Goldener Käfig

Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

2.Korinther 3,17b (HfA)

Mir kommt es vor, als ob der afrikanische Kontinent bzw. Uganda vor Leben sprühen würde. Lebendig und wild ist die Natur außerhalb der Städte, vor allem in den Nationalparks. Die ganze Nacht hört man es pulsieren, Vögel zwitschern vom Morgengrauen bis zu Dämmerung. Leben: Säugetiere, Vögel, Insekten, Pflanzen. Auch wenn wir gerade am Ende der Trockenzeit sind, wächst und blüht es, springt und hüpft es. Und die Menschen. Die Menschen sind freundlich, lächeln, wenn man sie grüßt. Im Gottesdienst ist es bunt und Lobpreis ist beschwingt und macht Spaß. Scheinbar dringt aus jeder Ritze das Leben.

In Österreich oder Deutschland kommt mir alles starrer vor. Viel ist mit Beton zugepflastert, grau. Alles ordentlich und korrekt. Sogar im Wald schaut`s aufgeräumt aus. Die Menschen eilen zum nächsten Termin, müssen dies und das erledigen. Viel arbeiten, viel Geld und alles ist gut. Das ist die Lösung. Alles muss optimiert sein. Wir brauchen sogar Qualitätszeit mit den Kindern, damit es möglichst effektiv ist, Nachwuchs zu haben, der natürlich gut gebildet und angepasst sein muss, damit er für die Gesellschaft nützlich ist. Effizient muss die Pflege sein. Zack, gewaschen. Zack, angezogen. Zack, gekämmt und ab in den Frühstückssaal zum Füttern. Das wird vom Krankenhausmanagement oder dem Pflegechef erwartet. Menschlichkeit steht noch schön im Hochglanzprospekt. Ist das Menschlichkeit, wenn keine Zeit für ein Gespräch bleibt? Wenn eine Kindergartenpädagogin auf 10 Kinder aufpassen muss? Nein, die Mama kann nicht auf zwei Kinder aufpassen. Es braucht die Qualitätspflege aus dem Hochglanzprospekt. Und Mama kann arbeiten gehen und endlich wieder für die Gesellschaft nützlich sein und Papa gibt ihnen dann vorm Bett gehen noch einen Gutenachtkuss, weil er sonst keine Zeit hat.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Hier in Uganda, wo ich diesen Text schreibe, ist alles viel gemächlicher. Hier ist das Leben sicher nicht einfach und ich möchte auch nicht jeden Tag das Wasser in Kanistern kilometerweit nach Hause tragen wollen.
Aber wir in Österreich/ Deutschland unterstellen alles dem Kapitalismus, dem Markt oder wie auch immer man das nennen mag. Kurz: dem Geld. Ja, wir kommen zu Wohlstand. Es geht uns gut. Wir haben zu essen, zu trinken, ein Haus, können Urlaub machen, ins Kino gehen, Veranstaltungen besuchen. Ein bißchen Luxus. Zeitvertreib am Smartphone, Fernseher, Computer.
Ich hab den Eindruck, dass wir in unseren reichen Ländern in einem goldenen Käfig sind. Wir existieren nur noch und leben nicht mehr. Uns wird vorgeschrieben, was wir über Covid, Homoehe, Klimawandel, Atomausstieg, Ukrainekrise und so weiter zu denken haben. Wehe, man hat eine andere Meinung. Wir werden immer mehr eingeengt durch Gesetze und Vorschriften, die nur „zu unserer Sicherheit“ gemacht werden. Uns wird Angst gemacht, damit wir diesen Gesetzen folgen. Wehe, der Müll wird falsch getrennt! Und du hältst das „social distancing“ nicht ein! Eigentlich ein perverses Wort, das aus Orwells 1984 stammen könnte…

Wir Europäer meinen alles zu wissen und zu können. Wir meinen, dass wir alles Griff haben. Und doch lassen wir uns von einem kleinen Virus das Leben bestimmen. Die Furcht vor Gott ist aller Weisheit Anfang – das scheinen wir vergessen zu haben…

Warum lassen wir uns unsere Freiheiten nehmen? Haben wir Angst davor, dass wir nicht klar kommen, wenn Papa Staat uns nicht erklärt, wie wir ein- und ausatmen müssen? Warum dröhnen wir uns mit der Arbeit und den Medien voll? Haben wir Angst davor, dass wir Zeit zum Nachdenken über unser Leben haben? Und denn Sinn? Fürchten wir, dass plötzlich alles, was wir tun leer und sinnlos ist? Worauf blicken wir zurück, wenn wir zurückdenken?

Frei sein

Wir sind als freie Menschen geschaffen. Frei zu tun und zu lassen, was wir möchten – nur nicht alles ist gut für uns (1. Korinther 10,23). Adam und Eva waren sogar frei, ob sie Gott gegenüber gehorsam sein wollen oder nicht. Freiheit bedeutet auch, die Konsequenzen für unser Handeln zu übernehmen. Adam und Eva mussten den Garten Eden verlassen. Ich muss sagen: Lieber trage ich die Konsequenzen für mein Handeln, als dass ich weiter in einem goldenen Käfig existiere und meine Welt nur bis zum Gitter geht. Ich möchte raus in die „Wildnis“, etwas wagen. Etwas scheinbar Verrücktes tun. Ich denke, dass Gott uns frei macht. Wir müssen nicht mehr in der Enge leben. Wenn wir Gott unser Leben geben und Jünger Jesu sind, dann sind wir frei. Hört sich zunächst komisch an, doch das ist es nicht. Wenn wir ihm vertrauen und auf Ihn hören, wird er uns Dinge zeigen, die größer sind, als wir uns vorstellen können. Aufgaben, wir mit ganzer Leidenschaft tun und darin werden wir Erfüllung finden. Wir müssen nicht mehr in Sünde leben, wir sind frei davon. Wir müssen nicht mehr jedem fleischlichen Impuls nachgeben. Nein: Wir sind frei davon! Und das Gute ist: Unser Leben bekommt Sinn. Wir leben für den Schöpfer der Welt und bauen an seinem ewigen Reich, das selbst nach unserem Tod und dem Ende der Welt Bestand hat. Unser Tun bekommt einen Sinn, der in die Ewigkeit strahlt. Ist das nicht klasse!
Und eines ist sicher: Gott will Dein Bestes! Fang an, ihm zu vertrauen und zu folgen!


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