sie haben wirklich ALLES gegeben.
Wie sieht das bei Dir aus? Oder bei mir? Wieweit sind wir bereit zu gehen?

Orientierung an Gottes Wort
Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet.
Psalm 119,105 (HfA)
Das Wort Gottes – die Bibel – soll der Leuchtturm für unser Handeln sein und unseren Weg vorgeben. Gott gibt uns die Gebote, Jesus ist durch Sein Leben ein Vorbild und Seine Lehre zeigt uns, wie Gott möchte, dass wir leben. „What would Jesus do?“ können wir uns immer fragen, wenn wir Entscheidungen treffen müssen, in Konfliktsituationen stecken, schlecht behandelt werden oder nicht mehr weiter wissen. Jesus soll der Orientierungspunkt in unserem Leben sein.
Mir ging es damals so, als ich vor der Frage stand: Zivildienst oder Bundeswehr. Ich hab Gott gefragt, dann war "zufällig" der barmherzige Samariter (Lukas 10,25-37) in der Bibellese dran. Der letzte Vers der Gleichnisses ist: "So geh hin, und tu desgleichen." Da war für mich klar: Bundeswehr! Ne, Spaß. Bin dann Zivi geworden.
Als im zum Glauben kam auf der Konfirmandenfreizeit: Ich hab einer Gebetszeit Jesus mein Leben übergeben und wir durften dann Kärtchen mit Bibelversen ziehen. Auf meinem Stand Jeremia 31,3: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Das war die Antwort von Gott auf mein Gebet...
Das ist nicht alles: Das Wort Gottes ist wie ein Scheinwerfer, der auf unsere dunkelsten Seiten strahlt und Sünden und Fehler aufdeckt. Schön ist das nicht immer, wenn wir entdecken, dass wir Fehler machen. Und vieles davon würden wir am liebsten im Dunkeln belassen. Braucht ja niemand zu wissen. Aber ganz oft lastet ein Schuld auf uns – es sei denn, unser Gewissen ist vollkommen taub. Und Schuld bedrückt uns und nimmt uns gefangen, was bis zu einer ungesunden Lebensweise wie Alkoholmissbrauch führen kann. Wenn aber eine Schuld ans Licht kommt, ist das gut, denn dann können wir uns entschuldigen bei Gott und/ oder Menschen, dafür gerade stehen und unser Verhalten ändern (Umkehren auf SalzUndLicht). Wir werden frei.
Oft sind die Antworten nicht klar – zumindest geht’s mir so. Doch im Vertrauen auf Gott, kann ich meinen Weg weitergehen. Ich denke, dass Er die Umstände und alles entsprechend so leiten wird, wie Er es will und mich ans Ziel bringt, auch wenn ich versehentlich mal falsch abbiege.

Beziehung zu Gott
Eine Beziehung zu Gott hört sich offen gesagt für einen Außenstehenden erst einmal seltsam an. Wie kann man zu einem unsichtbaren Wesen eine Beziehung haben? Und nein: Es ist nicht die imaginäre Freundin gemeint!
Gott möchte mit uns Menschen in Verbindung treten – Er hat uns zu Seinem Ebenbild geschaffen und hat mit Adam und Eva im Garten Eden gelebt (siehe 1.Mose 2ff) – allerdings wurde diese direkte Beziehung gestört. Aber Gott hat einen neuen Weg zu Ihm geschaffen:
Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie zu retten.
Johannes 3,16-17 (HfA)
Wenn ich eine Beziehung mit einem Menschen eingehe, rede ich mit ihm, vertraue ihm, höre zu, verbringe mit ihm Zeit – all das kann man bei Gott ebenso machen. Das Reden und Hören heißt halt „Gebet“ oder „Bibellesen“ oder „Lobpreis (Singen)„, aber sonst ist es im Prinzip dasselbe.
Den Weg für diese Beziehung hat Jesus durch Sein Opfer am Kreuz frei gemacht, denn sonst wäre es für uns schuldbeladene Menschen nicht möglich, mit Gott in Verbindung zu kommen. Gott ist heilig und wir sind sündig – das würde nicht zusammengehen.
Und der Weg, mit Gott in Verbindung zu treten passiert über den Heiligen Geist:
Gott selbst hat unser und euer Leben auf ein festes Fundament gestellt, auf Christus, und uns mit seinem Geist erfüllt. So drückte er uns sein Siegel auf, wir sind sein Eigentum geworden. Das Geschenk des Geistes in unseren Herzen ist Gottes sicheres Pfand für das, was er uns noch schenken wird.
2.Korinther 1,21-22 (HfA)
Mehr dazu gibt es auf SalzUndLicht: Der Heilige Geist und ich – Teil I und Teil II

Das ist nicht der Weg!
Von der Ortschaft „Nags Had“ auf den Outer Banks vor der Ostküste der USA gibt es die Sage, dass Schiffbrüchige dort mit falschen Leuchtfeuern Schiffe in Untiefen an der Inselkette lockten, um die auf Grund gelaufenen Schiffe dann auszuplündern. So „verdienten“ sich die Leute ihren Lebensunterhalt.
In der Tiefsee gibt es allerhand leuchtende Lebewesen. Ein Fisch, der Tiefsee-Anglerfisch (Wikipedia), lockt mit seinem Licht andere Fische an. Sobald sie in die Nähe seines Mauls kommen, war’s das – die Beute ist tot und der Hunger gestillt.
Nicht alles, was schön und toll scheint, ist es auch. Es gibt genug Irrwege, die wir gehen können. Und es gibt genug üble Zeitgenossen, die das schamlos ausnutzen. Im besten Fall sind wir nur unser Geld los.
Es gibt genauso in der geistlichen Welt Irrwege. Nicht alle Religionen führen zum Ziel. Jesus sagt:
»Nein, Herr«, widersprach ihm Thomas, »wir wissen nicht einmal, wohin du gehst! Wie sollen wir dann den Weg dorthin finden?« Jesus antwortete: »Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen.
Johannes 14,5+6 (HfA)
Es gibt nur einen Weg, auch wenn die anderen vielleicht einfacher, freier, bequemer erscheinen. Es scheint auch vielen Menschen heutzutage schlichtweg egal zu sein: Was kümmern mich Gott und der Glaube? Brauch ich nicht. Ich lebe im Hier und Jetzt. Alles andere ist Humbug. Ich nehm‘ hier alles mit. Ich hab nur dieses eine Leben. Andererseits hat jeder das Gefühl, dass es mehr gibt, als das Auge sieht und das Ohr hört. Dieses Gefühl hat Gott in uns hineingelegt, damit wir nach Ihm suchen („In das Herz des Menschen hat er den Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig ist.“, aus Prediger 3,11). Viele ignorieren es oder füllen es mit allerlei spirituellen Übungen auf. Doch letztendlich führt nur der Weg über Jesus zum Ziel. Jesus hat den Weg frei gemacht, damit wir eine Beziehung zum Schöpfer des Universums eingehen können. Darum geht es, nicht um ein religöses Pflichtprogramm.
Wenn wir nicht gehen wollen, lässt Er uns auch. Ob der eigene Weg besser für uns ist? Ich glaube nicht…
Lied: My lighthouse
Links zum Thema
- Von Eisenbahnen, Walfängern und einem totkranken Mann
- Raus aus dem Boot
- Gleichnis vom Seemann
- Wohin des Wegs?
- Der Prophet Jona
Zum Schluss
Funkspruch auf See
Quelle: unbekannt
„Unbekanntes Schiff, hier spricht der Flugzeugträger USS Gerald A. Ford. Sie befinden sich auf Kollisionskurs.„
„Das wissen wir. Bitte ändern Sie ihren Kurs!“
„Niemals! Wir sind die US-Marine – wir weichen nicht aus!„
„Das wäre aber besser für Sie. Sie sollten beidrehen. Wir können das nicht tun.“
„Hören Sie mal! Wir sind einer der größten Flugzeugträger der Welt. An Bord sind 80 Flugzeuge, 4.500 Mann Besatzung und wir haben eine Größe von 100.000 BRT – SIE ÄNDERN IHREN KURS!!„
„Nein. Wir sind ein Leuchtturm.“